Donnerstag, 8. Januar 2015

Crowdfunding: Sind wir jetzt alle bekloppt geworden?

Ich kam gerade von der Arbeit nach Hause und da sah ich dann das hier in meinem Browserfenster aufleuchten:

45.139 € sind bis jetzt zusammengekommen. Damit ist auch das "neue" Stretchgoal längst überschritten. (Das sollte es bei 44.000€ geben. Und ich ging bis jetzt davon aus, dass diese Summe in den verbliebenen 2 Tagen gänzlich utopisch sei.) Also, damit wäre die deutsche Übersetzung eindeutig überfinanziert und ich habe wohl ein neues System für Horror-Rollenspielrunden in meinen Besitz gebracht.

Montag, 5. Januar 2015

Crowdfunding: Ein Zwischenstandsbericht.... und „Oh Gott. Ich habe ein Monster gepledget!“

Das lotfp-GRW und das NSFW-Buch.
Meine Crowdfunding-Ausbeute + entsprechender Regeln
obendrauf, wenn man so will.
Okay, eigentlich sollte dieser Beitrag erst deutlich später kommen mit ein wenig mehr nähe zu den anfallenden Rezensionen. (Und dafür heute zwar durchaus etwas mit Rollenspielbezug, aber einem anderen Fokus.)
Das ich mich im letzten Jahr habe dazu hinreißen lassen an einem Kraut-Pfann-Ding teilzunehmen ist ja nicht neues mehr, sondern hinlängst bekannt. Das Buch (NSFW) ist hier mittlerweile sicher und behütet angekommen und wartet unbelesen der Dinge die da kommen mögen. (Aufgrund des Portos habe ich mich auch noch dazu hinreißen lassen auch noch das Grundregelwerk von Lamentation of the Flameprincess mir zuzulegen. (Was zwar ein Pluspunkt aufgrund der Hardcoverbindung in DinA5 ist, aber aufgrund des Inhaltes nicht so viel neues generiert. Lotfp ist ja letzten Endes – genau wie LabLord - „nur“ ein Retro-Clone des UR-D&D. Technisch fehlt mir also von den Regeln her im Moment eigentlich nur ein nicht satirisch aufbereitetes Grundregelwerk nach AD&D-Regeln. Da es sich als eher schwierig erweist an die erste Auflage von AD&D 1 heranzukommen, werde ich wohl da doch irgendwann mal den Weg über Osric bemühen müssen, da die Übersetzung der entsprechenden LabLord-Erweiterung auf sich warten lässt.)

Der erste Eindruck ist soweit gut. Das Büchlein ist zwar sehr dünn. (Was bei 64 Seiten nicht anders zu erwarten war.) Besticht aber dadurch, dass es in Vollfarbe gehalten wurde. (Etwas, dass man derart kleinen Projekten eigentlich nicht erwarten kann.) Und: Gerade wenn man dann das Grundregelwerk daneben legt, dass tatsächlich beinahe vollständig in Schwarz weiß gehalten ist – von ein paar „Farbtafeln“ in der Mitte des Bandes mal abgesehen – wohl auch eher auf die möglichkeiten des Crowdfundigs zurückzuführen ist.

Ich bin also in gewisser Weise hell auf begeistert. Die Möglichkeiten, wenn auch hier fast schon experimentell Seltsam gewählt in Form der „Pay what you want“-Option zeigen eigentlich sehr gut, dass gerade Märkte, die eher durch ihre bescheidene Größe schwierig einzuschätzen sind, doch ein paar gewisse Möglichkeiten offenlegen. (Ich bin kein Marktforscher. Aber wenn ich über solche Wege mitbestimmen kann, dass ein wenig mehr Grusel und Horror in die Rollenspiellandschaft zurückkommt, dann sei es drum: Etwas besseres kann mir nicht passieren.)
Wer allerdings denkt, dass alles reibungslos und glatt gelaufen sei, der irrt. Als die Indiegogo-Kampagne „gelaufen“ war las ich ein wenig in den Kommentaren und musste zwei Dinge feststellen: Raggie gilt wohl nicht unbedingt als zuverlässig. (Offenbar hat er eine lotfp-Geschichte sogar vollständig in den Sand gesetzt.) Das so etwas passieren kann, war mir allerdings von Anfang an klar. Ich hatte mir in dem Moment nur gedacht: „Okay... warten wir es ab.“
Und dann kam zwischendrin noch die Meldung, dass die Druckerei Querelen gemacht habe und ein großteil der Lieferung absolut unbrauchbar angekommen sei. Tja. Soweit so unschön. Aber dennoch hat kurz vor Jahresende dann alles einen glücklichen verlauf genommen.

