Montag, 11. November 2019

Soma: Orakel bastelt sich ein D&D-Setting


"You see from lunar, we have lunacy and lunatic, and loony“ [Emilie Autumn: Girls! Girls! Girls!]

Okay… wo soll ich jetzt anfangen? Im Kern haben diese Zeichen, die jetzt gerade in die Tasten haue damit zu tun, dass ich irgendwann vor einer ganzen Weile angefangen habe die ganzen Miniaturen-Bemal-Streams bei OrkenspalterTV mir anzusehen. (Und dummerweise gehörte ich zu den Leuten, die früher in den 90ern schonmal ihre GW-Phase in Form von Space Marines und Waldelfen gehabt haben. Ergo ist es gar nicht mal so verwunderlich, dass ich irgendwann Rückfällig geworden bin im letzten Jahr.) Dummerweise muss man jetzt allerdings dabei noch etwas hinzufügen: Zentral gehöre ich zu denjenigen, die aktuell zwar Chaos bepinseln, aber eigentlich auf die Rückkehr der Sisters of Battle der Adeptus Sorroritas warten. Und damit verknüpft ist Mhaire Stritter noch für etwas anderes im Zusammenhang mit diesem Artikel schuld: Sie machte mich in einem ihrer Streams rund um „Mhaires Meditatives Malen“ in einem Nebensatz auf den französischen Miniaturenhersteller Raging Heroes aufmerksam. (Dieser hat nämlich eine ganze Reihe alternativer Miniaturen für die Sororitas.) Dummerweise klickte ich dabei aber auch durch das restliche Programm an Miniaturen und blieb irgendwo bei den Dunkelelfen hängen. (Und hatte sowas von keinen Bock in Age of Sigma einzusteigen.) Dummerweise spielte ich zu dem Zeitpunkt aber auch bereits D&D in der 5ten Edition. (Wo ich den erfolgreichen Abschluss hier auch endlich mal zusammenfassen muss.) Und auch wenn in der Tabletop-Szene aktuell das Spiel Frostgrave die Entschuldigung ist sich egal welche Miniatur auch immer zuzulegen bin ich dann wohl jetzt in der Rollenspielszene mit einem System hängen geblieben, dass meine Ausrede ist, um Miniaturen aller Art mir nach und nach einzukaufen. (Und dabei hatte ich D&D doch eigentlich schon nach Jahrelangem 3.5 abgeschworen gehabt.)
Wie auch immer: Den Vorstoß machte ein fünferpack Harpien und jetzt ein Jahr und diverse Kickstarter später habe ich immer noch keine Dunkelelfen, warte aber auch eine Unmenge Untote.

Und das wollen wir dann mal als Versuch eines Inspirationsanstoßes sehen: Ich bin zwar der Klischeehafte Elfenspieler hoch zehn, aber irgendwie war ich dabei noch nie ein Fan der klassischen „Hochelfen“. Insofern stellt sich für mich gerade die Frage, ob man nicht von den Drow als zentraler Dreh- und Angelpunkt einer Settinghistorie ausgehend eine etwas andere Gesellschaft hinbekommt. (Hochelfen dürfen ja meinetwegen gerne weiter existieren, nur das sie dann den gleichen Ansatz wie die Waldelfen darstellen: Sie sind eine spezielle Gruppe Abtrünniger, die sich von der Heimat losgesagt haben. Insofern habe ich mir auch den Arbeitstitel für dieses Setting, „Soma“, aus der Wikipedialiste von Mondgottheiten herausgesucht. Das alles sowohl unter dem Aspekt, dass ich verrückt genug bin ausgerechnet auf diesen Zug aufzuspringen. („Loony“), aber auch, weil die beiden im Kern stehenden Figurentruppen zwangsweise auf eine bestimmte Richtung hindeuten: Im Kern möchte ich mein Setting auf die Bedürfnisse der Dark Fantasy, also den Einflüssen des Horror-Genres auf die Fantasy, ausrichten. (Auch wenn ich befürchte, dass ich damit dann bestimmte Aspekte von „Ravenloft“ aus AD&D-Zeiten in Ermangelung sämmtlicher Kenntnisse über die Quelle „neu“ erfinde. Im übrigen gillt dabei auch die Tatsache nicht, dass ich „Curse of Stradh“ durchgespielt habe. Soweit wie ich das Abentuer verstehe handelt es sich hierbei weniger um eine eigene Settingswelt, sondern „nur“ um einen modernen Blick auf das ursprüngliche Abenteuer-Modul aus D&D-Zeiten.)

Also: Was schwebt mir vor? Ich möchte eine Welt/Umgebung schaffen, in der die Stimmung ganz stark in Richtung Horror geht. Mir ist bewusst, das D&D eigentlich den Status der High-Fantasy vertritt und damit eher dem Versuch entgegenkommt, Heldenhafter als jeder Held zu sein. (Und ich kann mich dabei nur immer wiederholen: Horror am Spieltisch ist eh unmöglich.) Aber selbst wenn man heldenhafte Fantasy-Figuren spielt bleibt immer noch die Möglichkeit einen bestimmten Ton zu treffen, indem ein Geist nicht nur einfach XP darstellt, sondern tatsächlich so etwas wie eine dunkle Bedrohung zumindest angedeutet bekommt. (Das wird für einige eventuell schwierig nachzuvollziehen sein, darum möchte ich hier ein Beispiel aus dem bislang immer noch besten Teil der Dragon Age-Reihe bemühen. Nämlich Dragon Age: Origins. Bis Heute hat Bioware in dem Bereich leider bei den anderen beiden Teilen hoffnungslos versagt.) Während die zukünftige Heldin von Ferelden in die tiefen Wege herabsteigt, um das Schicksal der Paragon Branka herauszufinden, kommen Sie und ihre Gefährten dem zentralen Geheimnis der dunklen Brut auf die Spur: Wie vermehrt sich die dunkle Brut? Begleitet von einer Zusammenfassung der entsprechenden Ereignisse durch die offentsichtlich Wahnsinnig gewordene Hespit erfährt man, dass die dunkle Brut weibliche Mitglieder der jeweiligen Spezies verschleppt und in einem Teilweise kanibalistischem Ritual eine Mutation herbeiführt, die aus Frauen sogenannte Brutmütter werden lässt. Ausgedunsene, riesige Gebährmaschienen mit Tentakeln, die sich nicht mehr vom Fleck bewegen können, aber unzählige Individuen der vermeidlichen untoten Monster gebähren. (Denn seien wir ehrlich: Die dunkle Brut ist eine Neuinterpretation des Fast-Zombie-Tropes.)

Die Frage lautet also: Wenn ich mir ein eigenes Setting zusammenschrauben will, was währe der zentrale Hebelpunkt, auf dem ich aufbauen würde. Und ich persönlich würde hier am ehesten um eine Mythologie herum alles aufbauen, die einige Zusammenhänge erklären würde. (Vergleichbar mit den ersten Magieren von Tevinter in Dragon Age, welche die goldene Stadt des Erbauers betreten hatten und diese dadurch korrumpierten.) Insofern haben wir hier gerade ein etwas verschwurbeltes Grundgerüst zu beachten: Meine Ausgangssituation sind vor allem Drow/Dunkelelfen und Untote im Sinne von animierten Skeletten, die sich eine Welt zusammen teilen sollen. Und die Frage steht natürlich im Raum, wie man den ganzen „Lolth“-Mythos, der irgendwie automatisch bei D&D teil der Drow ist, noch unter einen Hut bringen soll. Gelegentlich lohnt es sich hierbei dann tatsächlich auch mal einen Blick auf andere Settings zu werfen, welche ebenfalls über Drow verfügen, aber halt eben nicht die Forgotten Realms sind. In diesem Fall schwebt mir das einzige offiziell lizensierte Setting aus D&D 3.5-Zeiten vor, die „Kingdoms of Kalamar“. Im Kern muss man dabei sagen, stammen zwar alle Dunkelelfen in Kalamar irgendwie voneinander ab, gehören aber nicht unbedingt zueinander: Man kann sie dadurch unterscheiden, dass sie unterschiedlich tief unter der Erde leben. Und diesen Trick der unterschiedlichen Sub-Elfenvölker werde ich für meine eigene Stammmythologie selbstverständlich adaptieren.

