Montag, 30. Dezember 2019

2019: Kein all zu schönes Jahr.


Tja. Und damit sitze ich jetzt mal wieder mitten in der Nacht an meiner Tastatur und starre das mit Klischees überlastete Weiß eines lehren Textdokumentes an, während ich mir Gedanken über das im Sterben liegende Jahr 2019 nochmal durch den Kopf gehen lasse. Und was soll ich sagen: Irgendwie hinterlässt dieses Jahr einen sehr bitteren Beigeschmack.

Der Blog ist untot, Jim.

Fangen wir also einfach mal mit dem offensichtlichen an: Der Blog hier hat in diesem Jahr ziemlich gestottert, was die reguläre Motoraktivität angeht. Das liegt daran, dass ich ziemlich eingebunden wurde, was meine derzeitige Arbeits-Situation angeht und dabei dann immer sehr genau darüber nachdenken musste, was ich jetzt eigentlich machen möchte, wenn dann doch einmal Zeit für irgendwelche Hobby-Aspekte vorhanden war. (Um genau zu sein kam es dabei dann sehr oft auch einfach zu Momenten reiner Prokrastination. Sei es jetzt einfach willkürliches Youtube-Versumpfen oder eben Wikipedia-Hyperlinkgeklicke: Irgendwie entdeckte ich mich am Ende sehr oft dabei, dass ich eben nichts „sinnvolles“ mehr zustande bekam.) Das Ganze ist in gewisser Weise beschämend, aber leider der Fall, der sich nicht mehr ändern lässt. Ich muss jetzt für mich herausfinden, wie ich das Ganze anderweitig gelöst bekomme, um wieder auf den Sinnvollsten „Modus Operandi“ zurückzukommen. Aber: Was habe ich denn überhaupt hinbekommen?

Das Hobby und drumrum.

Fangen wir also erstmal mit dem offensichtlichen an: Vor einem Jahr hat mich der gute Infernal_Teddy ja dabei erwischt, wie ich schwach genug wahr, um mich wieder auf die Idee des Tabletop-Spielens einzulassen. Jetzt kam es dabei dazu, dass ich mir als erstes das soziale Netzwerk Instagram dadurch erschlossen habe. Und daran kann man dann im Grunde auch festmachen, wie wenig ich tatsächlich im Grunde geschafft habe. Wobei das eigentlich auch nur bedingt stimmt.
Hierbei muss ich ein wenig ausholen: Im Grunde wahr meine Faszination an 40K primär an die Fraktion der Sisters of Battle gekoppelt. (Und fragt mich nicht wieso: Die Töchter des Imperators vom Adeptus Sororitas haben in den 90ern irgendwie einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Daher habe ich jetzt eine Übergangsfraktion in Form der Chaos Space Marines, bestehend aus den Death Guard Miniaturen aus der Dark Imperium Grundbox und den „normaleren“ Chaos Space Marines der Schattenspeer-Box. Allerdings: Ich bin schon deutlich eher über die Miniaturen von Raging Heroes gestolpert. Und bin da irgendwo auf die Dunkel Elfen geklickt. Und dann noch Harpyen und diverse Lustelfen, die sich erstaunlich gut mit D&D irgendwie kombinieren ließen. Und somit stellt die fünfte Edition von D&D jetzt eine Form von Ausrede dar, warum ich diverse Miniaturen eher nach dem Aspekt des Gefallens einkaufe, als nach dem konkreten Nutzen in irgendeinem Spiel. Und in diesem Zusammenhang habe ich auch im Rahmen von verschiedenen Miniaturen Prokrastiniert: Ihr wisst noch gar nicht, wie viele Miniaturen im Zustand zusammengebaut und weiß Grundiert hier mittlerweile rumstehen. (Allerdings jetzt auch schon wieder grau und ungrundiert, da ich die Chaos Space Marines aus der Schattenspeerbox jetzt erst zusammengebaut habe. Ach ja: Und natürlich die Sisters of Battle Box. Ich habe von der allerdings eher zufällig noch ein Exemplar in der englischen Variante erbeuten können.) Jetzt muss ich natürlich zusehen, dass ich den ganzen Kram noch irgendwie bemalt bekomme. Aber das kann man dann auf Instagram verfolgen.

Aber wenigstens bin ich nicht gänzlich untätig geblieben was das spielen des Hobbys anbelangt: Hier auf dem Blog habe ich ja bereits die D&D-Runde bei Infernal_Teddy schon weitestegehnd verfolgt. Was fehlt sind jetzt allerdings noch drei Sitzungen mit den Ereignissen, die noch rund um das Schloss Ravenloft geschehen sind. (Ja: Wir haben diese Kampagne mittlerweile beendet.) Dazu laufen noch zwei weitere Runden, die allerdings nicht am Tisch, sondern ausschließlich online über entsprechende Programme laufen: Regelmäßig haben wir es bis hierhin geschafft die Halequin-Kampagne mit Shadowrun 5 Regeln fortzuführen. Und das auch noch mit erstaunlich wenig Feuergefechten, weil wir bis hierhin weitestgehend klug bestimmte Hürden genommen haben. Wir haben da zwar eine kleinere Unterbrechung, in der wir jetzt mit dem System „Beyond the Wall“ einen kurzen, studentischen Aufenthalt eines einer unserer Mitstreiterinnen in Japan überbrücken. Die andere Runde, eine oWoD-Runde, die Schwerpunktmäßig die Transylvanienchroniken verfolgt, kämpft im Moment mit den Tücken der bescheidenen Internet-Leitungen in Deutschland.

Jedenfalls freue ich mich im Moment darauf, eine gewisse Zeit Numenera ausprobieren zu können, was jetzt als Nachfolge für Strahd in den Startlöchern steht.

Die Consaison

Was ihr euch denken könnt ist ja der Umstand, das ich mich hier in NRW soweit es geht die meiste Zeit darum bemühe die Messen und Cons zu besuchen, die sich so ergeben. (Schon allein um manche Leute zu treffen, die man halt nur so etwa einmal im Jahr sehen kann.) Dummerweise hatten wir ja letztes Jahr das „Problem“ mit einem Mal an der Backe, dass die RPC nicht länger in der Form existiert. Und dementsprechend musste ich mir jetzt erstmal dieses Jahr ein paar neue Orte ansehen. Sei es jetzt die CCXP, die sich als ziemlich überteuert darstellt. (Und leider auch nur bedingt einen entsprechend interessanten Schwerpunkt setzt. Zumindest nicht so sehr, dass jemand wie ich mich jetzt unbedingt dazu gemüßigt fühle, um nochmal dahin zu gehen. Und das obwohl die Orkenspalter da eine ganz interessante Show geliefert haben.) Die Feencon hingegen war dann schon extrem überwältigend. Hierbei muss ich dann aber auch hinzufügen: Das lag vor allen Dingen daran, dass ich hier mit einer Erwartungshaltung heranging, die eher aus der Erfahrung mit der „Mitspielen“ entsprungen ist, welche das Blutschwerterforum einige Jahr lang veranstaltet hatte. (Und ich habe zumindest den Plan für mich gesetzt, dass ich im nächsten mal nochmal Feencon-Luft schnuppern will.) Und dann wahr da noch dieser kleine Umstand, dass Wesel das neue Nerdmekka in NRW werden will. Die Brettspielkiste, ein Laden der hier in Dinslaken beheimatet ist, hatte ja ursprünglich mit dem Uhrwerkverlag letztes Jahr ein neues Ereignis Namens „Eulencon“ angedacht. Nur das der Uhrwerkverlang dann Anfang des Jahres Insolvenz beantragen musste und sich somit die Idee der Eulencon noch einmal auf neue Beine stellen musste. Heraus kam die Niederrheincon. Und auch wenn hier natürlich noch einige Dinge fehlen (und ich keine Kaffee-Tasse mehr bekommen habe) wahr das trotzdem ein vielversprechende Ereignis. Wir müssen also nachsehen, was sich dabei noch so alles ergeben wird.