Aber: Ich schreibe einen solchen „Zwischenstandsbericht“ sicherlich nicht einfach nur so, weil ich gerade lustig bin und hier rumjammern möchte. Wer meinen Vlogtaculums-Beitrag zum Dezember gesehen hat, weiß das ich auch noch bei der deutschen Numenera-Kampagne eingestiegen bin. (Das soll es dann aber auch erstmal bleiben. Ich habe noch eine vierpfotige Ausgabe demnächst zu tätigen.) Als ich meinen Obulus in den Topf geschmissen habe war der Gedanke meinerseits eigentlich nur, dass ich auf diesem Weg vermutlich ein interessantes Setting für die Sammlung bekomme. Eventuell auch ein One-Shot-System für ein oder zwei Hangouts, in dem sich die Fantasy im Gewand der Science Fiction aufzulösen beginnt. (Im Idealfall als ein wenig „Grim and Dark“. Mehr war da aber eigentlich nicht. Das einzig unverschämte an der Sache war, dass man geradezu zur Teilnahme genötigt wurde, weil es hieß: Entweder den geilen Scheiß eines Hardcover-Buches jetzt... oder eine gammelige, nutzlose Box, die man nur in den Aktenvernichter stopfen kann, später.) Dann schossen mit einem mal die Stretchgoals nach und nach hoch. (So das man fast Angst bekommen konnte) und Plötzlich drehte ich den Vlogtaculumsbeitrag und fragte mich, ob ich wirklich etwas mit den eSeL-Schirm anfangen könnte. (Okay, eine weitere Spielleiter-Hilfe sollte noch dazu kommen was durchaus etwas lohnenswertes an sich hatte.)

Irgendwann in der Nacht von Samstag auf Sonntag ist dann das passiert, was ich wirklich nicht erwartet hatte: Das vorletzte Stretchgoal in Form des Cypher-Decks wurde geknackt. Und wenn man sich den Zeitrahmen zwischen eSeL-Schirm und Cypher-Deck so ansieht ist es gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass die Kampagne beendet wird und ich irgendwann im Juli (oder wie lange das Ganze auch dauern mag) auch noch das Creature-Deck in Händen hallten kann. (Mir schwirrt jetzt schon der Kopf bei dem Gedanken... und ich bekomme ein leichtes Unwohlsein in der Bauchgegend nicht beseitigt, während ich das Gefühl der Habsucht zu unterdrücken suche.)

Anyway, was heißt das jetzt für uns hier?:

Erstens: Orkenspalter hat wiedererwarten eine sehr weit verbreitete Fanbase. (Was wiederrum bedeutet, dass Mhaire Stritter Unkenrufen zum Trotz eine der populärsten RPG-Persönlichkeiten in Deutschland überhaupt sein dürfte. Ich frage mich, ob eine solche Aktion auch gelungen wäre, wenn Michael „Scorpio“ Mingers, das alte Gesicht von Dorp-TV, so etwas gemacht hätte.) Immerhin hat gerade Mhaire mit ihren Let's Play-Videos ein wenig zur bekanntheit des Systems hier in Deutschland beigetragen. (Das der Uhrwerk-Verlag selbst eine Menge Selbstironie – neben ihrer Vorliebe für seltsame Setting-Ideen – an dem Tag legt, weiß man ja seit dem Video des Kickstarters für die englische Übersetzung des Ubiquity-Space 1889.)

Zweitens: Wir müssen davon ausgehen, dass die Rollenspiellandschaft hier in Deutschland eher „westfälisch“ Geprägt ist. (Sprich: Schweigen heißt Zustimmung.) Das heißt, dass wir im digitalen Zeitalter durchaus sehr viele Rezipienten haben. (Mein Blog hat Gestern etwa 106 Zugriffe gehabt. Wie viele davon jetzt was waren – Also ob Bots, Fehlversuche über Googel oder wirklich interessierte Leser – sei mal dahingestellt. Das davon aber keine Person einen Kommentar unter das von mir geschriebene verfasst hat ist entweder einer „weitermachen“ oder aber „Was schreibt der Kerl für einen Mist.“... und das ist irgendwo dann doch leicht frustrierend. (Einer der Gründe, warum man „den Orakelmenschen“, wie mich purpltntcl einmal genannt hat, immer in erster Reihe unter den Kommentatoren der von mir rezipierten Medien vorfinden kann. Egal ob jetzt Hangout-Streams oder Podcasts... teilweise geht das soweit, dass zumindest meine Youtube-Kommentare schon Leute zum ansehen von Streams bewegt haben, nur weil ich in ihrer Google+-Timeline existiere.)