Im Kern sehe ich aber ein sehr klares Problem: Lolth vs. Der Tod (TM) ist noch kein so starkes Thema für sich. Hierbei muss ich wohl ein wenig weiter ausholen: Im Kern ist der Tod einfach nur das Ende von allem. Stasis und Stillstand in einem bestimmten Zustand. (Es gibt einen guten Grund, warum Vampire als Analogie auf das Motiv ewiger Liebe verstanden werden.) Das Problem mit Lolth als Göttin ist da hingegen aber folgendes: Sie lässt ihr Volk der Drow nicht einfach „nur“ Leben. Sie testet Individuen aus. Probiert neue Verknüpfungen von verschiedenen Blutlinien und erschafft in ihren Augen „gefallene“ Individuen neu als ihre eigenen Diener, dämonische Mischungen aus Frau und Spinne und ewige Mahnmale der Schande, dass man die Tests der Spinnengöttin nicht bestanden hat. (Im übertragenenen Sinne kann man Sagen, dass Lolth das Konzept des von der Website „Suicide Girls“ proklamierten Schönheitsideals der „Bodymodification“ an sich darstellt. Leben, und damit verbunden auch Schönheit, als eine Kunstform, ein totalästhetisches Konstrukt, das erst in eine Form gebracht werden muss. Aber halt eben eine Verpflichtung der Unterwerfung unter dieses Ideal, das überhaupt erreicht werden muss.) Wenn wir den Tod als neutrale Kraft in diesem Gedankenkonstrukt jetzt begreifen wollen und Lolth von den Vorgaben her automatisch immer Böse ist, müsste man also eine dritte, und vor allen Dingen gute Kraft in das Gefüge einführen, auf dem wir dieses Setting jetzt gerade konstruieren wollen. (Und da der Tod als neutrale gesetzter Zustand der Stasis steht und Lolth als böser Zustand der Konstruktion, böte es sich also an das Leben selbst als einer Kraft des Gute anzusehen. Ich denke, dass sich hier am ehesten das Konzept einer Fruchtbarkeits-Gottheit anbietet. Und Unterhaltsamerweise bietet der Hersteller Tomarillion ein paar hellenistisch inspirierte Statuen-Miniaturen an, die auf antiken Göttheiten aufbauen. Ich denke also, dass ich aus der Statue von Aphrodite aus diesem Set etwas anbetungswürdiges für meine Ur-Drow machen werde.)
Auf diesem Weg hätten wir dann Leben, Tod und künstlich herbeigeführten Wandel als drei verbindende Elemente, welche zumindest die bestimmende Spezies der Drow verbinden.
Darüber hinaus muss ich allerdings auch noch erwähnen: Ich habe eine Schwäche für die in den 90ern aufgetretene Welle der „Bad Girl Art“. (Um ganz ehrlich zu sein: Ich versuche aktuell einige Serien aus der Zeit vervollständigt zusammenzutragen.) Der Punkt bei der ganzen Sache ist: Ich habe mit der Statue einer Fruchtbarkeitsgöttin und mindestens einer möglichen „Lolth“-Miniatur wenigstens zwei feste Bestandteile, die irgendwie das Szenario bestimmen werden, insofern überlege ich gerade ernsthaft etwas in Richtung „Lady Death“ mit ins Spiel zu bringen, um wenigstens dem Tod ein Gesicht zu geben. Und diese ganze Chaos an ersten Überlegungen riecht nach einem Krieg, der die Welt verändern wird.

Wie gesagt: Grundsätzlich will ich diese Welt erstmal in Prosa-Texten nach und nach zusammenschreiben, die so etwas wie einen Erschaffungsmythos meines Settings langfristig darstellen sollen. (Schlicht und ergreifend, weil ich eine Erklärung bereits halten möchte, warum diese Gesellschaften am Ende so funktionieren, wie sie funktionieren werden.) Aber zeitgleich werden dann auch immer wieder derartige Meta-Artikel wie dieser hier entstehen, die sich jeweils über erste Grundüberlegungen beschäftigen. Einfach weil ich mich auf diesem Weg dazu zwingen kann, überhaupt jemandem zu sagen, was in meinem Kopf vorgeht. (Und eventuell auch im Zweifelsfalle über Feedbakc hinweise zu erlangen, wo ich mich in meinen Überlegungen auf einem sehr seltsamen Eis gerade bewege.)

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Review: Joker



Ich weiß ich weiß: Das US-Militär warnt davor, dass männliche, beziehungunfähige Mitglieder unserer Gesellschaft von diesem Film inspiriert werden könnten.

Wer ist der Joker? Das könnte man als so ziemlich die zentralste Frage im kompletten Batman-Kosmos bezeichnen. Und hierbei muss man eventuell ein wenig weiter ausholen: Denn eine wirkliche Antwort gab es in der Hinsicht im Comic-Umfeld eigentlich nie. Sicher: Es gab die Graphic-Novel „The Killing Joke“, auf die die meisten Filme dann auch irgendwie ihren Bezug genommen haben. (Gerade wenn wir uns dafür den von Jack Nicholson gespielten Joker in Tim Burtons Batman oder die entsprechenden zentralen Szenen aus der Origin von Harley Quinn aus Suicide Squad ansehen, hat man das Gefühl, dass hier sehr viele Gemeinsamkeiten bestehen müssten.) Andererseits gibt es aber auch die Idee, dass es noch nie einen Joker gab, sondern immer Drei verschiedene Personen „Der Joker“ zeitgleich sind, welche bei Bedarf ihren Wahnsinn über Gotham ausschütten. Und wir dürfen die eindrucksvollen Szenen von Heath Ledger aus „The Dark Knight“ nicht vergessen, in denen der Joker immer wieder eine andere Origin der Narben seines „Glasgow Smiles“ erzählt. Und auch die Serie „Gotham“ erzählt die Geschichte zweier Zwillingsbrüder, die über ein besondere Gas sich gegenseitig in den Wahnsinn treiben. (Wobei einer von Beiden von Anfang an psychopathische Charakterzüge zeigt.) In sofern ist die Idee, dass der Joker eigentlich keine Person, sondern viel mehr eine Art die Persönlichkeit überschreibendes Mem, eine Gehirn-Virus des Wahnsinns ist, irgendwo immer schon Teil des Film-Kosmos neueren Datums gewesen.

Der Film Joker erzählt uns die Geschichte von Athur Fleck. Einem erfolglosen Clown, der davon Träumt als Comedien durchzustarten. Zeitgleich hat er einen Gehirnschaden, der ihn immer wieder in den unpassensten Momenten dazu bringt, lauthals loszulachen. Zeitgleich kümmert er sich um seine pflegebedürftige Mutter, die ständig nachfragt, ob eine Antwort auf ihre Briefe an Thomas Wayne angekommen sei. Und das Ganze in einem Gotham, dass stilistisch irgendwo in den 70ern angelegt sein müsste.
Auslöser für die Geschichte dieses Films sind jetzt im Grunde zwei Szenen: Die erste ist die bereits aus den Trailern bekannte Szene, in der dem auf der Straße arbeitendem Athur das Schild von Jugendlichen gestohlen wird und er daraufhin zusammengeschlagen wird, als er versucht das entsprechende Schild wieder zurückzuholen. Die zweite Szene findet in der U-Bahn statt. Drei mittzwanziger Wall-Street-Juppies versuchen eine Frau zu belästigen, wobei Athur einen seiner Lachanfälle bekommt und anschließend beinahe von den dreien erneut Krankenhausreif getreten wird. Nur dass er diesmal mit einem Revolver bewaffnet ist und alle drei erschießt und anschließend vom Tatort flieht.
Was anschließend folgt ist eine Mediale Überrepräsentation des von den Medien als Moster dargestellten Killerclowns sowie einigen Bemerkungen von Personen wie Thomas Wayne, die dazu führen, dass immer mehr sozial abgehängte Individuen sich auf eine hochgradig anarchistische Art zu einer Clown-Bewegung formieren, die durch die Straßen zieht und Slogans wie „Kill the Rich“ skandiert.

