Montag, 14. August 2017

Rezension: Akihisa Ikeda: Rosario + Vampire Season II Band 10

Cover: Akihisa Ikeda
Rosario + Vampire
Season II Band 10
Verlag: Tokyopop
Der Band spielt einen Monat nach dem Ende der vorherigen. Tsukune und seine Clique haben die Zeit mit hartme Training verbracht und ihr verbündeter hat dafür gesorgt, dass die Truppe ins Hauptquatier von Fairy Tale ungehindert eindringen kann. Jedoch folgen daraus neue überraschungen. Moka hat die Zeit an diesem Ort verbracht. Ständig in einem Bannkreis gefangen, der eigentlich nur das Ziel hatte, das Siegel aufzuheben und damit Alucard zu erwecken. (Wir erinnern uns: Fairy Tale will nichts anderes als die Vernichtung der Menschheit.)
Jedoch geht dieser Plan schief und nachdem sich die Bösen als eine Art Nazi-Organisation endgültig geoutet haben und die Truppe muss sich durch die einzelnen Stockwerke metzeln, um ihr Ziel zu erreichen.

Ich hätte nie gedacht das sagen zu können, aber Band 10 ist nichts anderes als der Beginn eines gewaltigen Dugeoncrawls in einer fliegenden Festung. Und wir isnd in diesem Band (und den nachfolgendne vermutlich auch noch) in kondensierter Form näher an der ursprünglichen, ersten Season, als man es erwarten könnte. Es wird immer wieder angedeutet, dass jeder einzelne der jeweiligen Freunde besondere, neue Fähigkeiten erlernt hat, die ihm oder ihr den Kampf vereinfach könnten. Und dementsprechend werden wieder einmal Unmengen an durchdrehenden Yokai mit übermächtigen Fähigkeiten auf die Truppe losgelassen. (Und in gewisser Weise entpuppt sich Fairy Tale als eine etwas verdrehte Variante der Situation, die auf der Schule geherrscht hat. Ständig dreht irgendjemand durch, der seine Wut bis jetzt noch nicht Richtig auslassen konnte und je tiefer der Trupp ins innere Eindringt, desto mehr kommt es zu einem richtigen Monster of the Week, das sich mit einem gesonderten Interesse an den Freunden abreagieren will.

Band 10 ist damit wirklich eine Rückkehr zur urkomischen Präsentation von Gewalt, wie sie bislang irgendwie immer Teil der ganzen Geschichte war. Fairy Tail entpuppt sich als ähnlich chaotischer und beinahe unkoordiniert wirkender Haufen, wie es bislang die Yokai High in der ersten Season der Serie war. Nur mit einer Dominatne Anführerin (und einem besonders mächtigem Monster der Marke „Atombombe“ im Keller. Also so viele Unterschiede gibt es in diesem ganzen Chaos eigentlich nicht. Die Frage dabei ist nur, wie geht es weiter? (Und natürlich auch, was die einzelnen Personen aus dem Training des letzten Monats in der Spiegelwelt so an neuen Tricks erlernt haben.) Das Ganze wirkt auf eine unglaublich pretentiöse Weise spaßig… und aus irgendeinem Grund auch Trashig, weil man hier auf eine dermaßen billige Weise Gegner präsentiert bekommt, dass ich fast an meinen Besuch im Power Rangers Kinofilm zurückdenken will.

Fazit

Seihen wir ehrlich: Die letzten beiden Bände waren Inhaltlich unglaublich schwach gewesen. Allerdings bringt das dieser zehnte Band jetzt umso potentierter wieder ins Spiel. Das Ganze ist wirr, es ist hochgradig bescheuert. Es macht wieder Spaß den Band zu lesen. (Allerdings befürchte ich, dass spätestens jetzt ein ganzer Haufen Probleme auftreten werden, weil nur noch vier Ausgaben existieren, um die gesammte Geschichte zu Ende zu erzählen. Von daher dürfte das Ganze dann wahnsinnig schnell einen abgewürgten Charakter bekommen, oder sonst wie unvollständig werden … tja, oder es wird noch ein Meisterwerk, an das man sich lange zurückerinnern kann.)

Heißt wohl ab jetzt: Abwarten und Tee trinken.

Montag, 7. August 2017

Geschichten der ewigen Vertreibung [Karneval der Rollenspielblogs]

Kommen ein Cowboy, ein Indianer und ein Kavallerist in einen Saloon: Alle Tot.




