Montag, 5. August 2019

Rezension: Mohiro Kitoh: Die Augen eine Opfers, die Hände eines Täters (Naru Taru Band 06)


Cover: Mohiro Kitoh
Naru Taru
Band 06
Verlag: EMA:adult

Das die Geschichte von Naru Taru einen extrem düsteren Unterton hat habe ich, glaube ich, schon mehrfach festgestellt. Und vor allen Dingen, dass innerhalb der ersten fünf Bände bereits ein Charakter für die klassische „Opferrolle“ geradezu prädestiniert war. Der Fokus dieser Geschichte liegt wieder einmal auf Akira als eine von zwei Personen. Zusätzlich dazu wird aber auch noch ein tieferer Einblick auf den alltäglichen Druck gegeben, mit dem sich Hiroko, ein anderes Mädchen aus Shiinas Freundeskreis konfrontiert sieht.Der Punkt bei dieser Angelegenheit ist allerdings, dass hier tatsächlich deutlich mehr von zwei Seiten auf eine Person „eingehackt“ wird. Und zwar soweit, dass ihr gegen Ende sämtliche Bezugspunkte entzogen werden, die irgendeine Form von Friedlichem zusammensein überhaupt erst ermöglichen. Und zwar so lange, bis es zur physischen Explosion kommt, die entsprechende Opfer fordert.

Inhaltlich ist das hier eine weitere Geshcichte um die klassischen Themen des Mobbings. Jedoch erweitert um eine sexuelle Komponente die alle möglichen, denkbaren Formen an sexueller Nötigung und daraus folgender Gewallt. Der Punk tbie der ganzen Geschichte ist nur, dass hier noch das Element rund um die so genannten Drachenkinder ein Stilbildendes Mittel ist und auf diesem Weg ein schienbar unendlicher Krieslauf aus Gewallt und Gegengewallt konstruiert wird, der zu allem Überfluß auch noch in einem Amoklauf endet, bei dem viele Figuren ihr leben lassen. Insofern muss man jetzt also auch noch abwarten, was im weiteren Verlauf der Geschichte hier bestimmende Elemente sind. Grundsätzlich wir dnur klar: Die Drachenkinder sind eine von ihren Menschen kontrollierte, durchaus an Waffen herangehende Gefahr. Und diese Gefahr ist ähnlich unkontrollierbar, wie ihre jeweiligen menschlichen Partner. (Und da Hoshi-Maru hierbei auch noch fast so etwas wie eine geistig zurückgebliebene Verbindung zu Shiina hat, kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, der vermutlich dem Unterbewusstsein entspringt, so das er gleich einer Waffe die finsteren Wünsche ausführt. Allerdings ist das dabei nur eine entsprechende Spekulation meinerseits.)

Das Erstaunliche bei der ganzen Sache ist, dass die Geschichte nicht nur Inhaltlich drastische Kost ist, sondern auch auf grafischer Ebene hier zum ersten mal der drastische Widerspruch zwischen der unglaublich harmlos wirkenden Charaktergestalltung und den dargestellten Zusammenhängen fokussiert wird. Mit anderen Worten: Hier wird von zuckersüßne, harmlosen kleinen Mädchen ungeheuerliches durchgeführt, dass man im besten Fall nur als „sexuelle Perversion mit dem Ziel der körperlichen schweren Verletzung“ bezeichnen kann. Das entspricht im Kern sehr vielen Aspekten, die für Japan seid den 80ern des vergangenen Jahrhunderts im öffentlichen Bewusstsein bekannt sind. Zynisch ist nur, dass ausgerechnet in diesem Band auch noch ein „Amoklauf“ an einer Schule indirekt thematisiert wird. (Auch wenn die Opfer dieser Tat deutlich reduziert und fast schon mit chirurgischer Präzision des Lebens beraubt werden.) Zynisch ist das deswegen, weil die deutsche Ausgabe dieses speziellen Bandes ausgerechnet im Jahr 2002 herausgebracht wurde. (Und das weckt bei mir Erinnerungen an die ersten Abiklausuren meines Jahrganges… respektive den Gesprächsstoff, den es noch kurz davor unter meinen Stufenkameraden gab.) Das alles macht diesen Band extrem heftig zu schlucken. Und es passt, dass auf den letzten Seiten noch eine kurze Abhandlung über das Phänomen des Ijime, also des „Mobbings unter Schülern“, abgedruckt ist.

Fazit

Mir war, als ich die Serie angefangen hatte zu lesen bereits klar, dass hier ein paar unappetitliche Themen besprochen würden. (Und es war mir auch klar, dass diese Themen der Grund sind, warum diese Serie unter dem Ema:Adult-Label lief.) Was mir dabei allerding snicht klar war, war die geradzu plakative Offenheit, mit dem diese spezifischen Themen grafisch dargestellt würden. (Und das man hierbei sowohl die kalte Herzlosigkeit der Täter, als auch das entsprechende zerbrechen der Opfer darstellen würde, die letzten Endes zwischen den Fronten aufgerieben würden.) Insofern bleibt Naru Taru eine extrem spannendes Stückchen Popkultur aus dem japanischen Kulturkreis, dass den Mut aufbringt Themen anzupacken, die man eigentlich nicht mit so etwas „leichtem“ wie dem Medium Comic in Verbindung bringt.

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