Innerhalb dieser ganzen Geschichte beginnt ein langsamer, aber stetig wachsender, geistiger Zerfall bei Athur, der sich stellenweise in Phantasien über eine Affäre mit einer Nachbarin flüchtet und irgendwann gar nicht mehr so genau weiß, wem er jetzt eigentlich noch glauben soll. Am Ende bleiben eigentlich nur noch zwei Wahrheiten übrig: Die Reichen verdienen ihrem Erfolg einem großen, kosmischem Zufall, anstelle harter Arbeit. Und auf der anderen Seite ist eigentlich jedes Leben nichts anderes als ein beschissener Witz, über den nur niemand mehr lachen kann. (Somit ist die gewaltige Pointe auch eigentlich ein Mord vor laufender Kamera, der dann durch sämtliche Nachrichten geistert und ständig wiedergekäut wiederholt wird.)
Und zeitgleich brennen die Straßen Gothams, weil die Clowns ausrasten.

Für sich betrachtet ist dieser Film auch keine klassische Erzählung, wie ihn so viele andere DC-Filme ausmachen. Denn technisch gesehen muss man diese Erzählung eigentlich „nur“ als eine Aneinanderreihung von einzelnen Szenen betrachten, die zu allem Überfluß eher auf dem klassischen „und dann“ basieren. Also einfach nur eine Aneinanderreihung von einzelnen Szenen, in denen etwas passiert. Nur dummerweise funktioniert diese Aneinanderreihung von Szenen in ihrer eigenen Logik dermaßen gut, dass trotzdem eine funktionierende Erzählung dabei rumkommt. Einfach deswegen, weil hier jegliche Logik, die der „normale“ Zuschauer als „gutes Storytelling“ bezeichnen würde eh nicht mit dem Charakter des Jokers harmonieren könnte.
Insofern lebt dieser Film eigentlich nur davon, dass man in einer Aneinanderreihung von einzelnen Szenen seine eigene, persönlich-vojoristische Ader am geistigen Verfall des Jokers abarbeitet, ohne jemals wirklich auf die Idee zu kommen, was die eigentliche Pointe dieses gewalltigen, kosmischen Witzes ist, bei dem niemand mehr lacht. (Und im Grunde stellt sich anhand der Ausgangsposition eine sehr zentrale Frage: Gibt es überhaupt eine Szene, in der der Joker ein ehrliches Lachen führt.)

Im Grunde möchte ich zum Abschluss für mich bei diesem Film, den ich wirklich jedem ans Herz legen möchte, ihn sich anzusehen, nur noch zwei Dinge für mich festhalten: Ich möchte wirklich glauben, dass wir am Ende des Films den Witz nicht verstehen. Und zum anderen glaube ich, dass auch dieser Film nicht die Origin-Story des Jokers erzählt, sondern zum großen Konglomerat des „Mems“ gehört, welches vermutlich vom Joker selbst verbreitet wird um aufzuzeigen, dass jegliches Interesse an seiner Herkunft auch nur ein einziger Witz ist, dessen Pointe hochgradig subjektiv verstanden werden muss.

Montag, 7. Oktober 2019

Vom Schauder einen Dorp-Cast zu hören.


Michael: Würdest du zwischen Horror und Grusel unterscheiden?
Thomas: Ich glaube dass das mehr eine linguistische als eine inhaltliche Frage ist.
Orakel: *Schreit seinen iPod an und beißt in die Tischplatte*

Okay, zugegeben: So ganz drastisch wahr meine Reaktion auf den Dorp-Cast 144 nicht. Aber wie sich einige Leute denken können ist gerade das Thema Horror etwas, in das ich in gewisser Weise über die letzten Jahre investiert geworden bin. (Soweit, dass ich während des Philosophiestudiums in einem Seminar durch ein paar steile Thesen zum Film „Funny Games“ dadurch aufgefallen bin, dass ich gesagt habe, dass der Film vermutlich am ehesten über die Tradition des Slasher-Films funktioniert und deswegen auch die beiden Identifikationsfiguren für den Zuschauer ganz klar die Beiden Täter Paul & Peter seien.) Der Punkt bei der ganzen Sache ist: So sehr ich die Ansichten der beiden Dorpcast-Stimmen Michael und Thomas auch in der Regel schätze: Hier haben sie mal einfach in Klo gegriffen. (Im darauffolgenden Dorp-Cast haben sie auch schon gesagt, dass ich eine von zwei Personen wahr, die nicht all zu begeistert von der Folge waren.) Und auch wenn ich bereits versucht hatte grob zum Umreißen, das die gefühlt sehr oberflächliche Herangehensweise an das Thema das Hauptproblem der Ganzen Sache wahr, sehr ich doch, dass hier mal wieder Klärungsbedarf herrscht, wenn wir über die finsteren Seiten des Rollenspiels sprechen.

Wie sich einige Leute erinnern, hatte ich vor ein paar Jahren schon mal im Rahmen des Vlogtaculums ein paar Sätze zum Thema Horror verloren. Damals wie Heute lautet meine Empfehlung zum einarbeiten in dieses Thema „The Philosophy of Horror“ von Noel Carrol, einfach weil hier einige sehr gute Gedankengänge drin verwoben worden sind, die sich zwar mit den Problemen des Horror-Films beschäftigen, welche aber im Kern immer auch die Probleme des Horrors im Rollenspiel irgendwie sind. Von daher werde ich jetzt nach und nach in diesem Artikel einfach mal meinen Gedanken hinterherjagen, die mir prinzipiell gerade kommen und versuchen etwas Struktur in dieses Missverständnis zu bringen.

Das „Unterhaltungsmodell Angst“

Das große Problem im Zusammenhang mit dem Thema Horror ist, dass es im Grunde erstmal ein widersprüchliches Konzept ist. Wann immer wir nämlich von Horror im Zusammenhang mit Filmen oder auch Rollenspielen reden, meinen wir eine Unterhaltungsform. Zeitgleich gibt es aber auch ungangssprachliche Redewendungen, wie „er hat im Krieg Horror erlebt“ oder aber auch umgangssprachliche Übersteigerungen wie den „totalen Horror“. Das zumindest die Schrecken des Krieges und die lauthals kreischenden Teenager, die von Jason Voorhees davonlaufen etwas miteinander zu tun haben scheint auf den ersten Blick etwas Wiedersprüchliches zu sein, handelt es sich bei dem einen doch um tatsächliche Ereignisse und bei dem anderen „nur“ um einen schlecht gemachten Slasher-Film aus den 80ern, der nur so vor Klischees trieft.