Drittens: Wir haben anscheinend einen Markt für seltsame Ideen. (Und für optisch gut aufbereitetes Material.) Nur sind das nicht unbedingt immer die Frontschweine unter den Kommentatoren. (Vielleicht ist auch das jeweilige Interessensfeld zu klein, um direkt bemerkt zu werden.) Und einige Leute haben es vermutlich tatsächlich satt immer nur den Einheitsbrei vorgesetzt zu bekommen. (Das heißt zwar nicht das Ende von DSA, könnte aber dazu führen, dass eventuell Dinge wie Opus Anima oder Degenesis wieder ein ernst zu nehmendes Thema irgendwann werden dürften.) Falls sich also Start Next langfristig als deutsche Alternative zu Kickstarter durchsetzen wird, was Rollenspiele betrifft (und die Chancen stehen zumindest insofern gut, weil Start Next einen Fehler, den Kickstarter macht, nicht begeht: Sie lassen jenseits der Kreditkarte auch andere Zahlungsmöglichkeiten zu. Ich denke mal, dass meine Abneigung gegen Kredite aller Art – und das Wort „Kredit“ steht ja nicht umsonst in „Kreditkarte“ - durchaus weiter verbreitet ist. Und gerade mit der immer noch andauernden Rezession der Weltwirtschaftskrise (und der damit verbundenen Offenlegung der häufig verdrängten Wirtschaftslüge) könnten die Kreditkarten – falls sich das Konzept des gesunden Menschenverstandes doch noch weiter verbreitet – endlich mal einen weiteren, drastischeren, zurecht schwereren Stand bekommen. (Immerhin war gerade das leben auf Pump, das in den Staaten so weite Verbreitung gefunden hat, einer der zentralsten Faktoren des derzeitigen Problems.)

Im großen und ganzen Dürfte es also spannend werden, der derzeitigen Entwicklung zuzusehen. Denn das sie gerade unsere kleine Szene hier in Deutschland eventuell aufrütteln könnte, scheint derzeit die wahrscheinlich zentralste Wahrheit zu sein. (Zumindest, solange es um das Potential geht.)

Montag, 29. Dezember 2014

Rezension: Grady Hendrix: Horrorstör

Cover: Grady Hendrix
Horrorstör
Verlag: Quirk Books
Mir ist etwas... ungewöhnlicheres in die Hende gefallen. Und zwar eine „Horror-Novel“ von Grady Hendrix, die versucht mit dem Genre des „Hounted House“ ein wenig zu spielen und ins ungewöhnliche zu verschieben.

Protagonistin der Erzählung ist „Amy“ eine Studienabbrecherin aus Cleveland, Ohio, die in einem Ikea-Ripoff Namens „ORSK“ ihren Lebensunterhalt zu verdienen versucht. Amy ist Jung, mit ihrem Leben frustriert und versucht aus ihrer derzeitigen Filliale wieder wegzukommen, wenn da nicht ihr Vorgesetzter wäre, der dazu übergegangen ist Gründe zu sammeln, bestimmte Arbeiter möglichst bald feuern zu können. (Und Amy steht anscheinend sehr hoch auf dessen Liste.)
Das Problem ist nämlich, dass die neue Filiale des Möbelriesen „ORSK“ mit Absatzzahlen zu kämpfen hat, die weit hinter den Erwartungen liegen und darüber hinaus mittlerweile auch noch größere Fälle an Vandalismus jede Nacht aufs Neue innerhalb der ORSK-Filliale passieren.
Basil, der Vorgesetzte von Amy rekrutiert diese und eine weitere Angestelte kurzerhand zu einer Sonder-Nachtschicht, um den Geheimnissen im ORSK auf den Grund zu gehen.
Jetzt passiert es natürlich, dass zwei weitere Mitarbeiter sich einfach während der Nacht in die Filiale eingeschlichen haben, um ihre eigene Real-Doku-Geisterjäger-Fernsehserie zu drehen, und ein Obdachloser auf der Verkaufebene seine übernachtungsgelegenheit gefunden hat.
Aber das wahre Problem beginnt erst in dem Moment, wo jemand auf die Idee kommt, eine Sceance abzuhalten....