Videobombing, Baby.

Dieser Punkt ist jetzt ein wenig Lustig gemein. Allerdings hat er damit zu tun, dass ich mich eher zufällig in dem einen oder anderen Video online wiedergfunden habe. Insofern verlinke ich jetzt hier einfach mal den Kram, in dem ich mich wiedergefunden habe.

Den Anfang macht das OrkenspalterTV-Interview mit Ulisses Spiele, die so unglaublich viel Platz in Köln für sich ergattern konnten, das tatsächlich noch Platz für einen Eskape-Room und ein eigenes Streaming-Studio da war. Ich hatte das fragwürdige Vergnügen zu dem Zeitpunkt gerade an dem Stand-Teil von Yvis Nerd&Geek-Wolrd zu stehen und dort die entsprechenden Wahren zu bestaunen.



Dann hatte Thomas Michalski im Vorfeld der Feencon dazu aufgerufen (wenn man Lust auf „Unfug“ habe) im Dorp-Shirt zu erscheinen, um sich in einem entsprechend ablichten zu lassen. Heraus kam eine omage an Apples „Think Different“ Werbekampagne aus den 90ern, von der ich selbst noch nichts in der Form vorher gehört hatte. (Zugegeben: Meine aktive Apple Werbeclipphase lässt sich sehr stark auf die „Knutschkugel“-Werbespots rund um den iMac G3 herunterbrechen.) Jedenfalls habe ich mir es nicht nehmen lassen in diesem Clip, der den Grundgedanken von „Here‘s to the crazy ones“ aufgreift, ebenfalls in einem Bild auf einem Pfal zu hocken.



Und dann wahr da noch diese ein Zufallsentdeckung, mit der ich in dieser Form nicht gerechnet hatte. (Und die mich immer noch darüber nachdenken lässt, ob das Bild jetzt wirklich nur zufällig entstanden ist und reinsortiert wurde, oder ob da der mir selbstverständlich unbekannte Michael Jägers mehr wusste, was er da vor der Linse hatte. (Okay: Unbekannt meint in diesem Fall jetzt auch nur, dass ich nicht weiß, was für ein Gesicht sich hinter dem Namen versteckt. Die Stimme von Michael Jägers kenne ich mittlerweile aus dessem Podcast zur genüge.)) Jedenfalls wahr das schon eine ziemlich Überraschung, als ich meinen Hinterkopf in dem Trailer für die Niederrheincon 2020 entdeckte, wie ich da am Thomarillion-Stand mir Sachen ansehe. (Und vermutlich schon über den Erwerb der hellenistisch inspirierten Statuen nachdenke.)


The Ugly

Die unschöne Komponente dieses Jahr wahr eine Situation des Verlustes: Bei meinem Vater wurde im August ein bösartiger Tumor festgestellt, dem er Ende November erlag. Aktuell hängt dementsprechend meine gesammte Familie etwas neben der Spur und wir versuchen so nach und nach herauszufinden, wie es jetzt weiter gehen soll.
Nur der schmerzhafte Teil dieser Komponente ist für mich deswegen so bitter, weil ich meinen Eltern eine ganze Menge zu verdanken habe, was mein hier und jetzt angeht. Ich bin sicherlich nicht immer einfach gewesen, aber die Beiden haben immer Versucht mich nach Möglichkeiten zu unterstützen. Darum ärgere ich mich im Moment auch am meisten über mich selbst, weil ich hier nicht so ganz die treffenden Worte Finde, um zu beschreiben, wie es mir damit geht. Nur: Dieses Ereignis hat mich zu einem gewissen Grad ganz schön aus der Spur gerissen, auch wenn ich irgendwie versuche Ablenkung zu suchen. Sollte ich also in nächster Zeit einfahc nur sporadisch weiterhin hier nur bei Gelegenheit Dinge Posten, könnte es auch damit zu tun haben. Und sollten hier ein paar absurdere Themen eventuell folgen, könnte es auch damit zu tun haben, dass ich irgendwo noch etwas verarbeiten muss. Ich weiß, dass viele einen gewissen Heilungsprozess irgendwo sehen. Nur im Moment fühle ich mich innerlich einfach immer noch sehr leer.

Sonntag, 15. Dezember 2019

RPG-Blog-Q-Quest #51: Vorschau


Okay. Dieses Jahr bin ich ziemlich ins schleudern geraten, was das hier auf dem Blog veröffentlichen angeht. Das hat mehrere Gründe. Und ich kann aktuell noch nicht genau sagen, ob ich wirklich alle davon öffentlich machen will. Naja, aktuell besteht noch mindestens ein Tag, den man für einen Jahresrückblick verwenden kann. Dementsprechend heir jetzt „nur“ der Fragenkatalog zur Blog-O-Quest, den sich Würfelheld hat einfallen lassen.

1.) In knapp einen Monat beginnt das Cyberpunk -Jahr schlechthin. Wirst Du in 2020 eine Cyberpunk-Rollenspiel-Runde leiten oder in einer mitspielen?
Huh? Aktiv planen kann und will ich im Moment eigentlich nichts. Ich habe hier zwar durchaus mittlerweile ein paar Titel rumliegen, die sich genau mit diesem Genre auseinandersetzen (Cyberpunk war ja immerhin in Form der Neuromancer-Trilogie einer von zwei Titeln, die mich wieder dazu gebracht haben, Science Fiction zu lesen.) Allerdings: Meine aktuelle Tisch-Runde (in der ich nur als Spieler dabei bin) wird jetzt im neuen Jahr Numenera ausprobieren (schwerpunktmäßig, weil ich in einem Gespräch habe durchscheinen lassen, dass ich gerade Numenera habe ausprobieren wollte, aber auch, weil immerhin noch die beiden anderen Mitspieler sich soweit dafür ausgesprochen zu haben scheinen, dass eine Mehrheit für Numenera zustande kam) jetzt ist Numenera ja eigentlich Science Fantasy im Stile der Hyperion-Gesänge von Dan Simmons, allerdings könnte es dabei durchaus ein wenig in eine Richtugn gehen, die eventuell Cyberpunk streift. Das hängt halt eben alles von InfernalTeddy ab, der sich ja immerhin freundlicherweise dazu durchgerungen hat ein paar Abenteuer in dieser Welt zu leiten, welchen Tonfall er eventuell bedienen möchte.
2.) Auf welche Rollenspiel-Neuheiten freust Du Dich 2020 am meisten und warum?
Hier muss ich ehrlich gesagt eine Antwort schuldig bleiben: Ich habe gerade keinen so genauen Überblick, was eventuell 2020 auf den Markt kommt. (Zumindest solange es die analogen Spiele betrifft.) Allerdings muss man dabei auch noch hinzufügen: 2019 war bei mir sehr Kickstarter-Lastig. Dementsprechend warte ich auch noch auf sehr viele „Erfüllungen“ der meiner Pledge-Level. (Eines dieser Überfälligen Projekte, die ich selbst auch nur über einen Late-Pledge geordert hatte war das „Shinobigami“-Rollenspiel von Kotodama Heavy Industries. Einfach weil ich im Kern wissen möchte, was Japan – abgesehen von Cthulhu – sonst noch so hervorgebracht hat.)
Im Konsolen-Umfeld hingegen bin ich Aktuell vermutlich auf die gleichen beiden Titel gespannt, die jeder andere auch Erwartet: Cyberpunk 2077 von CD Projekt Red und Bloodlines 2. (Einfach weil Pokemon Sword/Shield schon dieses Jahr rausgekommen ist und ich im Moment noch im Gegrinde für den Endkampf festhänge.)
3.) Welche guten Rollenspielvorsätze hast Du für 2020?
Mehr spielen? Also im Grunde das, was ich jedes Jahr vorhabe und dann nur bedingt gewuppt bekomme.
4.) Planst Du 2020 ein eigenes Rollenspielprojekt? Welches?
Ja. Nein. Vielleicht: Ich habe ja hier auf dem Blog vor ein paar Wochen schon den ersten Artikel zu der Idee „Soma“ gepostet. Dieses Setting möchte ich eigentlich weiter auf und ausbauen. Ob und wie weit das Ganze dann in 2020 über die Bühne geht müssen wir mal schauen. Außerdem ist da immer noch die Idee mit „Your ol‘german Basterd in Space!“, die ich eigentlich immer noch angehen möchte. (Und die sehr viel mit einem Re-Read der alten Groschen-Heft-Romanreihe „Re Dhark“ zu tun hat, die ich von meinem Großvater irgendwann mal überlassen bekommen habe. Immerhin habe ich die Sammlung mittlerweile verfollständigt bekommen.)
Ach ja: Und durch den Wiedereinstieg ins Tabletop-Hobby letztes Jahr türmen sich hier mittlerweile auch die Miniaturen verschiedener Hersteller. Schwerpunktmäßig zwar GW, da 40K das Ziel ist. Aber darüber hinaus auch verschiedene Fantasy-Thematische Miniaturen von anderen Produzenten. Die wollen bepinselt werden. Und deswegen spiele ich auch mit dem Gedanken eventuell eine Artikel-Reihe über Miniaturen-Reviews zu machen. Aber das wird dann irgendwann kommen.
5.) Was willst Du im nächsten Jahr tun um neue Rollenspieler fürs Hobby zu gewinnen?
Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich dafür der kompetenteste Ansprechpartner bin. Klar: Man könnte jetzt den alten Witz vom „selber Zeugen“ bringen. Aber da ich auf dem Beziehungsmarkt der Ladenhüter bin, fällt diese Pointe natürlich flach. Falls sich eine Gelegenheit ergibt, etwas in dieser Richtung zu unternehmen werde ich sie eventuell nutzen. Aber manchmal denke ich das es besser ist, niemanden durch meine Präsenz zu verschrecken hilft auch schon weiter.
Bonus: Keine Frage, sondern die Aufforderung beim  8.Winter One Page Contest reinzuschauen und mitzumachen!
Schaun mer mal.
NOCH EIN PAAR WORTE ZUR QUESTE
Was ist die RPG-Blog-O-Quest?