Und um das zu verstehen muss man vermutlich erst einmal etwas tiefer in die Evolutionsgeschichte des Menschen hereinblicken: Wenn ich der Wikipedia glauben schenke, sind die ältesten dem modernen Homo Sapiens zugeordneten Knochenfunde etwa 315.000 Jahre alt. Das heißt wir haben etwas über dreihunderttausend Jahre gebraucht um uns auf diesem Planeten auszubreiten, sämtliche potentiellen Gefahren zu beseitigen (und aktuell arbeiten wir ja halbwegs erfolgreich daran uns dieser Lebensgrundlage auch wieder selbst zu berauben.) Der Punkt bei diesem Modell des „schöner Scheiterns“ ist aber folgendes: Im Kern waren wir als Spezies seid damals keinem all zu großem biologischen Druck unterworfen, der eine wie auch immer geartete Weiterentwicklung im evolutionärem Sinne notwendig gemacht hätte. (Und auch die ganzen Atom-Bomben, die im letzten Jahrhundert gezündet worden sind haben noch keine allzu erfolgreichen Mutationen herbeigeführt.)
Das heißt aber auch, dass bestimmte Faktoren, die ein überleben des Individuums früher leichter begünstigt hatten heute immer noch Teil unserer Erbsubstanz sind. Und eines dieser losen Enden der Vergangenheit ist das Gefühl der Angst. Angst aktiviert Fluchtverhalten, gemahnt uns zu Vorsicht und kann somit schon mal über das Überleben entscheiden, wenn man ein komisches Geräusch hört, das sich anschließend als hungriger Säbelzahntiger erweisen mag. Der ängstliche gibt seine Gene an die nächste Generation weiter, während der Neugierige, der dass Geräusch interessant fand, einfach nur die nächste Mahlzeit für den Säbelzahntiger geworden ist.
Heute, dreihunderttausend Jahre später, haben wir sämtliche potentiellen Gefahren, die uns Angst machen können ausgelöscht. (Zumindest soweit es den hungrigen Säbelzahntiger betrifft.) Der Punkt ist aber: Bloß weil der Grund, Angst zu haben, in der modernen, zivilisierten Welt als solcher nicht mehr Existiert, bleibt der Instinkt als verkümmerter Nerf, der gelegentlich Impulse aussendet trotzdem erhalten. Und hier kommt dann das kulturelle Technik des Geschichtenerzählens ins Spiel.
Womit auch der Punkt mit der „Immersion“ im Grunde genommen zum tragen kommt. Ich beziehe jetzt das Modell der Gespenstergeschichte einfach mal als Beispiel hier ein. Im Grunde assoziieren wir mit bestimmten symbolen Angst heutzutage. Das liegt daran, dass man vermutlich irgendwann festgestellt hat, dass rund um bestimmte Ereignisse an unserem Körper Reaktionen auftreten, die eigentlich aus der Palette an Emotionen stammen, die die Angstreaktion mit hervorruft. Wenn wir jetzt das Spukschloß als Motiv einmal aufgreifen: Heutzutage weiß man, dass die meisten Geistererscheinungen sich vermutlich auf schlecht isolierte Räume zurückführen lassen, so das an bestimmten Stellen Kälte auftrat, die einem die Haare im Nacken zu Berge stehen ließ. (Was dann auch der Grund ist, warum der Topos des Spukhauses so weit verbreitet ist.) Eine Geschichte aus dem Bereich von Grusel und Horror erzeugt also nicht per se Angst. Sie ist erst einmal nur eine Geschichte über die Angst.

Warum Gruselgeschichten am Lagerfeuer trotzdem funktionieren

Warum funktionieren aber Gruselgeschichten? Die Antwort an sich ist vermutlich ziemlich banal: Ich würde sie unter dem Stichpunkt „Herdenverhalten“ zusammenfassen. Wir kennen heutzutage einen Haufen beunruhigender Faktoren, die mit Angst einher gehen. (An)spannung und Stress, um nur zwei zu nennen, die zwangsweise mit unseren Fluchtimpulsen einhergehen.
Insofern ist das, was ein ästhetisches Empfinden aufgreift, welches mit der Angst der Beunruhigung spielt sehr stark auf dem atmosphärischen Moment bezogen. Das kann mit Licht zu tun haben. Allerdings auch mit der Qualität von Umgebungsgeräuschen. Oh und natürlich dem Erzähler selbst: Indem man begleitende Ersatzhandlungen nutzt, die man tatsächlich reproduzieren kann, ohne das eine tatsächliche Gefahr als solche Besteht, kommt es wirklich dazu, dass einem die Nackenhaare zu Berge stehen. Und auf diese Weise empfinden wir so etwas wie „Immersion“. Das heißt, wir gruseln uns nicht, weil eine Figur in einer Geschichte sich gruselt. Die Gesamtsituation ist ein Platzhalter, der unsere eigene Vorstellung aktiviert und uns somit in die Situation bringt, dass wir das Gefühl haben, in der Nähe von Bedrohung zu sein. Das ist in gewisser Weise die Projektion, das etwas unheimliches Geschehen könnte, was aus unserer eigenen Vorstellung dann uns Beunruhigt. Im Kern stellt also die Geschichte eine Einladung zu einem „so tun als ob“ dar. Und dieses so tun als ob ist letzten Endes im ästhetischen Empfinden das, was wir als Grusel begreifen. Und darauf baut auch das Rollenspiel an sich auf.

Der Übergang zum Horror. Oder: Warum funktioniert Todes-Angst am Spieltisch nicht?

Und genau hier beginnt das Problem mit dem Begriff des „Horrors“. Denn während Angst uns in die Flucht treibt, ergibt sich daraus etwas, dass im Kern einen Keim Hoffnung enthält: Nämlich Sicherheit. Horror hingegen ist von der emotionalen Ebene her etwas deutlich drastischeres.
Das Problem bei der Sache ist, dass wir in einem ganz bestimmten Moment von Horror sprechen. Angst bietet eigentlich einen Ausweichreflex: Die Flucht in die Sicherheit.
Horror beginnt aber dann, wenn die Angst unausweichlich der einzige Bezugspunkt unseres kompletten Seins wird. Das kann man an sich schwierig Nachvollziehen, außer man betrachtet sich eventuell ein Bild, dass aus der Kriegsberichtserstattung stammt. Ich muss dabei hinzufügen: Ich habe Leute über das Bild reden gehört, nicht aber die Fotografie an sich gesehen. Angeblich gibt es ein Bild von einem Mann, der einen Stuhl über seinem Kopf trägt, und sich scheinbar davon irgendwelchen Schutz verspricht. Ähnliche Bilder gibt es auf die eine oder andere Weise immer wieder in unterschiedlichen künstlerischen Werken. Der verständliche Aspekt bei diesem „mit der Angst auf ängstem Raum konfrontiert zu sein“, bzw. der Reaktion darauf wird wohl dann klar, wenn man sich das entsprechende Konzept hinter den Geschichten von H.P. Lovecraft ansieht: In diesen Geschichten wird die Sicherheit der eigenen kleinen Welt des menschlichen Verstandes so weit wiedersprochen, dass die geistige Gesundheit zubricht.
Und das ist eigentlich auch ganz allgemein die Folge des Moments des Horrors: Dadurch das der entsprechenden Augenblick einem jegliche Sicherheit, auf die man sich überhaupt in irgendeiner Weise verlassen konnte, entreißt, zerbricht dabei der menschliche Geist und die Angst wird der einzige Bezugspunkt unseres kompletten Seins.
Und genau damit beginnt das Problem des „Horrors am Spieltisch“: Keiner will so etwas in irgendeiner Weise verspüren. Daher ist auch im Grunde das ästhetische Verlangen des empfundenen Horros an sich nicht vorhanden. (Und es entspricht auch nicht dem, was uns eigentlich berührt, wenn wir uns mit dem Themenfeld des Horrors auf die eine oder andere Weise unterhalten.)
Aber: Die Vorstellung der Handlung einer Person, die ein solches Erlebnis hat, hat trotzdem ihren eigenen, ästhetischen Reiz.
Aber: Das birgt jeweils auch immer seine eigenen Probleme mit sich: Im Film versucht man diese Momente durch die Verwendung des „Jump Scares“ aufzuzeigen, damit Symbolisch erklärt wird, warum die entsprechende Figur am Ende zerstört ist. Fürs Rollenspiel hingegen wird das immer eine sehr komplizierte Gradwanderung sein, in der es um eine Einladung eines „so tun als ob“ geht. Im Kern fokussiert man sich dabei dann sehr oft auf Symbole, im Sinne eines „das macht dir doch Angst!einself“. Trotz alledem gibt es durch die Geschichte immer wieder auch andere Versuche, die auf der einen oder anderen mechanischen Ebene Orientierungshilfen bieten: Die vermutlich zugänglichste Variante ist die Leiste für geistige Gesundheit von chaosiums „Call of Cthulhu“, die in teilweise weiterentwickelten Versionen immer wieder in verschiedenen, konventionellen Regelsystemen auftaucht. Dieses System des geistigen Verfalls mag einigen etwas Plump erscheinen. Allerdings bot es in seinem Ansatz immer eine sehr genaue Orientierung des Moments, an dem sich die Bespielte Figur nicht mehr in ihrer eigenen Sicherheitszone fühlte.
Es gibt zwar auch entsprechende Experimente, die sich auf eine Art der Immersion berufen (das bekannteste in dem Bereich dürfte immer noch der Jenga-Turm-Mechanismus von Dread sein) aber wie ich schon an anderer Stelle gemeint hatte: Die Immersion hier ist nicht Horror, sondern das Gefühl von Begleitfaktoren, die mit Horror verpartnert sind, jedoch für sich allein gestellt ebenfalls funktionieren.
Diesen Fokus des geistigen Verfalls, des Verlustes jeglicher Sicherheit, bis nur noch die Angst an sich das absolute Element ist, dass die eigene Persönlichkeit ausmacht, ist jedenfalls der Fokus, der am Ende Horror ausmacht.