Nachdem jetzt das Inhaltiche zumindest grob umrissen wurde, haben wir hier ein paar Dinge, welche die Optik des Buches betreffen und dabei nicht unerwähnt bleiben sollten: Äußerlich hat man als erste, spontane Assoziation sofort das Gefühl, dass man einen Ikea-Kathalog in die Hand nimmt, anstelle eine regulären Romanes. Das Coverbid ist nämlich eine typische Einrichtungssituation die sie auch den realweltlichen Ikea-Katalogen entspricht, nur das hier auf der Frontseite eben nicht die Möbel von Ikea, sondern die von ORSK USA abgebildet sind. Zusätzlich dazu wurde hier aber auch das Format von IKEA-Katalogen gewählt, so das die Opti und die Haptik entsprechender Produkter miteinander beinahe übereinstimmen. (Zusätzlich dazu entsprechen auch noch die ersten inneren Seiten dem Aufbau des Vorbildes, indem mit einer gewissen Pedanterie darauf hingearbeitet wird, den Eindruck zu verstärken, dass der hier abgedruckte Katalog einem tatsächlichen, standardisiertem Einrichtungshaus entspricht, indem mit viel Kleinarbeit der typische Aufbau eines solchen inklusive entsprechender Bestllformulare und „zusätzlicher Angebote“ der Sorte Markteigenes Restaurant aufgezählt werden.
Die eigentliche Geschichte versucht diesem Eindruck vom Layout dann insofern gerecht zu werden, dass jedes Kapitel nach einem speziellem Einrichtungsgegenstand benannt worden ist, der in dem Kapite eine zentralere Rolle spielt und darüber hinaus noch mit einem Ikea-artigem Skizzen-Blueprint eingeleitet wird, der das Möbelstück im montiertem Zustand präsentiert. (Das ist untypisch für die Kataloge des Vorbides, entspricht aber den Montageanleitungen.)
Da die ganze Geschichte in ihrem Verlauf vom „freundlich kommerziellem Unglücksbereiter“ hin zum „Horrorstör“ kippt, verändern sich die entsprechenden Blueprint abbildungen insofern, dass sie von Möbeln plötzlich zu Folterinstrumenten werden, welche aber in dieser Form trotzdem als Waren in einem Möbelriesen immer noch denkbar wären. Und der zentrale Kniff in der Optik endet damit, dass der „Katalog“ auf der Rückseite eine drastisch veränderte Version des Frontbildes zeigt. Weg von der Einrichtungsszene hin zum „Beehive“, der in der gesammten Geschichte als Aufhnger eine zentrale Rolle spielt. Es ist dunkel, heruntergekommen und mit Wasserschäden und Ratten drapiert. Darüber hinaus greifen Hände aus den Regalfächern, die jetzt mehr an die Gitterstäbe von Gefängniszellen erinnern.

Um zu einem Abschluss zu kommen, muss ich noch eben einen Begriff in den Raum stellen, der im Klappentext eingeführt: Der der Parodie. (Und damit auch den der Komödie letzten Endes.) Die Geschichte von Horrorstör basiert letzten Endes natürlich auf diversen überzogenen Momenten des Gefühls des Horrors und macht dies in seinem kontextuellen Aufbau entsprechend sehr gut. Das man dafür als Setting ein modernes Einrichtungshaus nimmt wirkt zwar Absurd, ist für sich betrachtet allerdings eine sehr Naheliegende Möglichkeit. (Schon allein wenn man den Hintergrund, warum es in diesem Haus spukt, noch mit einbezieht.) Das Problem dabei ist, dass hier eine Menge Wissen vorausgesetzt wird, wie unsere moderne Welt zum Teil von den Marketing aufbauenden Basis-Annahmen her funktioniert. (Es gibt zwar ein paar Versuche, diese Ansätze innerhalb der Geschichte zu erklären, indem man die entsprechenden Analogien vorstellt, aber: Es kann durchaus nützlich sein, ebenfalls noch einen Blick in Michel Foucaults „Überwachen und Strafen“ geworfen zu haben.) Und genau da beginnt dann das Problem der Parodie: Hier wird mit Elementen gespielt, die für ein bestimmtes Genre typisch sind, das hierbei bekanntermaßen zugrunde liegt. (Die bereits erwähnten „Haunted House“-Geschichten.) Aber: Parodien dienen eher dazu, zu amüsieren, in einem lustigen Sinne. (Zumindest ist das die kollektive Auffassung, welche hinter dem Begriff der Parodie steckt.) Da die Parodie allerdings Artverwand mit dem Genre der Kommödie ist, welche aber in ihrer klassischen Definition nicht darauf hinaus läuft, dass sie lustig sein soll, sondern das sie letzten Endes eine politisch motivierte Diskreditierung bestimmter Bevölkerungsgruppen darstellt. (Kurz gesagt: Die klassische Definition der Komödie besagt, dass es in ihrem Inhalt um bürgerliche Individuen geht, die im Verlauf der Komödie alles verlieren. Das besagt, dass bürgerliche Personen in ihrem normalen Verhalten automatisch Grundsätzlich lächerlich sind. Das diese Theorie nicht funktioniert erkennt man sehr gut an Dramen wie das bereit von mir besprochene Stück „Kunst“ von Yasmina Reza, das zuweilen durchaus in die Kategorie der Komödie eingeordnet wurde.)
Unabhängig vom absurd aufgebautem Setting, handelt es sich bei Horrorstör um eine sehr gut aufgebaute Story, die mit sehr viel Liebe zum Detail mit den verschiedenen, klassischen Elementen des Horror-Genres spielt, so dass man als Leser (und ein wenig Empathie) nur all zu schnell mit den Figuren mitempfindet und ihre sich unglaublich schnell steigernden Todesangst all zu gut identifizieren kann. Innerhalb dessen, was in dieser Nacht passiert, lernen Amy und ihre Kollegen nur all zu gut die verschiedenen Elemente kennen, welche ihnen die für das Aufkommen des Horros notwendige, letzten Elemente der Sicherheit rauben. (Und verzichtet dabei vollkommen auf die in anderen Horroszenarien in letzter Zeit so beliebt gewordenen reinen Ekeleffekte, die fast schon nur noch den Eindruck erwecken, dass dies „Horror“ sei. (Und dadurch als Machwerk eher die gleiche Form von Horror darstellen, die jedes Parteiprogram der FDP grundsätzich in ihrem Inhalt ist.)

