Montag, 22. Juli 2019

Das erste Mal zur Dreißigsten (Feencon 2019)



Ich habe einen Fluch was neue Tassen angeht: Sie überleben bei mir aus irgendeinem Grund nicht all zu lange. Warum ich das hier jetzt als Einstieg für einen Bericht mache, der sich um die Feencon dreht? Sagen wir es mal so: Seid Jahren lese ich immer wieder neidisch über Cons mit Kaffee-Flats, die an die Tassen gebunden sind. Etwas das die Cons, auf denen ich ansonsten immer unterwegs war, nie anboten.

Wie wir ja bereits alle wissen, haben wir dieses Jahr eine Verschiebung in der Con-Szene durch die CCXP an der Backe, über die wohl jetzt jeder für sich irgendeine Lösung finden muss. Da ich selbst auch noch nicht so genau weiß, was ich mit dieser veränderten Situation jetzt genau anstellen soll, dachte ich mir einfach ich seh mich ein wenig bei den ansonsten viel gerühmten „üblichen Verdächtigen“ mal ein wenig um. Und da ist ja nicht umsonst diese „sagenumwobene“ Feencon, von der immer alle Welt früher gesprochen hatte. Insofern habe ich schlicht meinen Rucksack vollgestopft, am Vorabend noch verzweifelt mein „Fluff siegt“-Shirt gesucht und aus einer unerwarteten Ecke des Kleiderschranks gezogen und viel zu spät schließlich das Bett gefunden. (Allerdings muss man sagen, dass meine Planung für den Tag insgesamt unter keinem all zu guten Stern stand. Ursprünglich wollte ich ja gegen 11 Uhr in Bonn-Bad Godesberg ankommen, jedoch zwang mich die Tatsache, dass aus irgendeinem Grund die Bahn mit ständig widersprüchlichen Angaben einfach nicht auftauchen wollte, dazu einen Umweg über Straßenbahnen zu nehmen, und somit erst gegen 14 Uhr vor Ort zu sein.) Meine Erfahrungen mit Cons sind jetzt eher kleinerer Natur: Ich bin durch die Mitspielen der Blutschwerter in Münster auf den Geschmack gekommen, war ein paar mal auf der Sagacon in Osnabrück, habe außerdem ein paar mal die Ratcon in Dortmund miterlebt und eine Nacht auf dem KingCon in Duisburg durchlebt. Wer mit diesen Begriffen etwas anfangen kann, kann sich also denken, dass ich eher extrem niedrige Erwartungen hatte. Die extremst übertroffen wurden.
Ein kleiner Eindruck vom Aussengelände

Ich meine: Ich weiß, dass ich immer zuerst ein wenig Orientierungslos an solchen Orten bin und rumirre, bis ich eine gewisse Vertrautheit mit den Gängen gefunden habe. Was mich dann allerdings echt erschlagen hatte war die tatsächliche Größe, die die Feencon dann am Ende hatte. Das waren grob gerechnet zwei Turnhallen von der Fläche her plus eine ganze Menge Zeugs, was noch auf den Gängen und Nebenräumen stand. (Und dann noch das Außengelände, dass ich aber auch erst deutlich später erst so richtig entdeckte.)
Zuerst allerdings das Auffälligste an der ganzen Geschichte: Unter normalen Umständen wäre ich davon ausgegangen, dass sich eine ziemlich große Anzahl von Illustratoren irgendwo im Pulk tummeln. Das war hier nicht der Fall. Dafür schien die Anzahl von Autoren sich ungewöhnlich ausgebreitet zu haben. Jedenfalls waren abgesehen von den üblichen verdächtigen unter den Rollenspielverlagen die Anzahl von Romanen, die irgendwie jeweils einen Autoren-Namen trugen wesentlich häufiger nebeneinander aufzutreten. (Und zwar nicht so, dass man dabei unbedingt von Verlagen in der Verteilung hätte sprechen können.) Und irgendwo bei diesem ersten sich umsehen und der ersten und zweiten Tasse Kaffee löste sich der verdammte Henkel von meinen Contasse.