Montag, 30. September 2019

Rezension: Mohiro Kitoh: Von einem Stern zum anderen (Naru Taru Band 09)


Cover: Mohiro Kitoh
Naru Taru Band 09
Verlag: EMA:adult

Der neunte Band beginnt im Kern dort, wo die ganze Geschichte ursprünglich mal ihren Anfang genommen hatte: Shiinas Vater fliegt mit einer Militärmaschine in der Luft. Nur das er sich diesmal in Russland aufhält und nicht sofort mit einem Drachenkind kollidiert. Es wäre allerding snciht Naru Taru, wenn nicht trotzdem auf irgendeine Weise indirekt trotzdem das Thema rund um die Drachen angesprochen würde. In diesem Fall ist es Konkret eine zufällige Begegnung mit einer sehr hilfreichen, alten Dame, die Shiinas Vater und einem Arbeitskollegen aus der Zwickmühle hilft.
Der Sohn der Dame gillt, nachdem sein Flugzeug vom Militär als verschwunden erklärt wurde.
Und genau in diesem Moment beginnt dann Quasi die „internationale Ebene“, der gesammten Geschichte. Wir erleben ein Eingreifen des FSB, dem russischen Geheimdienst, der ein hohes Interesse an Shiinas Vater hat. (Anscheinend ist der Plan einer Person habhaft zu werden, die bekanntermaßen Kontakt mit den Drachen hatte, indem man einen Absturz fingiert.)

Und natürlich begegnet man in diesem gesammten Chaos auch noch einen weiteren Hinweiß auf die Drachenkinder. Diesmal in Gestalt der Baba Yaga. Der Punkt dahinter ist, dass man (wie eigentlich schon die gesammte Zeit über klar war) hier noch einmal einen Hinweiß darauf geben will, dass diese Drachen, welche die ganze Zeit über als Bedrohung wahrgenommen werden, nicht im Kern etwas an sich böses darstellen. Viel mehr scheint ein übergeordneter Einfluss hier zu bestehen, der die menschliche Komponente ausmacht und direkte Kontrolle auf das Verhalten der Drachenkinder ausübt. Das lustige bei dieser ganzen Geschichte ist, dass anscheinend aus der Verbindung zwischen Mensch und Drachenkind immer eine menschliche Komponente am Ende für die entgültige Entstehung eines Drachen wirklich zuständig zu sein scheint. (Wir haben in dieser Geschichte ein Puzzleteil, das man im Hinterkopf behalten muss. Absuderweise ist dieses Puzzleteil ausgerechnet das Haus der Baba Yaga. Also eine Hexe, die weiß, dass sie eine Gefahr für Kinder ist und diese in manchen Geschichten sogar vor sich selber warnt. Diese Tatsache, dass Entscheidungen von Menschen anscheinend ein sehr prägendes Element für die endgültige Gestalt von etwas sind, scheint sich die ganze Zeit hier dieses Moment von der Frage nach einem eigenen Bild von Mensch jetzt festzumachen. Und das macht also auch sehr viel von dem aus, was wir bereits anderweitig nur angedeutet bekommen haben. Und den Abschluss macht dann – wie so oft – ein weiterer Hinweis aufs symbolische Heranreifen und Erwachsenwerden. Zumindes tbleibt die Frage im Raum, was Shiinas Name bedeutet und die Tatsache, dass jemand „etwas Merkt“, ausdrücken soll.

Fazit

Wenn man‘s nur vom Spannungsbogen aus betrachtet ist die Geschichte langweilig erzählt. (Allerdings nur in Form der Comicerzählung.) Ich hatte ja shcon häufiger erwähnt, dass ich im Moment einfach nur zu Projezieren und zu spekulieren anfange. (Und dummerweise ist auch weiterhin dieser Umstand hier der Fall.) Ich werde bei den letzten Bänden einfach das Gefühl nicht los, dass man auf durch das erneute Aufgreifen bestimtmer Elemente, die bereits in der bisherigen Serie auf die eine oder andere Weise vorgestellt worden sind, so kommt es einem vor, dass hier auf lange Sicht eine Erklärung vorweggenommen würde. Es ist klar, dass die Serie insgesamt nur noch ein paar Ausgaben hatte, weswegen wohl hier die bis jetzt nur vorgestellten Szenarien zu erklärenden Momdellen aufbereitet werden mussten, um ein wie auch immer geartetes Ende dann zu Erzählen. (Und ich habe das Gefühl, dass aufgrund von einigen Andeutungen vieles auf ein „Selbstopfer“ hinausläuft, dass sehr beleibt ist in japanischen Erzählungen. Nur das dieser Selbstmord dann am Ende vermutlich positiv enden wird. Von dahe rmuss man in diesem sehr speziellen Fall wohl erst einmal abwarten, wie die gesammte Geschichte enden wird.

Montag, 23. September 2019

Rezension: Mohiro Kitoh: Tamashii – die Seele (Naru Taru Band 08)


Cover: Mohiro Kitoh
Naru Taru Band 08
Verlag: EMA:adult

Technisch muss man sagen: Der achte Band geht thematisch durchaus als Folge des Siebten auf. (Wenn auch bei weitem nicht so schön „Bodenständig“ wie die Geschichten davor waren.)
Doch worum geht es in diesem Band jetzt?
Anscheinende gibt es an der Banda-Schule so etwas wie einen Wettbewerb, der zeitgleich Schulausflug, Survial-Training und Umweltprojekt in einem ist. 3 Schüler der unteren Stufen werden mit vier Schülern der oberen in einem Team zusammengesetzt, diese Teams werden mit Kompas und Karten ausgestattet und anschließend geht es auf zu einer Schnitzeljagdt durch die Berge, wobei zeitgleich Müll eingesammelt wird. (Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das in dieser Form wirklich typisch Japanisch ist, aber es klingt zumindest wie eine seltsame Übung in Sachen Disziplin.) Das Problem bei dieser ganzen Sache ist nur, dass Satomi immer noch auf Rache aus ist und deswegen ihr Drachenkind dazu einsetzt, um Shiina anzugreifen, da diese Schutzlos und von Hoshi-Maru zumindest immer noch getrennt ist. (Der seine ursprüngliche „Herrin“ - in Ermangelung eines besseren Wortes – allerdings immer noch im Auge behält.)