Hier stellen sich (Rollenspiel-)blogger gegenseitig im Monatswechsel jeweils fünf Fragen zu ihrem Lieblingshobby. Ursprünglich organisiert von Greifenklaue und Würfelheld, sind inzwischen auch andere Blogger zu Fragenstellern geworden und geben entweder im Lückentext die Möglichkeit, eigenes zu ergänzen, oder konkrete Fragen zu beantworten
Wer kann teilnehmen?
Jeder, der Lust hat, die gestellten Fragen zu beantworten und in seinem Blog, Podcasts, Vlog oder ähnlichem mit einem Verweis auf den Ursprungstext zu beantworten, damit die Leser auch bei anderen Teilnehmern stöbern können.
Was sollten Teilnehmer nicht vergessen?
Dem jeweiligen Blog-O-Quest-Veranstalter einen Link zum eigenen Werk zukommen zu lassen, damit man diesen weiter verbreiten kann!
Was bringt das Ganze?
Hoffentlich den Bloggern Spaß beim schreiben, den Lesern ebenso Spaß beim Lesen und natürlich Einblicke in die Gewohnheiten und Ansichten anderer zum Hobby Rollenspiel. Idealerweise natürlich auch Inspiration für eigene Ideen.


Montag, 11. November 2019

Soma: Orakel bastelt sich ein D&D-Setting


"You see from lunar, we have lunacy and lunatic, and loony“ [Emilie Autumn: Girls! Girls! Girls!]

Okay… wo soll ich jetzt anfangen? Im Kern haben diese Zeichen, die jetzt gerade in die Tasten haue damit zu tun, dass ich irgendwann vor einer ganzen Weile angefangen habe die ganzen Miniaturen-Bemal-Streams bei OrkenspalterTV mir anzusehen. (Und dummerweise gehörte ich zu den Leuten, die früher in den 90ern schonmal ihre GW-Phase in Form von Space Marines und Waldelfen gehabt haben. Ergo ist es gar nicht mal so verwunderlich, dass ich irgendwann Rückfällig geworden bin im letzten Jahr.) Dummerweise muss man jetzt allerdings dabei noch etwas hinzufügen: Zentral gehöre ich zu denjenigen, die aktuell zwar Chaos bepinseln, aber eigentlich auf die Rückkehr der Sisters of Battle der Adeptus Sorroritas warten. Und damit verknüpft ist Mhaire Stritter noch für etwas anderes im Zusammenhang mit diesem Artikel schuld: Sie machte mich in einem ihrer Streams rund um „Mhaires Meditatives Malen“ in einem Nebensatz auf den französischen Miniaturenhersteller Raging Heroes aufmerksam. (Dieser hat nämlich eine ganze Reihe alternativer Miniaturen für die Sororitas.) Dummerweise klickte ich dabei aber auch durch das restliche Programm an Miniaturen und blieb irgendwo bei den Dunkelelfen hängen. (Und hatte sowas von keinen Bock in Age of Sigma einzusteigen.) Dummerweise spielte ich zu dem Zeitpunkt aber auch bereits D&D in der 5ten Edition. (Wo ich den erfolgreichen Abschluss hier auch endlich mal zusammenfassen muss.) Und auch wenn in der Tabletop-Szene aktuell das Spiel Frostgrave die Entschuldigung ist sich egal welche Miniatur auch immer zuzulegen bin ich dann wohl jetzt in der Rollenspielszene mit einem System hängen geblieben, dass meine Ausrede ist, um Miniaturen aller Art mir nach und nach einzukaufen. (Und dabei hatte ich D&D doch eigentlich schon nach Jahrelangem 3.5 abgeschworen gehabt.)
Wie auch immer: Den Vorstoß machte ein fünferpack Harpien und jetzt ein Jahr und diverse Kickstarter später habe ich immer noch keine Dunkelelfen, warte aber auch eine Unmenge Untote.

Und das wollen wir dann mal als Versuch eines Inspirationsanstoßes sehen: Ich bin zwar der Klischeehafte Elfenspieler hoch zehn, aber irgendwie war ich dabei noch nie ein Fan der klassischen „Hochelfen“. Insofern stellt sich für mich gerade die Frage, ob man nicht von den Drow als zentraler Dreh- und Angelpunkt einer Settinghistorie ausgehend eine etwas andere Gesellschaft hinbekommt. (Hochelfen dürfen ja meinetwegen gerne weiter existieren, nur das sie dann den gleichen Ansatz wie die Waldelfen darstellen: Sie sind eine spezielle Gruppe Abtrünniger, die sich von der Heimat losgesagt haben. Insofern habe ich mir auch den Arbeitstitel für dieses Setting, „Soma“, aus der Wikipedialiste von Mondgottheiten herausgesucht. Das alles sowohl unter dem Aspekt, dass ich verrückt genug bin ausgerechnet auf diesen Zug aufzuspringen. („Loony“), aber auch, weil die beiden im Kern stehenden Figurentruppen zwangsweise auf eine bestimmte Richtung hindeuten: Im Kern möchte ich mein Setting auf die Bedürfnisse der Dark Fantasy, also den Einflüssen des Horror-Genres auf die Fantasy, ausrichten. (Auch wenn ich befürchte, dass ich damit dann bestimmte Aspekte von „Ravenloft“ aus AD&D-Zeiten in Ermangelung sämmtlicher Kenntnisse über die Quelle „neu“ erfinde. Im übrigen gillt dabei auch die Tatsache nicht, dass ich „Curse of Stradh“ durchgespielt habe. Soweit wie ich das Abentuer verstehe handelt es sich hierbei weniger um eine eigene Settingswelt, sondern „nur“ um einen modernen Blick auf das ursprüngliche Abenteuer-Modul aus D&D-Zeiten.)