Zornhau ruft drüben auf seinem Blog zum Karnevald er Rollenspielblogs zum „Genreübertretendem“ Thema Western auf… und schwups stehe ich hier mal wieder mit gehobener Augenbraue und überlege, wie ich diesmal meinen Widerspruch ein wenig freundlicher formuliere, als ich es vermutlich noch – durch gegenseitiges Anstacheln bedingt – vor einigen Jahren getan hätte. (Zornhau und ich haben da so unsere Vergangenheit in verschiedenen Foren.)

Der Punkt bei der Sache ist nämlich, dass wir in unserem Hobby – auf der Suche nach „Helden“-Geschichten – sehr schnell einen zu engen Fokus auf bestimmte Elemente setzen und dabei dann aus einem Genre, dass genau das Gegenteil von Helden-Elementen darstellt, mit einem mal eine Heldenreise heraufstilisieren. (Man könnte auch sagen: Im Internet steht, dass die Bundeskanzlerin eine Reptiloidin sei. Entsprechend auf diese Aussage empfängliche Personen suchen dann nach entsprechenden Hinweisen, die diese Wahrheit bestätigen würden.) Von daher würde ich persönlich von Vornherein mit der These aufwarten, dass eher andere Genres, die eher typisch sind für die Heldenreise, ihre Lesart ins Westerngenre übertragen haben.

Das hat allerdings einen bestimmten Grund, der aus dem Umstand kommt, dass man Heutzutage „den Western“ unter dem Aspekt eines Entstehungsmythos von Amerika untersucht. (Und Amerikas Geschichte ist in letzter Konsequenz eine Geschichte der Zivilisierung, der Industrialisierung und in allerletzter Konsequenz: Des positivem Rechts.) Und damit fangen jetzt also die eigentlichen Probleme an. (Ich werde gelegentlich auf den einen oder anderen Film eingehen, der aus dem Western-Genre direkt entstammt… inklusive neuester Tarantino-Auslegungen, aber das sei hier nur am Rande erwähnt.)

Ich gehe davon aus, dass das Basis-Klischee der White- and Black-Hats allgemein bekannt sein sollte? Diese Idee aus der frühen Western-Zeit, die durch einen Farbcode Gut von Böse zu trennen suchte? Der Punkt, der diesen Farbcode unter gewissen Umständen so notwendig macht ist eher darin zu sehen, dass hier nicht Gut gegen Böse aufeinandertreffen, sondern lediglich zwei gleiche Positionen eine Meinungsverschiedenheit klären. Der Grund, warum ich diesen Ansatz so lese, ist der, dass das Genre des Western immer eine gewisse Lösung als Höhepunkt sucht, um aus einer vertrackten Situation herauszukommen: Die Gewallt auf öffentlicher Straße, unabhängig von jeglicher Justiz. Der Grund dafür ist darin zu sehen, wie die Zivilisation innerhalb des Westerns funktioniert: Mit dem Aufkommen der Eisenbahn werden immer schneller Informationen übertragen. Das heißt aber auch: Durch den maschinell bedingten, schnelleren Austausch ist auch ein erfassen von Straftaten innerhalb eines juristischen Kontext möglich, wo vorher „nur“ das Recht des Schnelleren mit der Waffe gezählt hatte. Gerechtigkeitsempfinden anstelle von Recht. Das bedeutet aber auch: Siedlungen im Westen sind in erster Linie Ansammlungen von ausgestoßenen. Mal mehr oder weniger in der Lage sich zu verteidigen. (Und aufgrund bestimmter Ehrencodices eher nicht in der Lage sich zu verteidigen, wenn die Leute mit den schwarzen Hüten auftreten.)
Das Bedeutet aber in letzter Konsequenz aber nicht, dass die entsprechenden Moralvorstellungen der „Siedler“ keine Hilfe von weniger Moralisch gefestigten Persönlichkeiten aufweisen.
Technisch gesehen scheint der Western als Genre sogar eher darauf aufzubauen, dass irgendwie jeder mit einem Revolver bewaffnete Mensch abrechnungen mit dem Gegenüber zu tun hat.
Wenn wir uns Beispielsweise den Klassiker „Pale Rider“ mit Eastwood ansehen, so gibt es hier anscheinend die Geschichte einer Abrechnung zwischen dem Prediger und „Marshall Stockburn“, die aber auf Basis der Rache, die eiskalt serviert wird, entsteht. Überhaupt ist die Unabhängigkeit und das „einsamer Wolf“-Syndrom der meisten Western-Helden weniger ein romantischer Aspekt, sondern viel mehr eine Notwendigkeit: Am Ende von „The Searchers“ verlässt die von John Wayne verkörperte Rolle des Ethan Edwards wieder die Zivilisation, weil er zum einen die Überreste seiner Blutsverwandten wieder zusammengesetzt hat, aber zum anderen aufgrund seines eigenen Hasses gegenüber den amerikanischen Ur-Einwohnern nicht mehr in diese zivilisierte Gruppe passt. Nicht zu vergessen, dass laut Meinung des Texas Rangers vor Ort sehr viele Steckbriefe auf den Mann passen könnten. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Prediger, dessen Namen und Vergangenheit man niemals erfährt, der aber die Liebe des Mädchens Megan zurückweist. (Den Grund dafür erfährt man indirekt in Tarantinos „Django Unchained“: Die Frau zwingt einen Menschen zur Sesshaftigkeit und zum verweilen. Am Ende holt einen solchen „treusorgenden Familienvater“, der weit außerhalb der zivilisierten Welt lebt und seine Tochter großzieht das positive Recht in Form von Djangos Kugel ein… soviel zur Dekonstruktion.)