Wer sich also mit einer klassischen Horrostory in einem kontemporären Setting amüsieren will und sich dabei für grafische Spielereien begeistern kann, findet hier definitiv einen kleinen Appetitanreger für den kleinen Schrecken zwischendurch.

Freitag, 26. Dezember 2014

Vreitag: Vlogtaculum Dez'2014: Wünsche, Pläne, Vorsätze 2015




Wir befinden uns mitten zwischen den Jahren, wo mich ein Bart des Monats einholt und ich außerdem keine Freitage mehr für den Vreitag übrig habe. Ach egal. Das nochmal zu erklären dürfte nur noch abstruser wirken, als es im diesmonatigen Beitrag zum Vlogtaculum ohnehin schon klingt.

Außerdem klärt sich jetzt noch auf, warum das Jahr 2015 NSFW ist und was ich mit Numenera am Hut habe. Und was sonst noch vermutlich niemanden juckt.

Montag, 22. Dezember 2014

Rezension: Neil Gaiman's „Make good Art" speech.

Cover: Neil Gaiman's
"Make Good Art" speech.

Verlag: William Morrow
Wie soll man die Autorenschaft eines solchen Buches jetzt genau umschreiben. Ich glaube entweder, man bezeichnet es als Mitschrift, weil hier mit einem Text etwas gemacht wurde. Das Problem dabei ist nur: Hierbei handelt es sich wirklich um den Text, den Gaiman verfasst hat.
Von daher wäre vermutlich die Bezeichnung „Kollaboration“ noch am Besten.

Neil Gaiman, der diese spezielle Rede im May 2012 an der Philadelphia University of Art hielt und somit das notwendige Material ablieferte, ohne das dieses Buch gar nicht erst erstellt werden konnte. Die zweite Person in der Kollaboration ist Chip Kidd, ein in New York ansässiger Graphik-Desighner, der den Text als Material genutzt hatte, um daraus etwas anderes zu machen.

Der Text, in dem Gaiman seinen eigenen Werdegang und entsprechende Empfehlungen für die Studenten der Universität ausbreitet, ist im Grunde genommen einer von vielen entsprechenden Texten, die man zu Festzwecken hält. (Gerade zu Abschlüssen und Zeugnissübergaben werden entsprechende Reden gehalten.) Der Punkt, der dieses Buch alelrdings interessant macht ist die Arbeit, die Chiü Kidd hineingesteckt hatte. Beinahe jeder Buchstabe und jedes Wort werden auf diesem Weg zu eigenen grafischen Ikonen umgedeutet, so das ein Einziges Wort eine einzelne Seite einnehmen kann, ergänzt um andere, grafische Flächen, die den Gehalt des entsprechenden Wortes noch einmal zusätzlich unterstreichen.