Und bevor ich jetzt wieder das Wort „technisch“ in den Raum schmeiße, was mir gerade in den Fingern juckt: Zwar ist der große Handlungsbogen, bei dem es innerhalb dieses Bandes geht, Satomis Rache an Shiina, die in ihrer Wut nach der doppelten Ohrfeige hoffnunglos Überreagiert, jedoch wird dabei nochmal über eine gnaze Menge Details Reflektiert, was man innerhalb des Settings über die „Drachen“ und damit die Drachenkinder weiß. (Und zusätzlich dazu werden eine ganze Menge Graustufen mit eingeführt, was die jeweilige Position der einzelnen Figuren, die die Geschichte ausmachen, zueinander angeht.) Insofern ist gar nicht so sehr die Handlung an sich der interessante Punkt, sondern tatsächlich die sehr grafische Dimension das spannende an dem Band. Auch wenn die gesamte Gestaltung eben nicht großartig vom bisherigen „Standart“ abweicht, so sind hier dennoch einige grafische Elemente, die die Geschichte an sich weiterezählen und dabei das eine oder andere Moment mit sich bringen, dass auf lange Sicht noch ein paar Fragen aufwerfen dürfte. Einer dieser Punkte war ja bereits die ganze Zeit über klar: Dass die Verbindung zwischen Kindern und Drachenkindern ein ungewöhnliches, neues Element zwangsweise ins Spiel bringen muss, weil bis hierhin nicht klar war, was die Drachen eigentlich mit ihren Partnern anstellen. (Oder warum sie sich überhaupt an diese Binden.)

Der zweite Punkt bei der ganzen Sache ist aber auch, dass man hier ein wenig mehr über Satomi erfährt, die genauso wie die meisten anderen für diese Geschichte wichtigen Leute irgendwo in einer Opferrolle angefangen hatte. Nur das diese dann zwangsweise in die Täterrolle übergegangen ist und zu allem Überfluss auch noch einige sexploitationartigen Szenen die gesammte Geschichte abrunden. (Was insgesamt die Frage aufwirft, welche Rolle Sex innerhalb der japanischen Popkultur zum Zeitpunkt des Erscheinens von Naru Taru hatte. Für den Augenblick scheint es so, als wäre die Beschützerrolle direkt mit dem weiblichen Unterkörper verbunden.) Das alles macht diesen Band jetzt für sich allein betrachtet nicht wirklich „besser“, allerdings muss man wirklich sagen, dass hier sehr vielversprechend etwas aufgebaut wird, dass ausgebaut werden könnte. Von daher müssen wir für den Augenblick einfach abwarten, ob hier eventuell doch etwas spannendes noch passiert.

Fazit

Insgesamt ist diese Geschichte also wirklich nichts besonderes, wie ich bereits festegestellt habe. Was bleibt ist in diesem Zusammenhang die Projektion auf das zukünftige, dass sich in den verbleibenden Bänden noch ereignen wird. Es wird einiges an psychologischen Details angedeutet, die für zerrüttete Persönlichkeiten sprechen. Das aus diesen zerrütteten Momenten eben eine Antagonistin mit nur schwierig nachvollziehbaren Zielen entsteht ist ein eher bekanntes Klischee, das man fast schon erwartet, allerdings könnte aus dem gesammten Zusammenspiel noch etwas interessanteres Entstehen, weil hier noch so etwas wie eine Waffe ins Spiel kommt. (Der entscheidende Faktor bei der ganzen Sache ist nur, dass gegen Ende eben nicht ein haufen Wahrnsinniger herauskommen, die einfach nur einen gewalltigen Genozyd verzapfen, weil sie es können.)

Montag, 16. September 2019

Rezension: Mohiro Kitoh: Die hasserfüllte Rechte (Naru Taru Band 07)


Cover: Mohiro Kito
Naru Taru Band 07
Verlag: EMA:adult

Nach dem ganzen Drama des letzten Bandes kommt es in diesem siebten Band fast schon zu so etwas wie „entspannender Ruhe“. Wir erleben in der Erzählung, dass Shiina widererwarten eine besondere Aufnahmeprüfung für eine der typischen japanischen „Eliteschulen“ besteht und mit einem Stipendium die entsprechende Mitgliedschaft bestreiten kann. (Nur das sie Zeitgleich ihre typische Ungeschicklichkeit aufrecht erhält.) Der Punkt bei dieser ganzen Sache ist nur, dass die Banda-Gakuen Mittelschule auch noch eine Verbindung zu der Gruppe Rund um Sudo ist.
Diese „Despoten einer besseren Welt“ begehen in der Zwischenzeit auch weiterhin ihre entsprechenden Pläne. Sudo selbst unterstreicht seine äußerst menschenverachtenden Ansichten indem er ein paar Jugendliche vollkommen willkürlich umbringt, die eine Tüte Müll in den Fluß geworfen haben. Und während Shiina Schritt für Schritt die ihr noch fehlenden Informationen zusammenträgt, befeuert durch kleinere Hinweise aus einer anderen Richtung, erfahren wir außerdem, dass ihre Beziehung zu Hoshi-Maru derzeit endgültig den Bach runter gegangen ist. Das Drachenkind verfolgt zwar seine einstige Partnerin, ist dabei aber nie wirklich an ihrer Seite.
(Und das Ganze wird immer wieder von der Regierung beobachtet und kommentiert.)

Der letzte Band war unglaublich drastisch von seinen Themen und Erzählungen her. Dagegen wirkt diese unglaublich ruhige Art, die hier beinahe gefahren wird, fast schon grotesk. Der Punkt bei dieser ganzen Sache ist, dass bis jetzt niemand so wirklich das abstrakte Moment der Drachenkinder begreifen kann. Sicher: Sie stellen eine Gefahr da. Jedoch muss man sagen: Dadurch das diese Wesen immer auf eine eher ästhetische Weise sehr stark nach dem Kindchenschema gestaltet zu sein scheinen, stellt sich mir so langsam die Frage, ob hier nicht eine Projektionsfläche geschaffen wird, die so etwas wie das Unterbewusstsein der jeweiligen Figuren erfasst und auf geradezu autistische Weise in die Tat umsetzt. Einfach nur, weil hier der wirklich innere Wunsch weiter lebt. Unabhängig von der sonstigen Grenze, die Moral darstellt. In dieser Hinsicht scheint es so, als würde hier tatsächlich diese unreife, wütende Phase reinen Unverständnisses hier auf eine ungewöhnliche Weise karikiert. Und das dabei dann noch eine Gruppierung existiert, die vollen Zugang auf diese Möglichkeiten hat und dabei auch noch hochgradig soziopathisch mit einem scheinbaren Unverständnis auf die „normale Gesellschaft“ reagieren.

Da hier allerdings auch ein Moment der Erkenntnis geschaffen wird, bei dem die entsprechenden Gruppierungen sich selbst gegenseitig zugeordnet bekommen (und das auch noch durch eine List, die man Shiina in ihrer bisherigen Darstellung gar nicht zugetraut hätte) muss man wohl davon ausgehen, dass dieser Band wieder mal nur so eine Stufe von „Zwischenschritt“ ist, auf den dann etwas anderes noch folgen wird. Was dieses andere „Mehr“ jetzt noch ist, steht dabie natürlich erstmal offen im Raum. Ich würde allerdings zuerst einmal vermuten, dass die Vorlage jetzt eher dafür spricht, dass einiges dabei langfristig im besten Fall einen noch chaotischeren Bogen einschlägt. Wir hatten hier innerhalb von sechs Bänden totales, geradezu bösartiges Drama inzeniert bekommen. Sollte diese Tendenz mit dem zunehmendem Alter der jeweils einzelnen Figuren innerhalb der Story noch mehr in diese Richtung gehen (und die Ereignisspirale sich dabei noch mehr und vor allen Dingen schneller entfalten) dürfte das hier eine unglaublich spannende Serie noch werden. (Aber wie gesagt: Das sind jetzt gerade nur Versuche aus dem bis hierhin vorliegendem Material eine entsprechende Projektion für den weiteren Verlauf der Serie zu finden… und wie man auch weiß, bin ich bei solchen Sachen meistens sehr schlecht darin.)