Jetzt muss man allerdings sagen das ich ja eh mit ein paar Zielen im Rucksack hier aufgeschlagen war: Drei Bänden aus den „Handbüchern des Drachen“, einem 1W6 Freunde Grundregelwerk und einem Schundheft der grünen Fee. Das ich die Mehrheit davon am Stand der Dorp mit Unterschriften voll bekommen könnte war mir irgendwie klar. Wie stark das allerdings zutreffen würde, konnte man allerdings erst im Verlauf am Stand feststellen. Im Kern wollte ich nämlich erstmal herausfinden, was für ein Plan hinter dem Unfug mit den Dorp-Merch-Shirts steckte. (Was jetzt vermutlich dazu führt, dass man mein Gesicht in nächsten Spot des Shirt-Shops sehen wird. Warten wir also einfach mal ab.) Und während ich Thomas Michalski also die Bücher vor die Nase legte, an denen er zumindest Teile einer Autorenschaft mitgetragen hatte und wir uns über die Entstehung (und den damit verbundenen traurigem Fall eines frühen Verlustes) unterhielten, rannte eher verpeilter Christian Voght am Stand vorbei. Ein kurzer Gruß, ein Wedeln mit der Grünen Fee und schwups weg war er. Thomas Michalski bestätigte mir daraufhin nur trocken, das wohl beide Vöghte anwesend währen und ich beschloß erstmal einfach am Stand vorrübergehend sitzen zu bleiben, um einfach die Leute zu mir kommen zu lassen, die ich insgeheim hier suchte. Was wohl gar nicht mal so eine schlechte Idee war, denn eine verhältnismäßig kurze Zeitspanne später tauchte Christian Voght tatsächlich nochmal hier auf. Diesmal mit Zeit für Signaturen aller Art, wie er sagte, einem kleinen Stapel der dritten Ausgabe von „Die grüne Fee“ in der Hand, von dem ich ihm natürlich ein Exemplar abkaufte… ach ja: Und Kathrin Dodenhoeft im Schlepptau, nicht zu vergessen. (Wieder mal so eine Gelegenheit, wo ich im Gespräch und rumalbern mit den mir bekannten Personen in einem Nebensatz aufzeigte, dass ich wusste, wer da stand… und damit zumindest das Gespräch insofern für die entsprechende Person mit öffnete. Und da der Rest sich halt insgesamt wesentlich besser kannten, konnten die sich dann miteinander austauschen.)
Von wegen "alles eitel Sonnenschein"

Und auch wenn die Strategie des sitzen bleiben sich im kleinen Ramen hier ausgezahlt hatte: Da ich kein Teil der Dorp bin, bin ich einfach danach nochmal weiter gezogen. Thomas und ich einigten uns noch darauf, dass er unter Umständen Moritz Mehlem ausrichten sollte, das „ein Orakel ihn suchen würde“ und scherzten noch darüber, dass er – sollte er tatsächlich auf der Feencon sein – danach vermutlich einfach lauthals schreiend davonlaufen würde. Diese Nachricht weiterzuleiten war dann aber doch nicht so wichtig: Am Ende zeigte mit der gute Camillo, mit einem entnerften Nebenkommentar, dass er keine zwei Schritte gehen könnte, ohne jemandem vom Tanelorn zu begegnen, die gesuchte Person am Stand von Uhrwerk. Und auch wenn ich eher den Plan hegte so lange zu stalken, bis der Mann mal nicht mit jemandem redete, bekam ich über Umwegen dann doch Aufmerksamkeit und meine beiden Bücher signiert. (Allerdings in Verbindung damit, dass ich zufällig überhörte, dass Moritz zu irgendwas Podcastmäßigem herangezogen wurde. Ich hoffe mal einfach ich kriege mit, wo das ganze aufplöppt.)
Quo vadis Uhrwerk?