Im Grunde haben wir also das, was man in Künstlerkreisen als „Künstlerbuch“ bezeichnen würde hier vorliegen. (Ich bin mir allerdings nicht wirklich sicher, ob sich Graphiker etwas ähnliches zumuten würden. Zumal hier auch noch das Problem vorherrscht, dass Text und Textgestalltung aus unterschiedlichen Quellen stammen.)

Insgesamt betrachtet ist die Rede also interessant, aber aufgrund ihres Inhaltes (jenseits des Gaiman-Bonusses) weitestgehend „common known“ für die Kunstszene. Spannend wird sie aber durch die Gestalltung, welche dem Ganzen einen unglaublich verspielten Charakter gibt. Von daher haben wir hier nichts übertrieben wichtiges, aber durchaus etwas lesenswertes für Gaiman-Kompletisten und Grafik-Enthusiasten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Montag, 15. Dezember 2014

Rezension: Andreas Schnell: Tage des Schmerzes

Cover: Tage des Schmerzes
Verlag: Mantikore-Verlag
Eigentlich hat das, was ich hier gerade mache etwas von „den Gaul von Hinten das Zaumzeug anlegen“. Aber was will man machen? „Tage des Schmerzes“ ist der zweite Teil einer Trilogie, die im Ganzen als „Die Siegel-Chroniken“ bezeichnet wird. Es handelt sich hierbei um ein weiteres Exemplar der Zombie-Apocalypsen-Romanreihen. Wenn auch nicht das typische „die Toten erheben sich aus den Gräbern und fressen alles was sie sehen“ im Ganzen hier erfüllt wird.
Ersteinmal: Ja, es gibt Zombies hier. Und ja, sie haben einen ziemlich schlimmen Kohldampf auf frisches Fleisch, das sie von den noch warmen Körpern der Lebenden nagen wollen.

Aber damit hat sich das meiste auch schon so halb erledigt: Zentrum der Handlung in diesem Buch sind die Erfahrungen von Professor Kelp, emeritierter theoretischer Physiker, der sich eher als Universalgelehrter versteht und ein Verfechter einer erweiterten Multiversen-Theorie ist. Von der akademischen Welt aufgrund seiner esoterischen Überzeugungen eher verspottet hat er sich in das tschechische Dorf Rozvadov zurückgezogen um sich dort vollständig seinen Studien als Privatgelehrter zu widmen. Er stolpert mehr unfreiwillig in die Zombiecalypse hinein, als diese Bereits im vollen Gange ist und der hungrige Mob eher daran verzweifelt, wo es die nächste Malzeit zu beißen gibt.

Zeitgleich beobachtet Anton Krebs in Frankfurt, der die Auswirungen der Zombies von Anfang an erlebt hatte, einige große Depressionen, während er vom Dach des Max-Plank-Instituts dabei zusieht, wie die untoten Massen einfach so marschierend die Welt vor die Hunde gehen lassen.

Diese beiden Erzählstränge wechseln sich im Grunde genommen gegenseitig ab, weil die beiden Wissenschaftler nicht nru miteinander über eine gemeinsame Vergangenheit sich freundschaftlich verbunden sind, sondern weil der eine eventuell Schlüsselinformationen für den jeweils anderen liefern könnte, wie sich im verlauf der Story heraustellt, in der eine Art omnisziente Wesenheit Namens Marius noch für zusätzliche „Aufregung“ sucht.

Also: Kruderweise hat die Geschichte Zombies mit telepathischen Fähigkeiten, Dimensionswechsel, einen Deus ex Mchina und eine ganze Menge Leute, die es so gerade eben schaffen zur Rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

Prinzipiell würde ich für den Anfang sagen: Die komplette Story basiert darauf, dass Dinge passieren. Aber genau hier liegt für den Anfang auch mein großes Problem gerade. Da mir persönlich das Wissen über den ersten Roman felt, kann ich nur vermutungen im Augenblick anstellen, was dort passiert sein könnte an Handlung, die eventuell ein paar Fragen aufklären würde, die im Augenblick für die genaue Beurteilung dieser Geschichte hier noch bestehen.

Insofern muss ich mich für den Moment an eine spezielle Idee bezüglich der Multiversentheorie festklammern: Wenn eine Person außerhalb all dieser Optionen steht und dadurch sämtliche Handlungsausgänge beobachten kann ist es ihr auch Möglich annähernd omniziente Aussagen darüber zu treffen, welche Ergebnisse bei bestimmten Eingriffen in den Verlauf der Dinge passieren könnten. (Ein bestimmtes Maß an unsicherheit bleibt dabei immer noch bestehen.)