Also: Was schwebt mir vor? Ich möchte eine Welt/Umgebung schaffen, in der die Stimmung ganz stark in Richtung Horror geht. Mir ist bewusst, das D&D eigentlich den Status der High-Fantasy vertritt und damit eher dem Versuch entgegenkommt, Heldenhafter als jeder Held zu sein. (Und ich kann mich dabei nur immer wiederholen: Horror am Spieltisch ist eh unmöglich.) Aber selbst wenn man heldenhafte Fantasy-Figuren spielt bleibt immer noch die Möglichkeit einen bestimmten Ton zu treffen, indem ein Geist nicht nur einfach XP darstellt, sondern tatsächlich so etwas wie eine dunkle Bedrohung zumindest angedeutet bekommt. (Das wird für einige eventuell schwierig nachzuvollziehen sein, darum möchte ich hier ein Beispiel aus dem bislang immer noch besten Teil der Dragon Age-Reihe bemühen. Nämlich Dragon Age: Origins. Bis Heute hat Bioware in dem Bereich leider bei den anderen beiden Teilen hoffnungslos versagt.) Während die zukünftige Heldin von Ferelden in die tiefen Wege herabsteigt, um das Schicksal der Paragon Branka herauszufinden, kommen Sie und ihre Gefährten dem zentralen Geheimnis der dunklen Brut auf die Spur: Wie vermehrt sich die dunkle Brut? Begleitet von einer Zusammenfassung der entsprechenden Ereignisse durch die offentsichtlich Wahnsinnig gewordene Hespit erfährt man, dass die dunkle Brut weibliche Mitglieder der jeweiligen Spezies verschleppt und in einem Teilweise kanibalistischem Ritual eine Mutation herbeiführt, die aus Frauen sogenannte Brutmütter werden lässt. Ausgedunsene, riesige Gebährmaschienen mit Tentakeln, die sich nicht mehr vom Fleck bewegen können, aber unzählige Individuen der vermeidlichen untoten Monster gebähren. (Denn seien wir ehrlich: Die dunkle Brut ist eine Neuinterpretation des Fast-Zombie-Tropes.)

Die Frage lautet also: Wenn ich mir ein eigenes Setting zusammenschrauben will, was währe der zentrale Hebelpunkt, auf dem ich aufbauen würde. Und ich persönlich würde hier am ehesten um eine Mythologie herum alles aufbauen, die einige Zusammenhänge erklären würde. (Vergleichbar mit den ersten Magieren von Tevinter in Dragon Age, welche die goldene Stadt des Erbauers betreten hatten und diese dadurch korrumpierten.) Insofern haben wir hier gerade ein etwas verschwurbeltes Grundgerüst zu beachten: Meine Ausgangssituation sind vor allem Drow/Dunkelelfen und Untote im Sinne von animierten Skeletten, die sich eine Welt zusammen teilen sollen. Und die Frage steht natürlich im Raum, wie man den ganzen „Lolth“-Mythos, der irgendwie automatisch bei D&D teil der Drow ist, noch unter einen Hut bringen soll. Gelegentlich lohnt es sich hierbei dann tatsächlich auch mal einen Blick auf andere Settings zu werfen, welche ebenfalls über Drow verfügen, aber halt eben nicht die Forgotten Realms sind. In diesem Fall schwebt mir das einzige offiziell lizensierte Setting aus D&D 3.5-Zeiten vor, die „Kingdoms of Kalamar“. Im Kern muss man dabei sagen, stammen zwar alle Dunkelelfen in Kalamar irgendwie voneinander ab, gehören aber nicht unbedingt zueinander: Man kann sie dadurch unterscheiden, dass sie unterschiedlich tief unter der Erde leben. Und diesen Trick der unterschiedlichen Sub-Elfenvölker werde ich für meine eigene Stammmythologie selbstverständlich adaptieren.

Im Kern sehe ich aber ein sehr klares Problem: Lolth vs. Der Tod (TM) ist noch kein so starkes Thema für sich. Hierbei muss ich wohl ein wenig weiter ausholen: Im Kern ist der Tod einfach nur das Ende von allem. Stasis und Stillstand in einem bestimmten Zustand. (Es gibt einen guten Grund, warum Vampire als Analogie auf das Motiv ewiger Liebe verstanden werden.) Das Problem mit Lolth als Göttin ist da hingegen aber folgendes: Sie lässt ihr Volk der Drow nicht einfach „nur“ Leben. Sie testet Individuen aus. Probiert neue Verknüpfungen von verschiedenen Blutlinien und erschafft in ihren Augen „gefallene“ Individuen neu als ihre eigenen Diener, dämonische Mischungen aus Frau und Spinne und ewige Mahnmale der Schande, dass man die Tests der Spinnengöttin nicht bestanden hat. (Im übertragenenen Sinne kann man Sagen, dass Lolth das Konzept des von der Website „Suicide Girls“ proklamierten Schönheitsideals der „Bodymodification“ an sich darstellt. Leben, und damit verbunden auch Schönheit, als eine Kunstform, ein totalästhetisches Konstrukt, das erst in eine Form gebracht werden muss. Aber halt eben eine Verpflichtung der Unterwerfung unter dieses Ideal, das überhaupt erreicht werden muss.) Wenn wir den Tod als neutrale Kraft in diesem Gedankenkonstrukt jetzt begreifen wollen und Lolth von den Vorgaben her automatisch immer Böse ist, müsste man also eine dritte, und vor allen Dingen gute Kraft in das Gefüge einführen, auf dem wir dieses Setting jetzt gerade konstruieren wollen. (Und da der Tod als neutrale gesetzter Zustand der Stasis steht und Lolth als böser Zustand der Konstruktion, böte es sich also an das Leben selbst als einer Kraft des Gute anzusehen. Ich denke, dass sich hier am ehesten das Konzept einer Fruchtbarkeits-Gottheit anbietet. Und Unterhaltsamerweise bietet der Hersteller Tomarillion ein paar hellenistisch inspirierte Statuen-Miniaturen an, die auf antiken Göttheiten aufbauen. Ich denke also, dass ich aus der Statue von Aphrodite aus diesem Set etwas anbetungswürdiges für meine Ur-Drow machen werde.)
Auf diesem Weg hätten wir dann Leben, Tod und künstlich herbeigeführten Wandel als drei verbindende Elemente, welche zumindest die bestimmende Spezies der Drow verbinden.
Darüber hinaus muss ich allerdings auch noch erwähnen: Ich habe eine Schwäche für die in den 90ern aufgetretene Welle der „Bad Girl Art“. (Um ganz ehrlich zu sein: Ich versuche aktuell einige Serien aus der Zeit vervollständigt zusammenzutragen.) Der Punkt bei der ganzen Sache ist: Ich habe mit der Statue einer Fruchtbarkeitsgöttin und mindestens einer möglichen „Lolth“-Miniatur wenigstens zwei feste Bestandteile, die irgendwie das Szenario bestimmen werden, insofern überlege ich gerade ernsthaft etwas in Richtung „Lady Death“ mit ins Spiel zu bringen, um wenigstens dem Tod ein Gesicht zu geben. Und diese ganze Chaos an ersten Überlegungen riecht nach einem Krieg, der die Welt verändern wird.