Der definierende Punkt bei dieser Sache ist aber, dass dieses Außerhalb der Zivilisation und ohne Kind und Kegel leben ein ständiges Problem darstellt: Die Zivilisation braucht Platz. Und den holt sie sich andauernd. (Wodurch die Eisenbahn ins Spiel kommt.) Anders ausgedrückt kann man auch sagen: Die Helden des Western müssen, gerade weil sie ihre Probleme mit Recht (und Moral) haben außerhalb des Rechts-Raumes leben. Das heißt übersetzt: Die Geschichte des Western ist keine Heldenreise. Es handelt sich hierbei fiel mehr um eine Ansammlung von Geschichten der ständigen Verteibung von „Verbrechern“. Das hat dann aber auch direkt etwas zur Folge: Irgendwann holt die Zivilisation Einen ein. Wodurch auch das „Recht des Stärkeren“ mit einem mal jegliche Bedeutung verliert und gegen das positive Recht ausgetauscht wird. (Aus diesem Grund verlieren aber auch Wertvorstellungen ihren Platz in dieser neuen Welt. Und das stellenweise aus gutem Grund. Gelegentlich verraten einige Personen sogar ihre Prinzipien, weil sie einsehen, dass ihr entsprechendes Leben nichts ist, dass auf lange Sicht „gesund“ für die Mehrheit der Menschheit ist, was dazu führt, dass man den Fortschritt der Zivilisation beschleunigt, wie es John Wayne inThe Man Who Shot Liberty Valance“ tat.) Was dann aber auch bedeutet, dass die letzten Rechnungen teilweise exakt in dem Moment beglichen werden müssen, in dem die Zivilisation den Westen entwildert, wie es Harmonica in „Once Upon a Time in the West“ an Frank vollzieht… und kurz darauf die Eisenbahn tatsächlich in den Bahnhof einfährt.
Der letzte Moment, der dann noch übrig bleibt ist der Augenblick, an dem die Zivilisation alles bedeckt und die Revolvermänner keinen Rückzugsort mehr haben. Als „The Shootist“, der danach noch übrig bleibt, gibt es eigentlich nur noch eine Möglichkeit: Sich selbst und alle, die noch übrig sind von diesem seltsamen, alten Ehrencodex aus der Gleichung zu nehmen. Auf die Weise, die man kennt: Mit den letzten Kugeln, die noch im Revolver enthalten sind.

Was heißt das jetzt für andere Genres?

Mit D&D gesprochen: Man befindet sich weniger auf der gesetzestreuen Ebene des Systems, sondern spielt mehr mit den Nuancen des Bösen… oder man ist durch die Bank weg Chaotisch.
Von daher ist auch dieser ständige „Das nächste Firefly“-Rollenspiel-Geblöke, mit dem derzeit einige SciFi-RPGs auf sich aufmerksam machen wollen purer Blödsinn. Durchschnittlich fehlt den Meisten nämlich das ständige Zusammenspiel aus Zivilisation und Flucht. (Reines Entdecken ist da doch zu wenig.)
Das heißt in diesem Fall aber auch, dass jegliche Form von „Abenteuerromantik“ des Wilden Westens immer unter dem Aspekt Recht kontra Überzeugung zu betrachten ist: Welcher Grund für einen Rachefeldzug besteht? Wer hat einen Vorteil bei einer Handlung der Charaktere? Welche Rechtsgrundlage führt letzten Endes dazu, dass die entsprechenden Personen gegen das Recht verstoßen? Und vor allem: Welche Entbehrungen durchleiden sie, um ihre Art zu leben aufrecht zu erhalten?

Von daher: Ja, ich glaube dass man Western-Thematiken durchaus schaffen könnte, um sie in anderen Genres aufzubauen. Aber ich glaube auch, dass den meisten Leuten nicht wirklich bewusst ist, was genau die Meta-Ebene am Ende sein könnte, auf der man Western dann wirklich definiert.