Unter diesen Umständen ist der Charakter Marius, so er im ersten Band aufgetaucht sein sollte (wovon allerdings auszugehen ist) eine solche Person, die Außerhalb des Systems steht und jetzt mit den McGuffin-Anweisungen rumhantieren kann, ehe man als Leser am Ende eine hoffentlich deutlich befriedigendere Erklärung für den Verlauf der Geschichte bekommt, die über „es geschehen Dinge“ hinausgeht. Prinzipiell ist nämlich an den handwerklichen Aspekten hinter diesem Roman von Andreas Schnell nichts auszusetzen. Der Schreibstil ist ausgewogen und lässt sich sehr flüssig lesen, die Charaktere sind für sich betrachtet zwar nicht in jedem Fall Glaubwürdig, haben aber irgendwie etwas von einer religiösen Bestimmung. Man muss also im ganzen Abwarten, was hier eigentlich noch passieren könnte.

Was bleibt ist also im Ganzen eine zwar schöne Story, die aber eine ganze menge Fragen aufwirft und daher eventuell tatsächlich erst als zweiter Band der Reihe und nicht im Einzelnen gelesen werden sollte.

Montag, 8. Dezember 2014

Rezension: Felix A. Münter: The Rising 02. Das Gefecht

Cover: Felix A. Münter
The Rising 02: Das Gefecht

Verlag: Manticore
So. Da hätten wir also den zweiten Band. Bevor ich da ins Detail gehe noch ein paar Erwähnungen zuerst: Das Buch ist nicht ein zweiter Teil einer Reihe von in sich abgeschlossenen Geschichten (auch wenn das natürlicht bei Band 1 und 2 jeweils durchaus zutreffen würde), sondern ein in zwei Teile aufgespaltener Gesamtroman. Dementsprechend stolpert man hier auf eine Art und Weise in die Handlung, die in dieser Hinsicht auch schon eine direkte Verknüpfung zum ersten Band hat. (Zeitgleich bedeutet das in diesem Fall aber auch, dass der erste Teil zwar durchaus ohne den Zweiten alleine funktioniert, die Geschichte des zweiten Teils aber nicht ohne die ganzen Details, die im ersten Teil eingeführt werden.)

Handlungsmäßig ist die Reise zum Windpark, mit Der der erste Teil aufhört letzten Endes nur ein Zwischenstop zum eigentlichen, großen Finale. Das Titelgebende Gefecht stellt nämlich nicht einen Kampf um den Windpark dar. Vielmehr ist der Windpark nur der Nebenschauplatz, der aus verschiedenen Gründen den Interessenskonflikt aller Beteiligten zum Hauptgeschehen dann aufbricht. Dafür muss man aber ein wenig die jeweiligen Handlungsmotive jetzt jeweils kennen:
1.) Das Militär wie das Institut wollen den Strom des Windparks nutzen, um damit die Welt zu verändern. (Sprich: Hierbei geht es um die Geburtsstädte von so etwas, dass sich „moderne“ Zivilisation nennen kann. Allerdings sind die jeweiligen Zielsetzungen dabei auch sehr unterschiedlich am Ende für das Endergebnis.)
2.) Die „Eingeborenen“ fangen an Hoffnung zu schöpfen und müssen sich mit der Tatsache abfinden, dass der Wind der Veränderung sich schlagartig von einem lauen Lüftchen der Hoffnung in einen Orkan des Krieges umgewandelt hat.

Also, worum geht die Schlacht? Ausgerechnet die Stadt Yard. Yard ist nämlich in mehrfacher Hinsicht ein direkter Knotenpunkt: zum einen gibt es hier einen Verteilerknotenpunkt, der das Stromnetz in andere Bahnen leiten kann, zum anderen handelt es sich bei Yard um einen alten Bahnhof. Sprich: Sollte die Armee Yard unter ihre Kontrolle bekommen, kann sie a.) Ihren Stützpunkt unter Befehl des kolerischen General Banner mit Strom versorgen (was deswegen interessant ist, weil hier mehr Geheimnisse existieren, außer einem in Vergessenheit geratenem Regiment unter der Fuchtel eines Wahnsinnigen) und b.) weil ein Bahnhof unter Strom bedeutet, dass mit den erneut fahrenden Zügen auch wieder Informationen deutlich schneller über Land transportiert werden. (Wenn man unter dieser Bedingung militärische Einheiten als Informationen begreift kann man sich dabei also sehr gut vorstellen, dass entweder Daten für ein friedliches Zusammensein dabei herauskommen, oder ein Virus das Ergebnis ist, dass das Land mit Gewallt überziehen dürfte.)