Wie gesagt: Grundsätzlich will ich diese Welt erstmal in Prosa-Texten nach und nach zusammenschreiben, die so etwas wie einen Erschaffungsmythos meines Settings langfristig darstellen sollen. (Schlicht und ergreifend, weil ich eine Erklärung bereits halten möchte, warum diese Gesellschaften am Ende so funktionieren, wie sie funktionieren werden.) Aber zeitgleich werden dann auch immer wieder derartige Meta-Artikel wie dieser hier entstehen, die sich jeweils über erste Grundüberlegungen beschäftigen. Einfach weil ich mich auf diesem Weg dazu zwingen kann, überhaupt jemandem zu sagen, was in meinem Kopf vorgeht. (Und eventuell auch im Zweifelsfalle über Feedbakc hinweise zu erlangen, wo ich mich in meinen Überlegungen auf einem sehr seltsamen Eis gerade bewege.)

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Review: Joker



Ich weiß ich weiß: Das US-Militär warnt davor, dass männliche, beziehungunfähige Mitglieder unserer Gesellschaft von diesem Film inspiriert werden könnten.

Wer ist der Joker? Das könnte man als so ziemlich die zentralste Frage im kompletten Batman-Kosmos bezeichnen. Und hierbei muss man eventuell ein wenig weiter ausholen: Denn eine wirkliche Antwort gab es in der Hinsicht im Comic-Umfeld eigentlich nie. Sicher: Es gab die Graphic-Novel „The Killing Joke“, auf die die meisten Filme dann auch irgendwie ihren Bezug genommen haben. (Gerade wenn wir uns dafür den von Jack Nicholson gespielten Joker in Tim Burtons Batman oder die entsprechenden zentralen Szenen aus der Origin von Harley Quinn aus Suicide Squad ansehen, hat man das Gefühl, dass hier sehr viele Gemeinsamkeiten bestehen müssten.) Andererseits gibt es aber auch die Idee, dass es noch nie einen Joker gab, sondern immer Drei verschiedene Personen „Der Joker“ zeitgleich sind, welche bei Bedarf ihren Wahnsinn über Gotham ausschütten. Und wir dürfen die eindrucksvollen Szenen von Heath Ledger aus „The Dark Knight“ nicht vergessen, in denen der Joker immer wieder eine andere Origin der Narben seines „Glasgow Smiles“ erzählt. Und auch die Serie „Gotham“ erzählt die Geschichte zweier Zwillingsbrüder, die über ein besondere Gas sich gegenseitig in den Wahnsinn treiben. (Wobei einer von Beiden von Anfang an psychopathische Charakterzüge zeigt.) In sofern ist die Idee, dass der Joker eigentlich keine Person, sondern viel mehr eine Art die Persönlichkeit überschreibendes Mem, eine Gehirn-Virus des Wahnsinns ist, irgendwo immer schon Teil des Film-Kosmos neueren Datums gewesen.

Der Film Joker erzählt uns die Geschichte von Athur Fleck. Einem erfolglosen Clown, der davon Träumt als Comedien durchzustarten. Zeitgleich hat er einen Gehirnschaden, der ihn immer wieder in den unpassensten Momenten dazu bringt, lauthals loszulachen. Zeitgleich kümmert er sich um seine pflegebedürftige Mutter, die ständig nachfragt, ob eine Antwort auf ihre Briefe an Thomas Wayne angekommen sei. Und das Ganze in einem Gotham, dass stilistisch irgendwo in den 70ern angelegt sein müsste.
Auslöser für die Geschichte dieses Films sind jetzt im Grunde zwei Szenen: Die erste ist die bereits aus den Trailern bekannte Szene, in der dem auf der Straße arbeitendem Athur das Schild von Jugendlichen gestohlen wird und er daraufhin zusammengeschlagen wird, als er versucht das entsprechende Schild wieder zurückzuholen. Die zweite Szene findet in der U-Bahn statt. Drei mittzwanziger Wall-Street-Juppies versuchen eine Frau zu belästigen, wobei Athur einen seiner Lachanfälle bekommt und anschließend beinahe von den dreien erneut Krankenhausreif getreten wird. Nur dass er diesmal mit einem Revolver bewaffnet ist und alle drei erschießt und anschließend vom Tatort flieht.
Was anschließend folgt ist eine Mediale Überrepräsentation des von den Medien als Moster dargestellten Killerclowns sowie einigen Bemerkungen von Personen wie Thomas Wayne, die dazu führen, dass immer mehr sozial abgehängte Individuen sich auf eine hochgradig anarchistische Art zu einer Clown-Bewegung formieren, die durch die Straßen zieht und Slogans wie „Kill the Rich“ skandiert.

Innerhalb dieser ganzen Geschichte beginnt ein langsamer, aber stetig wachsender, geistiger Zerfall bei Athur, der sich stellenweise in Phantasien über eine Affäre mit einer Nachbarin flüchtet und irgendwann gar nicht mehr so genau weiß, wem er jetzt eigentlich noch glauben soll. Am Ende bleiben eigentlich nur noch zwei Wahrheiten übrig: Die Reichen verdienen ihrem Erfolg einem großen, kosmischem Zufall, anstelle harter Arbeit. Und auf der anderen Seite ist eigentlich jedes Leben nichts anderes als ein beschissener Witz, über den nur niemand mehr lachen kann. (Somit ist die gewaltige Pointe auch eigentlich ein Mord vor laufender Kamera, der dann durch sämtliche Nachrichten geistert und ständig wiedergekäut wiederholt wird.)
Und zeitgleich brennen die Straßen Gothams, weil die Clowns ausrasten.

Für sich betrachtet ist dieser Film auch keine klassische Erzählung, wie ihn so viele andere DC-Filme ausmachen. Denn technisch gesehen muss man diese Erzählung eigentlich „nur“ als eine Aneinanderreihung von einzelnen Szenen betrachten, die zu allem Überfluß eher auf dem klassischen „und dann“ basieren. Also einfach nur eine Aneinanderreihung von einzelnen Szenen, in denen etwas passiert. Nur dummerweise funktioniert diese Aneinanderreihung von Szenen in ihrer eigenen Logik dermaßen gut, dass trotzdem eine funktionierende Erzählung dabei rumkommt. Einfach deswegen, weil hier jegliche Logik, die der „normale“ Zuschauer als „gutes Storytelling“ bezeichnen würde eh nicht mit dem Charakter des Jokers harmonieren könnte.
Insofern lebt dieser Film eigentlich nur davon, dass man in einer Aneinanderreihung von einzelnen Szenen seine eigene, persönlich-vojoristische Ader am geistigen Verfall des Jokers abarbeitet, ohne jemals wirklich auf die Idee zu kommen, was die eigentliche Pointe dieses gewalltigen, kosmischen Witzes ist, bei dem niemand mehr lacht. (Und im Grunde stellt sich anhand der Ausgangsposition eine sehr zentrale Frage: Gibt es überhaupt eine Szene, in der der Joker ein ehrliches Lachen führt.)

Im Grunde möchte ich zum Abschluss für mich bei diesem Film, den ich wirklich jedem ans Herz legen möchte, ihn sich anzusehen, nur noch zwei Dinge für mich festhalten: Ich möchte wirklich glauben, dass wir am Ende des Films den Witz nicht verstehen. Und zum anderen glaube ich, dass auch dieser Film nicht die Origin-Story des Jokers erzählt, sondern zum großen Konglomerat des „Mems“ gehört, welches vermutlich vom Joker selbst verbreitet wird um aufzuzeigen, dass jegliches Interesse an seiner Herkunft auch nur ein einziger Witz ist, dessen Pointe hochgradig subjektiv verstanden werden muss.

Montag, 7. Oktober 2019

Vom Schauder einen Dorp-Cast zu hören.