Fazit

Betrachten wir den Band doch einfach mal für sich: Dann ist das hier eine durchaus „normale“ Geschichte vom Spannungsbogen her, was die doch sehr langsame Erzählweise bis auf Ausnahmen angeht, die diese Serie bis hierhin anbelangt. Von daher ist das ganze durchaus weiterhin diese leicht vor sich hindümpelnde Geschichte, die wir bis hierhin kannten. Das Ganze hatte darüber hinaus aber auch die entsprechenden Punkte vorgewiesen, die bis hierhin auch jenseits dieser „Slice of Life“ artigen Erzählweise in eine sehr kuriose Richtung ging. Das mus sman mögen, um es schätzen zu können. Aber trotz allem hat das ein spezielles Problem jenseits dieser Geschichte:

Montag, 19. August 2019

Niederrheincon 2019: Ein gähnender Sonntag





Okay, da im Moment gefühlt irgendwie ständig von „Con-Sommer“ die Rede dieses Jahr wahr, will ich für mich diesen dann auch mit einer letzten Con beschließen. Und zwar hatten wir ja alle im letzten Jahr diese omniösen Flyer irgendwie in die Hand bekommen die eine „Eulencon“ beworben hatten. Dieses Zusammenspiel aus den ursprünglich vereinten Kräften des Uhrwerk-Verlags und einer beinahe unbekannten Größe namens „Brettspielkiste“ wahr für den August 2019 angesetzt gewesen und erfuhr einen jähen Dämpfer, als der Uhrwerk-Verlag im Juni seine Insolvenz bekannt gab.
Aber anscheinend wahr das noch nicht das Ende der Con-Idee für Wesel an sich. Denn auch wenn der Major Player damit ausgeschaltet wahr, dachte sich wohl der Junior-Partner, Markus Pomorin, irgendwie „Jetzt erst recht!“. Und somit wurde anscheinend in einer gefühlten Nacht-und-Nebel-Aktion einmal das komplette Konzept einmal auf Links gedreht und mit einem hochengagierten Team alles auf NiederrheinCon getrimmt.
Weswegen ich mich auch dazu entschieden hatte zumindest einen Tag in Wesel zu bestreiten. Und wie es die Umstände so wollten, sah ich mich dazu gezwungen den Sonntag als Anfahrtag zu nehmen. Wesel ist jetzt nich unbedingt mein Pflaster und von daher verlief ich mich zu erst auch beinahe. Ich meine: Es wahr wirklich ein Glück, dass ich noch rechtzeitig festgestellt hatte, das die Straße mit einem Mal einen anderen Namen hatte. (Sonst hätte ich vermutlich einmal eine Stadtwanderung rund um Wesel hingelegt.) Wenigstens kann man Sagen: Ein paar entsprechend befragte Bewohner später irrte ich nur noch an der Niederrheinhalle selbst rum, weil deren Eingang eher versteckt wahr.

Die erste große Enttäuschung stellte sich dann aber auch gleich direkt an der Kasse ein: Die Kaffee-Flat-Tassen waren bereits vollständig verkauft worden. (Also keine neue Tasse, die irgendwie zu Bruch hätte gehen können.)

Und um einfach mal den Vergleich zu schalten, was meine bisheringen Eindrücke an neuen Veranstaltungen in den letzten zwei Jahren angeht: Die Halle wahr extrem leer. (Zugegeben: Dadurch das wir Sonntag hatten und das Ganze eine noch sehr junge Geschichte ist, wahr das auch nicht anders zu erwarten. Allerdings hätte ich doch irgendwie mit einer etwas anderen Verteilung gerechnet.) Insofern wahr allerdings auch der eigentliche erste Rundgang verhältnismäßig schnell durchgeführt worden, um sich überhaupt einen Überblick zu verschaffen. Und hier bemerkt man dann, das dann doch ein paar Dinge etwas verschoben aus meiner Warte mittlerweile ist: Obwohl ich halt eben sowohl zum ersten mal zwangsweise auf dieser Con wahr, war das Ganze dann doch schon beinahe so etwas wie ein Heimspiel, weil man irgendwie genügend gesichter dann doch kannte. Oder selbst die Nasen, die man eben nicht kannte, zumindest mittlerweile genügend vertraute Namen darstellen, das meine geradezu ins neurotische übergehende Informiertheit hier doch ständig verknüpfungen schließen konnte.
Aber das alles mal der Reihe nach: Von Marcel Hill von Prometheus Games (die gefühlt zum ersten mal seid Jahren wieder in der Öffentlichkeit aktiv aufgetreten sind) erfuhr ich, dass zumindest der Samstag um einiges Besser besucht wahr. Und danach rannte man dann schon beinahe in gewisse andere Stände rein, die einem zu bestimmten Gesprächen zwangen: Der größte Stand am Platz (der auch nur 4*4 Meter groß wahr, weil ihnen ein Verbindungsstück fehlte, um die ursprünglich angepeilten 5*5 Meter zu komplettieren) hatte natürlich die Brettspielkiste aus Dinslaken inne. Jetzt muss man hinzufügen: Ich komme aus Dinslaken und bin dadurch natürlich ein paar mal in dem Ladenlokal gewesen. Allerdings hat dieses Ladenlokal führ mich extrem ungünstige Öffnungszeiten, weswegen ich dann auch nur verhältnismäßig selten drin wahr. Trotzdem hatte ich damals ein paar nette Gespräche mit den Ladeninhabern geführt. Und der Kompanion von Markus Pomorin, dessen Namen ich natürlich nicht kenne, hat sich mein Gesicht anscheinend bei einem dieser Gespräche eingeprägt und wohl irgendwie unter „Stammkundschaft“ abgespeichert. Weswegen wir ein paar sehr nette Worte wechseln konnten und ich dabei die entsprechenden Geschichten über den Aufbau des Standes erfahren konnte und die Geschichte des Farbständers, der natürlich mitanreisen musste, erfahren habe. (Im übrigen fiel mir dabei schon auf, dass die Brettspielkiste am Stand ein paar Miniaturen von Freebooter Miniatures hatten, die mir zum einen in meiner Sammlung noch fehlten, im Shop von Freeboter Miniatures nicht mehr auftauchen und nichts mit Freebooters Fate zu tun haben. Doch das sollte später noch zu einem etwas seltsamen Moment führen.)
Ansonsten sollten aus der Rollenspielszene noch Aborea, System Matters und natürlich der Uhrwerk Verlag anwesend sein. (Wobei man sagen muss, dass gerade Aborea eine dermaßen kleine Standfläche hatte, dass sie mir erst sehr spät überhaupt aufgefallen sind.) Der Uhrwerk Verlag wahr mit einer Auswahl seiner Sachen da, die ich zumindest kurz überflog und das eigentlich spannende wahr dann doch eher für heute der System Matters Verlag. Zum einen hatte ich mir die beiden Workshops fest vorgenommen und zum anderen hatte ich noch mein Exemplar von Abenteuer-Gestallten im Gepäck (und da ich auf der Spiel letztes Jahr meinen Kontakt mit Andreas Melhorn bereits erneuert hatte, sollte das auch eigentlich nur ein geringes Problem sein.) Doch stattdessen kam erstmal ein etwas anderer Aspekt ins Spiel, was unsere Szene unter dem Aspekt des online Lebens betrifft: Man kennt sich unter Pseudonym. Gelegentlich weiß man auch in etwa, wie die jeweils andere Person theoretisch aussieht. Trotzdem begegnet man sich stellenweise erst nach Jahren zum ersten mal. In diesem Fall betraf das den guten Purple_Tntcl (von dem ich gerade merke, das er seinen Blog auf Privat gestellt hat), der ja damals das Vlogtaculum mitorganisiert hatte. (Und dem ich vor unserer gemeinsamen Nerdpolzeit schon häufiger als das Sprichwörtliche „Ding aus dem Kommentarfeld“ aufgefallen wahr.) In dem Fall wahr es ein „Stimme wiedererkannt, aber irgendwas stimmte mit dem Gesicht nicht“. Mir persönlich wahr zumindest nicht bewusst gewesen, dass er irgendwann angefangen hatte, sich einen Bart wachsen zu lassen. Aber auch Amel erwischte ich in dem Moment direkt am Stand und konnte ihn gerade so daran hindern, die Kappe wieder auf den Stift zu stecken, den er benutzt hatte, um ein anderes „Abenteuer gestallten“ zu signieren. (In diesem Falle wahr es dann ein „Mission acomplished“.)
Die beiden Workshops drehten sich dann um die Themen „Abenteuer aufschreiben“ (was im weitesten Sinne dann eigentlich ein „Wie komme ich als Schreiberling vielleicht in den Dunstkreis von Verlagen rein?“ wahr, wobei Amel auch ganz klar einige praktische Vorschläge gab, dass man sich zuerst an so etwas wie einem OnePage-Abenteuer versuchen sollte. Oder aber, weil das wohl der neue heiße Scheiß wäre, an einem „Adventure Pamphlete“.) Unabhängig davon gab es auch nochmal ein paar Hinweise zu kreativem Arbeiten und natürlich der übliche Hinweiß darauf, dass mit dem Schreiben im RPG-Segment kein Geld zu machen sei. (Und natürlich, dass das Ganze ebenfalls Arbeit währe.)
Der zweite Workshop drehte sich um den s.g. „Anhang N“, eine Liste von Autoren, die Gary Gigax bei der Entwicklung von D&D mit inspiriert hatte. Dieser Workshop sollte laut ursprünglicher Planung von Daniel Neugebauer geleitet werden, wobei Amel dann von der Seite gelegentlich dumme Kommentare einwarf. Nur: Wir alle wissen, wie Daniel Neugebauers Stimme nach einem Messetag auf Höchstleistung aussieht… also sie ist nicht mehr da. Dementsprechend musste Andreas Melhorn also sein Wissen aufgreifen, um die Stimmbänder seines Kollegen zu entlasten und gab einen groben Überblick über die fünf großen Namen dieser Liste, welche sich aus zwei Amerikanern, einem Amerikaner, der eigentlich ein Brite sein wollte und zwei Briten zusammensetzte. (Namentlich waren mit dieser Umschreibung Fritz Leiber, Robert E. Howard, H.P. Lovecraft, J.R.R. Tolkien und Michael Moorcock gemeint.) Soweit wie die beiden Leiter tatsächlich etwas zu den entsprechenden Autoren sagen konnten teilten sie dieses Wissen tatsächlich und erwähnten auch, warum es sich mittlerweile vermutlich wieder lohnen könnte, tatsächlich einen Blick in diese Originale zum jetzigen Zeitpunkt zu werfen. (Ganz davon ab: Sehr viele Autoren dieser Liste sollten mittlerweile zumindest nach amerikanischem Recht Gemeingut sein. Das heißt: Je nachdem wie man sich im Internet herumtreibt sollte man in der Lage sein auf legalem Wege zumindest an ebooks der entsprechenden Schriften in englischer Sprache zu kommen. Aufgrund des deutschen Rechts in diesem Bereich wird uns zwar der Zugriff auf die entsprechenden Schriften von Project Gutenberg verwehrt. Aber wo ein VPN ist, sollte auch ein Weg sein.) Und ich muss hierbei hinzufügen: Da ich ja nicht völlig unbeleckt bin habe ich einfach mal die Rolle der dummen Kommentare aus dem Publikum übernommen. ;) )