Genug der Analogien, insoweit. Natürlich spielen Eris, Sal, Tyler und Perry wieder eine besondere Rolle in dem ganzen Geschehen, da sie ja auch schon so etwas wie die stillen Helden des ersten Teiles waren. Mein Dramaverdacht hat sich hierbei übrigens insoweit bestätigt, dass Sal jetzt mit einem mal sich der tatsache stellen muss schwanger zu sein und der Ganze Yard-Konflikt also für Eris eine besondere „Zerreisprobe“ darstellt. Zusätzlich dazu bekommt Alexander, der Soldat der bereits im ersten Band den Angriff auf Station angeführt hatte (und damit einen besonderen Hass auf Eris hat) eine plötzliche Gemütswandlung vom Saulus zum Paulus. Und in all das bringt das Institut sich natürlich als das große Geheimnis mit seinem Wissen aus der Zeit DAVOR mit ein.

Der Band ist also im großen Teil am ehesten mit einer Art kurzem Heldenepos über ein verhältnismäßig kurzes Scharmützel zu vergleichen, welches aber vom entsprechendem, der Geschichte inneränten Ausgang alles Bedeuten kann. Und dementsprechend fiebert man beim lesen ein wenig mit, wenn die Bewohner von Yard sich zu ersten Mal in ihrer gesammten Geschichte zu einer Einheit zusammenfügen müssen, die ihre Heimat zu verteidigen hat.

Grundsätzlich werden dabei natürlich wie so oft in solchen Szenarios die namenlosen Nebenfiguren zu unmengen verheitzt und die Hauptfiguren „nur“ schwerstens verletzt. (Oder wie auch immer man das jetzt betrachten mag.)

Also, ist die Welt im großen und ganzen wunderbar Abgewrackt und das Überleben in der fernen Zukunft DANACH ohne weitere Kommentare weitergehenswert zum nächsten Roman auf dem SUB des Orakels? Ganz so einfach möchte ich es dann doch nicht machen: Prinzipiell ist der handwerkliche Gesichtspunkt von Felix A. Münter definitiv nicht zu verachten. Wer allerdings ein wenig kritischer an die ganze Sache geht wird hier und da entweder stilistische oder im hier und jetzt verwurzelte Probleme finden: Zum einen ist da die Frage nach der genauen Natur des Anlassers eines Notstromgenerators, der ohne weitere Probleme anzuspringen scheint. (Nach 40 Jahrne ohne Wartung, wohlgemerkt.) Zum anderen sind da Brennstoffe aus dem Benzinbereich, die im hier und jetzt schon, dank gewisser Aditiva Probleme in der Langzeitfrage mit sich liefern. (Wir versuchen das Benzin im vebrauch nach aktuellen Gesichtpunkten ökonomischer zu gestallten, verlieren dabei aber die brennkraft in der Lagerwirkung auf lange sich.) Das sind aber Kleinigkeiten.

Viel bedenklicher hIngegen ist das Klischee des Oberschurken in diesem Szenario: Machen wir uns nichts vor: Militärs sind immer der letzte Dreck und daher schon von sich aus verachtenswert. Dementsprechend sind gerade hier die besten Aufhänger zu finden, wenn man nach Kleingeistern mit Allmachtsfantasien sucht. Das schlimme bei der Sache ist allerdings, dass mir beim besten Wille gerade keine Alternative einfällt, wie man anderweitig einen Kontrahenten für die Protagonisten in ein solches Szenario eingebaut bekäme, der über genügend Gewallt verfügt (was Banner an sich hier besitzt ist jedenfalls nicht Macht) um zu einem ersthaftem und überzeugendem Problem zu werden.

Als Fazit kann ich jedenfall hier nur sagen: Ein wirklich gelungener Abschluss für einen Roman, der interessant angefangen hat. Die aufteilung in zwei Bücher ist bei diesem Teil extremst fragwürdig – aus dem bereits erwähnten Grund, dass der zweite Teil einfach nicht wirklich für sich allein betrachtet vernünftig stehen kann. Jedoch sind das für den Augenblick dann doch eher so diese kleinen abstrusen Fragwürdigkeiten der Verlagspolitik, die schon häufiger zu hochgezogenen Augenbrauen geführt haben dürften. Die Geschichte als ganzes hat Spaß gemacht zu lesen und ich würde mich wirklich freuen, wenn die durch das Ende angedeuteten (und bereits angekündigten) Fortsetzungen mit dem Fortlauf der jetzt Neugegründeten Union (ups, Spoilers!) tatsächlich herauskommen werden.