Michael: Würdest du zwischen Horror und Grusel unterscheiden?
Thomas: Ich glaube dass das mehr eine linguistische als eine inhaltliche Frage ist.
Orakel: *Schreit seinen iPod an und beißt in die Tischplatte*

Okay, zugegeben: So ganz drastisch wahr meine Reaktion auf den Dorp-Cast 144 nicht. Aber wie sich einige Leute denken können ist gerade das Thema Horror etwas, in das ich in gewisser Weise über die letzten Jahre investiert geworden bin. (Soweit, dass ich während des Philosophiestudiums in einem Seminar durch ein paar steile Thesen zum Film „Funny Games“ dadurch aufgefallen bin, dass ich gesagt habe, dass der Film vermutlich am ehesten über die Tradition des Slasher-Films funktioniert und deswegen auch die beiden Identifikationsfiguren für den Zuschauer ganz klar die Beiden Täter Paul & Peter seien.) Der Punkt bei der ganzen Sache ist: So sehr ich die Ansichten der beiden Dorpcast-Stimmen Michael und Thomas auch in der Regel schätze: Hier haben sie mal einfach in Klo gegriffen. (Im darauffolgenden Dorp-Cast haben sie auch schon gesagt, dass ich eine von zwei Personen wahr, die nicht all zu begeistert von der Folge waren.) Und auch wenn ich bereits versucht hatte grob zum Umreißen, das die gefühlt sehr oberflächliche Herangehensweise an das Thema das Hauptproblem der Ganzen Sache wahr, sehr ich doch, dass hier mal wieder Klärungsbedarf herrscht, wenn wir über die finsteren Seiten des Rollenspiels sprechen.

Wie sich einige Leute erinnern, hatte ich vor ein paar Jahren schon mal im Rahmen des Vlogtaculums ein paar Sätze zum Thema Horror verloren. Damals wie Heute lautet meine Empfehlung zum einarbeiten in dieses Thema „The Philosophy of Horror“ von Noel Carrol, einfach weil hier einige sehr gute Gedankengänge drin verwoben worden sind, die sich zwar mit den Problemen des Horror-Films beschäftigen, welche aber im Kern immer auch die Probleme des Horrors im Rollenspiel irgendwie sind. Von daher werde ich jetzt nach und nach in diesem Artikel einfach mal meinen Gedanken hinterherjagen, die mir prinzipiell gerade kommen und versuchen etwas Struktur in dieses Missverständnis zu bringen.

Das „Unterhaltungsmodell Angst“

Das große Problem im Zusammenhang mit dem Thema Horror ist, dass es im Grunde erstmal ein widersprüchliches Konzept ist. Wann immer wir nämlich von Horror im Zusammenhang mit Filmen oder auch Rollenspielen reden, meinen wir eine Unterhaltungsform. Zeitgleich gibt es aber auch ungangssprachliche Redewendungen, wie „er hat im Krieg Horror erlebt“ oder aber auch umgangssprachliche Übersteigerungen wie den „totalen Horror“. Das zumindest die Schrecken des Krieges und die lauthals kreischenden Teenager, die von Jason Voorhees davonlaufen etwas miteinander zu tun haben scheint auf den ersten Blick etwas Wiedersprüchliches zu sein, handelt es sich bei dem einen doch um tatsächliche Ereignisse und bei dem anderen „nur“ um einen schlecht gemachten Slasher-Film aus den 80ern, der nur so vor Klischees trieft.

Und um das zu verstehen muss man vermutlich erst einmal etwas tiefer in die Evolutionsgeschichte des Menschen hereinblicken: Wenn ich der Wikipedia glauben schenke, sind die ältesten dem modernen Homo Sapiens zugeordneten Knochenfunde etwa 315.000 Jahre alt. Das heißt wir haben etwas über dreihunderttausend Jahre gebraucht um uns auf diesem Planeten auszubreiten, sämtliche potentiellen Gefahren zu beseitigen (und aktuell arbeiten wir ja halbwegs erfolgreich daran uns dieser Lebensgrundlage auch wieder selbst zu berauben.) Der Punkt bei diesem Modell des „schöner Scheiterns“ ist aber folgendes: Im Kern waren wir als Spezies seid damals keinem all zu großem biologischen Druck unterworfen, der eine wie auch immer geartete Weiterentwicklung im evolutionärem Sinne notwendig gemacht hätte. (Und auch die ganzen Atom-Bomben, die im letzten Jahrhundert gezündet worden sind haben noch keine allzu erfolgreichen Mutationen herbeigeführt.)
Das heißt aber auch, dass bestimmte Faktoren, die ein überleben des Individuums früher leichter begünstigt hatten heute immer noch Teil unserer Erbsubstanz sind. Und eines dieser losen Enden der Vergangenheit ist das Gefühl der Angst. Angst aktiviert Fluchtverhalten, gemahnt uns zu Vorsicht und kann somit schon mal über das Überleben entscheiden, wenn man ein komisches Geräusch hört, das sich anschließend als hungriger Säbelzahntiger erweisen mag. Der ängstliche gibt seine Gene an die nächste Generation weiter, während der Neugierige, der dass Geräusch interessant fand, einfach nur die nächste Mahlzeit für den Säbelzahntiger geworden ist.
Heute, dreihunderttausend Jahre später, haben wir sämtliche potentiellen Gefahren, die uns Angst machen können ausgelöscht. (Zumindest soweit es den hungrigen Säbelzahntiger betrifft.) Der Punkt ist aber: Bloß weil der Grund, Angst zu haben, in der modernen, zivilisierten Welt als solcher nicht mehr Existiert, bleibt der Instinkt als verkümmerter Nerf, der gelegentlich Impulse aussendet trotzdem erhalten. Und hier kommt dann das kulturelle Technik des Geschichtenerzählens ins Spiel.
Womit auch der Punkt mit der „Immersion“ im Grunde genommen zum tragen kommt. Ich beziehe jetzt das Modell der Gespenstergeschichte einfach mal als Beispiel hier ein. Im Grunde assoziieren wir mit bestimmten symbolen Angst heutzutage. Das liegt daran, dass man vermutlich irgendwann festgestellt hat, dass rund um bestimmte Ereignisse an unserem Körper Reaktionen auftreten, die eigentlich aus der Palette an Emotionen stammen, die die Angstreaktion mit hervorruft. Wenn wir jetzt das Spukschloß als Motiv einmal aufgreifen: Heutzutage weiß man, dass die meisten Geistererscheinungen sich vermutlich auf schlecht isolierte Räume zurückführen lassen, so das an bestimmten Stellen Kälte auftrat, die einem die Haare im Nacken zu Berge stehen ließ. (Was dann auch der Grund ist, warum der Topos des Spukhauses so weit verbreitet ist.) Eine Geschichte aus dem Bereich von Grusel und Horror erzeugt also nicht per se Angst. Sie ist erst einmal nur eine Geschichte über die Angst.