Den Rest meines Messeaufenthaltes habe ich dann im Grunde mit Besorgungen und dem zuschauen von ein paar Freebooters-Spielen verbracht. Und damit kommen wir dann zu der Geschichte mit den Freebooter-Miniaturen. Als ich nämlich tatsächlich dann am Stand von der Brettspielkiste mir das vorhanden Angebot ansah (und dabei natürlich sehr direkt meine Aufmerksamkeit den ausgestellten Waren von Freebooter Miniatures wittmete überhörte ich eher zufällig nur gerade, wie sich der Co-Inhaber des Ladens mit einer anderen Person darüber unterhielt, ob er nicht ein paar Waren mitnehmen wollte. Und wie aus heiterem Himmel wurde ich dann plötzlich angesprochen, ob ich das Spiel spielen würde. Etwas überrumpelt gestand ich ganz ehrlich, dass ich zumindest mit dem Gedanken spiele das Ganze anzufangen und bereits die Startbox der Amazonen hier auf meinem Pile of zusammengeklebte, aber unbemalte Miniaturen sich befände.
Kurz gesagt: Wenn ich jetzt alle weiteren Kommentare im Nachhinein mir durch den Kopf gehen lasse befürchte ich, dass ich da unerkannt ein paar Worte mit Werner Klocke gewechselt habe. Das ist in gewisser Weise ein Urgestein in der Miniaturenszene als Figurenkneter, dessen Arbeit ich eher zufällig über Reaper Miniatures zu schätzen gelernt hatte. (Um das zu erklären: Reaper Miniatures haben zumindest auf ihren Blistern mit Metall-Miniaturen immer die Namen der entsprechenden Personen drauf gedruckt, die die entsprechende Miniatur entworfen hat. Und ich habe irgendwann festgestellt, dass sich bei sehr fielen meiner Lieblingsminiaturen aus diesem Bereich sich ein bestimmter Name ständig wiederholte: Werner Klocke. In gewisser Weise Fanboye ich also dessen Werk schon eine Weile.)

Und man bermerkte halt sehr gut, dass die Con auf verschiedene Schnittstellen setzen will: Ich glaube bis Heute hatte ich keine Gelegenheit gehabt das Angebot von Gerard Boom oder Tomarillion in Natura zu betrachten.

Der Rest wahr dann eher ereignislos. Nur am Ausgang kam mir nochmal Daniel Neugebauer entgegen, als ich mich auf den Heimweg machte. So wie es aussah bereitete sich also auch System Matters gerade vor, ihren Stand so langsam aber sicher abzuräumen.

Was lässt sich also jetzt insgesamt zu der ganzen Con sagen? Wir haben es hier mal wieder mit einer dieser kleinen Cons zu tun, die eher über den Verkaufsaspekt sich definieren. Also eher ein noch sehr kleiner Publikums-Messer-Charakter + zusätzlichem Programm. Allerdings macht die Niederrhein-Halle als Veranstaltungsort einen sehr positivem Eindruck, so das hier noch Luft nach oben durchaus ist. Man muss halt nur abwarten, wie sich die ganze Angelegenheit entwickelt und welche Leute die Con noch anziehen kann. Für den Anfang wahr es zwar sehr schade, dass der Sonntag so relativ wenig zusätzliches Programm aufwarten konnte, was Workshop-Panels betrifft, aber auch das ist halt eben dem ersten Moment geschuldet. (Und ich hätte auch einfach irgendwie versuchen könne, ob zumindest eine Proberunde Freebooters Fate noch mit drin gewesen währe.)
Insofern bin ich zumindest positiv gestimmt, was die Folgeveranstaltung im nächsten Jahr angeht.
Wer grob einen Vergleich braucht: Größentechnisch könnte man das Ganze hier eventuell mit der alten Ratcon in Dortmund vergleichen. Nur das die Toiletten noch benutzbar waren.