Und wo ich schon mal dabei bin: Cons haben ja meistens noch irgendwelche Workshops, Vorlesungen und dergleichen. (Und das da irgendwas in der Richtung auch auf der Feencon stattfinden müsste verriet mir Teylen, die ich auf den Außengelände entdeckte.) Die beiden Räume, in denen solche Veranstaltungen passierten entdeckte ich eher durch einen wirklich riesigen Zufall und dazu auch noch genau pünktlich zu dem Zeitpunkt, an dem Patrick Götz seine „Quo vadis Uhrwerk“-Aktion abhielt, in der er wieder einmal grob über die Insolvenz-Situation sprach.
Warum die Beiden Verlage jetzt genau Insolvenz anmelden mussten ist natürlich immer noch nicht bekannt gegeben worden. (Und ich denke mal, dass wir das frühestens dann erfahren werden, wenn Uhrwerk wirklich schon für einen deutlich längeren Zeitpunkt aus dem gröbsten raus sein sollte.)
Patrick zeigt sich aktuell deutlich optimistischer, als er es wohl schon eine ganze Weile nicht mehr war. (Das der Mann sich psychisch gelegentlich etwas angeschlagen fühlt, wahr mir schon seit dem Numenera-Crowdfunding bekannt.) Und die Resonanz aus der Szene hat ihm auch vorerst den Willen gegeben, weiter machen zu wollen, so die Situation es zulässt. (Im Übrigen sei auch die Resonanz aus der Szene gerade das, was der Insolvenzverwalter für beide Verlage in dieser Form nie erlebt habe.)
Und die Fragen aus dem Publikum drehten sich dabei auch gerade um das Thema Insolvenz und Folgen für Leute, die an bislang noch nicht erfüllten Crowdfundigs teilgenommen hatten. (Funfakt am Rande: Irgendein ausstehendes Produkt wurde übrigens deswegen bis hierhin nicht gedruckt, weil man es laut Insolvenzverwalter nicht an die Vorbesteller hätte ausliefern dürfen, wohl aber an die Großhändler verkaufen. Deswegen hatte man sich Verlagsintern dagegen entschlossen, um das entgegengebrachte Vertrauen der Kundschaft nicht zu verspielen. So zumindest die Darstellung während des Panels.) Für mich habe ich dabei aus der ganzen Sache folgende Information herausgezogen, die nur nebensächlich etwas mit der Insolvenz zu tun hat: Die Marke von Engel liegt immer noch bei Feder & Schwert. (FEngel hängt also vom weiterleben beider Verlage ab.)
Und danach habe ich noch die Lesung von Robert Corvus aus „Der Berg der Macht“ mitgenommen.

Was ziehe ich also aus diesem ersten Eindruck jetzt insgesamt?
Die Feencon ist erstmal eine sehr interessante Veranstaltung (und ich frage mich gerade wirklich, warum ich mich nicht schon früher dazu genötigt habe, einfach mal nach Bonn zu fahren.) Der wirklich sehr starke Autoreneinschlag im Verhältnis zu den Vertretern der bildenden Künste ist überraschend, aber eventuell bin ich da auch einfach bislang nur über die flaschen Veranstaltungen geschlichen. Das muss ich bei Gelegenheit nochmal gegenprüfen. (Direkt im August findet ja jetzt die Niederrhein-Con in Wesel statt.) Belgisches Kirschbier ist nicht unbedingt mein Fall.
Ach ja. Und ganz besonders wichtig: Es ist erstaunlich wie häufig ich jetzt ausgerechnet dieses Jahr auf Szene-Veranstaltungen Reaktionen auf meine T-Shirts erhalten habe. (Auf der CCXP war es ein Sternenhimmel aus Evoli-Entwicklungsstufen der sehr viele weibliche Personen begeisterte.) Auf der Feencon sorgte das „Fluff siegt“ entweder für Aggro-Reaktionen von diesen unausgeglichenen Crunch-Fetischisten, oder aber für begeistert zustimmende Kommentare im Vorbeigehen. Wieder mal von überwiegend weiblichen Stimmen.

Und nochmal ein Hallo an alle Leute, denen ich begegnet bin. Es war wie immer eine Freude.



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