Warum Gruselgeschichten am Lagerfeuer trotzdem funktionieren

Warum funktionieren aber Gruselgeschichten? Die Antwort an sich ist vermutlich ziemlich banal: Ich würde sie unter dem Stichpunkt „Herdenverhalten“ zusammenfassen. Wir kennen heutzutage einen Haufen beunruhigender Faktoren, die mit Angst einher gehen. (An)spannung und Stress, um nur zwei zu nennen, die zwangsweise mit unseren Fluchtimpulsen einhergehen.
Insofern ist das, was ein ästhetisches Empfinden aufgreift, welches mit der Angst der Beunruhigung spielt sehr stark auf dem atmosphärischen Moment bezogen. Das kann mit Licht zu tun haben. Allerdings auch mit der Qualität von Umgebungsgeräuschen. Oh und natürlich dem Erzähler selbst: Indem man begleitende Ersatzhandlungen nutzt, die man tatsächlich reproduzieren kann, ohne das eine tatsächliche Gefahr als solche Besteht, kommt es wirklich dazu, dass einem die Nackenhaare zu Berge stehen. Und auf diese Weise empfinden wir so etwas wie „Immersion“. Das heißt, wir gruseln uns nicht, weil eine Figur in einer Geschichte sich gruselt. Die Gesamtsituation ist ein Platzhalter, der unsere eigene Vorstellung aktiviert und uns somit in die Situation bringt, dass wir das Gefühl haben, in der Nähe von Bedrohung zu sein. Das ist in gewisser Weise die Projektion, das etwas unheimliches Geschehen könnte, was aus unserer eigenen Vorstellung dann uns Beunruhigt. Im Kern stellt also die Geschichte eine Einladung zu einem „so tun als ob“ dar. Und dieses so tun als ob ist letzten Endes im ästhetischen Empfinden das, was wir als Grusel begreifen. Und darauf baut auch das Rollenspiel an sich auf.

Der Übergang zum Horror. Oder: Warum funktioniert Todes-Angst am Spieltisch nicht?

Und genau hier beginnt das Problem mit dem Begriff des „Horrors“. Denn während Angst uns in die Flucht treibt, ergibt sich daraus etwas, dass im Kern einen Keim Hoffnung enthält: Nämlich Sicherheit. Horror hingegen ist von der emotionalen Ebene her etwas deutlich drastischeres.
Das Problem bei der Sache ist, dass wir in einem ganz bestimmten Moment von Horror sprechen. Angst bietet eigentlich einen Ausweichreflex: Die Flucht in die Sicherheit.
Horror beginnt aber dann, wenn die Angst unausweichlich der einzige Bezugspunkt unseres kompletten Seins wird. Das kann man an sich schwierig Nachvollziehen, außer man betrachtet sich eventuell ein Bild, dass aus der Kriegsberichtserstattung stammt. Ich muss dabei hinzufügen: Ich habe Leute über das Bild reden gehört, nicht aber die Fotografie an sich gesehen. Angeblich gibt es ein Bild von einem Mann, der einen Stuhl über seinem Kopf trägt, und sich scheinbar davon irgendwelchen Schutz verspricht. Ähnliche Bilder gibt es auf die eine oder andere Weise immer wieder in unterschiedlichen künstlerischen Werken. Der verständliche Aspekt bei diesem „mit der Angst auf ängstem Raum konfrontiert zu sein“, bzw. der Reaktion darauf wird wohl dann klar, wenn man sich das entsprechende Konzept hinter den Geschichten von H.P. Lovecraft ansieht: In diesen Geschichten wird die Sicherheit der eigenen kleinen Welt des menschlichen Verstandes so weit wiedersprochen, dass die geistige Gesundheit zubricht.
Und das ist eigentlich auch ganz allgemein die Folge des Moments des Horrors: Dadurch das der entsprechenden Augenblick einem jegliche Sicherheit, auf die man sich überhaupt in irgendeiner Weise verlassen konnte, entreißt, zerbricht dabei der menschliche Geist und die Angst wird der einzige Bezugspunkt unseres kompletten Seins.
Und genau damit beginnt das Problem des „Horrors am Spieltisch“: Keiner will so etwas in irgendeiner Weise verspüren. Daher ist auch im Grunde das ästhetische Verlangen des empfundenen Horros an sich nicht vorhanden. (Und es entspricht auch nicht dem, was uns eigentlich berührt, wenn wir uns mit dem Themenfeld des Horrors auf die eine oder andere Weise unterhalten.)
Aber: Die Vorstellung der Handlung einer Person, die ein solches Erlebnis hat, hat trotzdem ihren eigenen, ästhetischen Reiz.
Aber: Das birgt jeweils auch immer seine eigenen Probleme mit sich: Im Film versucht man diese Momente durch die Verwendung des „Jump Scares“ aufzuzeigen, damit Symbolisch erklärt wird, warum die entsprechende Figur am Ende zerstört ist. Fürs Rollenspiel hingegen wird das immer eine sehr komplizierte Gradwanderung sein, in der es um eine Einladung eines „so tun als ob“ geht. Im Kern fokussiert man sich dabei dann sehr oft auf Symbole, im Sinne eines „das macht dir doch Angst!einself“. Trotz alledem gibt es durch die Geschichte immer wieder auch andere Versuche, die auf der einen oder anderen mechanischen Ebene Orientierungshilfen bieten: Die vermutlich zugänglichste Variante ist die Leiste für geistige Gesundheit von chaosiums „Call of Cthulhu“, die in teilweise weiterentwickelten Versionen immer wieder in verschiedenen, konventionellen Regelsystemen auftaucht. Dieses System des geistigen Verfalls mag einigen etwas Plump erscheinen. Allerdings bot es in seinem Ansatz immer eine sehr genaue Orientierung des Moments, an dem sich die Bespielte Figur nicht mehr in ihrer eigenen Sicherheitszone fühlte.
Es gibt zwar auch entsprechende Experimente, die sich auf eine Art der Immersion berufen (das bekannteste in dem Bereich dürfte immer noch der Jenga-Turm-Mechanismus von Dread sein) aber wie ich schon an anderer Stelle gemeint hatte: Die Immersion hier ist nicht Horror, sondern das Gefühl von Begleitfaktoren, die mit Horror verpartnert sind, jedoch für sich allein gestellt ebenfalls funktionieren.
Diesen Fokus des geistigen Verfalls, des Verlustes jeglicher Sicherheit, bis nur noch die Angst an sich das absolute Element ist, dass die eigene Persönlichkeit ausmacht, ist jedenfalls der Fokus, der am Ende Horror ausmacht.

Montag, 30. September 2019

Rezension: Mohiro Kitoh: Von einem Stern zum anderen (Naru Taru Band 09)


Cover: Mohiro Kitoh
Naru Taru Band 09
Verlag: EMA:adult

Der neunte Band beginnt im Kern dort, wo die ganze Geschichte ursprünglich mal ihren Anfang genommen hatte: Shiinas Vater fliegt mit einer Militärmaschine in der Luft. Nur das er sich diesmal in Russland aufhält und nicht sofort mit einem Drachenkind kollidiert. Es wäre allerding snciht Naru Taru, wenn nicht trotzdem auf irgendeine Weise indirekt trotzdem das Thema rund um die Drachen angesprochen würde. In diesem Fall ist es Konkret eine zufällige Begegnung mit einer sehr hilfreichen, alten Dame, die Shiinas Vater und einem Arbeitskollegen aus der Zwickmühle hilft.
Der Sohn der Dame gillt, nachdem sein Flugzeug vom Militär als verschwunden erklärt wurde.
Und genau in diesem Moment beginnt dann Quasi die „internationale Ebene“, der gesammten Geschichte. Wir erleben ein Eingreifen des FSB, dem russischen Geheimdienst, der ein hohes Interesse an Shiinas Vater hat. (Anscheinend ist der Plan einer Person habhaft zu werden, die bekanntermaßen Kontakt mit den Drachen hatte, indem man einen Absturz fingiert.)

Und natürlich begegnet man in diesem gesammten Chaos auch noch einen weiteren Hinweiß auf die Drachenkinder. Diesmal in Gestalt der Baba Yaga. Der Punkt dahinter ist, dass man (wie eigentlich schon die gesammte Zeit über klar war) hier noch einmal einen Hinweiß darauf geben will, dass diese Drachen, welche die ganze Zeit über als Bedrohung wahrgenommen werden, nicht im Kern etwas an sich böses darstellen. Viel mehr scheint ein übergeordneter Einfluss hier zu bestehen, der die menschliche Komponente ausmacht und direkte Kontrolle auf das Verhalten der Drachenkinder ausübt. Das lustige bei dieser ganzen Geschichte ist, dass anscheinend aus der Verbindung zwischen Mensch und Drachenkind immer eine menschliche Komponente am Ende für die entgültige Entstehung eines Drachen wirklich zuständig zu sein scheint. (Wir haben in dieser Geschichte ein Puzzleteil, das man im Hinterkopf behalten muss. Absuderweise ist dieses Puzzleteil ausgerechnet das Haus der Baba Yaga. Also eine Hexe, die weiß, dass sie eine Gefahr für Kinder ist und diese in manchen Geschichten sogar vor sich selber warnt. Diese Tatsache, dass Entscheidungen von Menschen anscheinend ein sehr prägendes Element für die endgültige Gestalt von etwas sind, scheint sich die ganze Zeit hier dieses Moment von der Frage nach einem eigenen Bild von Mensch jetzt festzumachen. Und das macht also auch sehr viel von dem aus, was wir bereits anderweitig nur angedeutet bekommen haben. Und den Abschluss macht dann – wie so oft – ein weiterer Hinweis aufs symbolische Heranreifen und Erwachsenwerden. Zumindes tbleibt die Frage im Raum, was Shiinas Name bedeutet und die Tatsache, dass jemand „etwas Merkt“, ausdrücken soll.

Fazit

Wenn man‘s nur vom Spannungsbogen aus betrachtet ist die Geschichte langweilig erzählt. (Allerdings nur in Form der Comicerzählung.) Ich hatte ja shcon häufiger erwähnt, dass ich im Moment einfach nur zu Projezieren und zu spekulieren anfange. (Und dummerweise ist auch weiterhin dieser Umstand hier der Fall.) Ich werde bei den letzten Bänden einfach das Gefühl nicht los, dass man auf durch das erneute Aufgreifen bestimtmer Elemente, die bereits in der bisherigen Serie auf die eine oder andere Weise vorgestellt worden sind, so kommt es einem vor, dass hier auf lange Sicht eine Erklärung vorweggenommen würde. Es ist klar, dass die Serie insgesamt nur noch ein paar Ausgaben hatte, weswegen wohl hier die bis jetzt nur vorgestellten Szenarien zu erklärenden Momdellen aufbereitet werden mussten, um ein wie auch immer geartetes Ende dann zu Erzählen. (Und ich habe das Gefühl, dass aufgrund von einigen Andeutungen vieles auf ein „Selbstopfer“ hinausläuft, dass sehr beleibt ist in japanischen Erzählungen. Nur das dieser Selbstmord dann am Ende vermutlich positiv enden wird. Von dahe rmuss man in diesem sehr speziellen Fall wohl erst einmal abwarten, wie die gesammte Geschichte enden wird.

Montag, 23. September 2019

Rezension: Mohiro Kitoh: Tamashii – die Seele (Naru Taru Band 08)


Cover: Mohiro Kitoh
Naru Taru Band 08
Verlag: EMA:adult

Technisch muss man sagen: Der achte Band geht thematisch durchaus als Folge des Siebten auf. (Wenn auch bei weitem nicht so schön „Bodenständig“ wie die Geschichten davor waren.)
Doch worum geht es in diesem Band jetzt?
Anscheinende gibt es an der Banda-Schule so etwas wie einen Wettbewerb, der zeitgleich Schulausflug, Survial-Training und Umweltprojekt in einem ist. 3 Schüler der unteren Stufen werden mit vier Schülern der oberen in einem Team zusammengesetzt, diese Teams werden mit Kompas und Karten ausgestattet und anschließend geht es auf zu einer Schnitzeljagdt durch die Berge, wobei zeitgleich Müll eingesammelt wird. (Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das in dieser Form wirklich typisch Japanisch ist, aber es klingt zumindest wie eine seltsame Übung in Sachen Disziplin.) Das Problem bei dieser ganzen Sache ist nur, dass Satomi immer noch auf Rache aus ist und deswegen ihr Drachenkind dazu einsetzt, um Shiina anzugreifen, da diese Schutzlos und von Hoshi-Maru zumindest immer noch getrennt ist. (Der seine ursprüngliche „Herrin“ - in Ermangelung eines besseren Wortes – allerdings immer noch im Auge behält.)

Und bevor ich jetzt wieder das Wort „technisch“ in den Raum schmeiße, was mir gerade in den Fingern juckt: Zwar ist der große Handlungsbogen, bei dem es innerhalb dieses Bandes geht, Satomis Rache an Shiina, die in ihrer Wut nach der doppelten Ohrfeige hoffnunglos Überreagiert, jedoch wird dabei nochmal über eine gnaze Menge Details Reflektiert, was man innerhalb des Settings über die „Drachen“ und damit die Drachenkinder weiß. (Und zusätzlich dazu werden eine ganze Menge Graustufen mit eingeführt, was die jeweilige Position der einzelnen Figuren, die die Geschichte ausmachen, zueinander angeht.) Insofern ist gar nicht so sehr die Handlung an sich der interessante Punkt, sondern tatsächlich die sehr grafische Dimension das spannende an dem Band. Auch wenn die gesamte Gestaltung eben nicht großartig vom bisherigen „Standart“ abweicht, so sind hier dennoch einige grafische Elemente, die die Geschichte an sich weiterezählen und dabei das eine oder andere Moment mit sich bringen, dass auf lange Sicht noch ein paar Fragen aufwerfen dürfte. Einer dieser Punkte war ja bereits die ganze Zeit über klar: Dass die Verbindung zwischen Kindern und Drachenkindern ein ungewöhnliches, neues Element zwangsweise ins Spiel bringen muss, weil bis hierhin nicht klar war, was die Drachen eigentlich mit ihren Partnern anstellen. (Oder warum sie sich überhaupt an diese Binden.)

Der zweite Punkt bei der ganzen Sache ist aber auch, dass man hier ein wenig mehr über Satomi erfährt, die genauso wie die meisten anderen für diese Geschichte wichtigen Leute irgendwo in einer Opferrolle angefangen hatte. Nur das diese dann zwangsweise in die Täterrolle übergegangen ist und zu allem Überfluss auch noch einige sexploitationartigen Szenen die gesammte Geschichte abrunden. (Was insgesamt die Frage aufwirft, welche Rolle Sex innerhalb der japanischen Popkultur zum Zeitpunkt des Erscheinens von Naru Taru hatte. Für den Augenblick scheint es so, als wäre die Beschützerrolle direkt mit dem weiblichen Unterkörper verbunden.) Das alles macht diesen Band jetzt für sich allein betrachtet nicht wirklich „besser“, allerdings muss man wirklich sagen, dass hier sehr vielversprechend etwas aufgebaut wird, dass ausgebaut werden könnte. Von daher müssen wir für den Augenblick einfach abwarten, ob hier eventuell doch etwas spannendes noch passiert.

Fazit

Insgesamt ist diese Geschichte also wirklich nichts besonderes, wie ich bereits festegestellt habe. Was bleibt ist in diesem Zusammenhang die Projektion auf das zukünftige, dass sich in den verbleibenden Bänden noch ereignen wird. Es wird einiges an psychologischen Details angedeutet, die für zerrüttete Persönlichkeiten sprechen. Das aus diesen zerrütteten Momenten eben eine Antagonistin mit nur schwierig nachvollziehbaren Zielen entsteht ist ein eher bekanntes Klischee, das man fast schon erwartet, allerdings könnte aus dem gesammten Zusammenspiel noch etwas interessanteres Entstehen, weil hier noch so etwas wie eine Waffe ins Spiel kommt. (Der entscheidende Faktor bei der ganzen Sache ist nur, dass gegen Ende eben nicht ein haufen Wahrnsinniger herauskommen, die einfach nur einen gewalltigen Genozyd verzapfen, weil sie es können.)