Montag, 11. November 2019

Soma: Orakel bastelt sich ein D&D-Setting


"You see from lunar, we have lunacy and lunatic, and loony“ [Emilie Autumn: Girls! Girls! Girls!]

Okay… wo soll ich jetzt anfangen? Im Kern haben diese Zeichen, die jetzt gerade in die Tasten haue damit zu tun, dass ich irgendwann vor einer ganzen Weile angefangen habe die ganzen Miniaturen-Bemal-Streams bei OrkenspalterTV mir anzusehen. (Und dummerweise gehörte ich zu den Leuten, die früher in den 90ern schonmal ihre GW-Phase in Form von Space Marines und Waldelfen gehabt haben. Ergo ist es gar nicht mal so verwunderlich, dass ich irgendwann Rückfällig geworden bin im letzten Jahr.) Dummerweise muss man jetzt allerdings dabei noch etwas hinzufügen: Zentral gehöre ich zu denjenigen, die aktuell zwar Chaos bepinseln, aber eigentlich auf die Rückkehr der Sisters of Battle der Adeptus Sorroritas warten. Und damit verknüpft ist Mhaire Stritter noch für etwas anderes im Zusammenhang mit diesem Artikel schuld: Sie machte mich in einem ihrer Streams rund um „Mhaires Meditatives Malen“ in einem Nebensatz auf den französischen Miniaturenhersteller Raging Heroes aufmerksam. (Dieser hat nämlich eine ganze Reihe alternativer Miniaturen für die Sororitas.) Dummerweise klickte ich dabei aber auch durch das restliche Programm an Miniaturen und blieb irgendwo bei den Dunkelelfen hängen. (Und hatte sowas von keinen Bock in Age of Sigma einzusteigen.) Dummerweise spielte ich zu dem Zeitpunkt aber auch bereits D&D in der 5ten Edition. (Wo ich den erfolgreichen Abschluss hier auch endlich mal zusammenfassen muss.) Und auch wenn in der Tabletop-Szene aktuell das Spiel Frostgrave die Entschuldigung ist sich egal welche Miniatur auch immer zuzulegen bin ich dann wohl jetzt in der Rollenspielszene mit einem System hängen geblieben, dass meine Ausrede ist, um Miniaturen aller Art mir nach und nach einzukaufen. (Und dabei hatte ich D&D doch eigentlich schon nach Jahrelangem 3.5 abgeschworen gehabt.)
Wie auch immer: Den Vorstoß machte ein fünferpack Harpien und jetzt ein Jahr und diverse Kickstarter später habe ich immer noch keine Dunkelelfen, warte aber auch eine Unmenge Untote.

Und das wollen wir dann mal als Versuch eines Inspirationsanstoßes sehen: Ich bin zwar der Klischeehafte Elfenspieler hoch zehn, aber irgendwie war ich dabei noch nie ein Fan der klassischen „Hochelfen“. Insofern stellt sich für mich gerade die Frage, ob man nicht von den Drow als zentraler Dreh- und Angelpunkt einer Settinghistorie ausgehend eine etwas andere Gesellschaft hinbekommt. (Hochelfen dürfen ja meinetwegen gerne weiter existieren, nur das sie dann den gleichen Ansatz wie die Waldelfen darstellen: Sie sind eine spezielle Gruppe Abtrünniger, die sich von der Heimat losgesagt haben. Insofern habe ich mir auch den Arbeitstitel für dieses Setting, „Soma“, aus der Wikipedialiste von Mondgottheiten herausgesucht. Das alles sowohl unter dem Aspekt, dass ich verrückt genug bin ausgerechnet auf diesen Zug aufzuspringen. („Loony“), aber auch, weil die beiden im Kern stehenden Figurentruppen zwangsweise auf eine bestimmte Richtung hindeuten: Im Kern möchte ich mein Setting auf die Bedürfnisse der Dark Fantasy, also den Einflüssen des Horror-Genres auf die Fantasy, ausrichten. (Auch wenn ich befürchte, dass ich damit dann bestimmte Aspekte von „Ravenloft“ aus AD&D-Zeiten in Ermangelung sämmtlicher Kenntnisse über die Quelle „neu“ erfinde. Im übrigen gillt dabei auch die Tatsache nicht, dass ich „Curse of Stradh“ durchgespielt habe. Soweit wie ich das Abentuer verstehe handelt es sich hierbei weniger um eine eigene Settingswelt, sondern „nur“ um einen modernen Blick auf das ursprüngliche Abenteuer-Modul aus D&D-Zeiten.)

Also: Was schwebt mir vor? Ich möchte eine Welt/Umgebung schaffen, in der die Stimmung ganz stark in Richtung Horror geht. Mir ist bewusst, das D&D eigentlich den Status der High-Fantasy vertritt und damit eher dem Versuch entgegenkommt, Heldenhafter als jeder Held zu sein. (Und ich kann mich dabei nur immer wiederholen: Horror am Spieltisch ist eh unmöglich.) Aber selbst wenn man heldenhafte Fantasy-Figuren spielt bleibt immer noch die Möglichkeit einen bestimmten Ton zu treffen, indem ein Geist nicht nur einfach XP darstellt, sondern tatsächlich so etwas wie eine dunkle Bedrohung zumindest angedeutet bekommt. (Das wird für einige eventuell schwierig nachzuvollziehen sein, darum möchte ich hier ein Beispiel aus dem bislang immer noch besten Teil der Dragon Age-Reihe bemühen. Nämlich Dragon Age: Origins. Bis Heute hat Bioware in dem Bereich leider bei den anderen beiden Teilen hoffnungslos versagt.) Während die zukünftige Heldin von Ferelden in die tiefen Wege herabsteigt, um das Schicksal der Paragon Branka herauszufinden, kommen Sie und ihre Gefährten dem zentralen Geheimnis der dunklen Brut auf die Spur: Wie vermehrt sich die dunkle Brut? Begleitet von einer Zusammenfassung der entsprechenden Ereignisse durch die offentsichtlich Wahnsinnig gewordene Hespit erfährt man, dass die dunkle Brut weibliche Mitglieder der jeweiligen Spezies verschleppt und in einem Teilweise kanibalistischem Ritual eine Mutation herbeiführt, die aus Frauen sogenannte Brutmütter werden lässt. Ausgedunsene, riesige Gebährmaschienen mit Tentakeln, die sich nicht mehr vom Fleck bewegen können, aber unzählige Individuen der vermeidlichen untoten Monster gebähren. (Denn seien wir ehrlich: Die dunkle Brut ist eine Neuinterpretation des Fast-Zombie-Tropes.)

Die Frage lautet also: Wenn ich mir ein eigenes Setting zusammenschrauben will, was währe der zentrale Hebelpunkt, auf dem ich aufbauen würde. Und ich persönlich würde hier am ehesten um eine Mythologie herum alles aufbauen, die einige Zusammenhänge erklären würde. (Vergleichbar mit den ersten Magieren von Tevinter in Dragon Age, welche die goldene Stadt des Erbauers betreten hatten und diese dadurch korrumpierten.) Insofern haben wir hier gerade ein etwas verschwurbeltes Grundgerüst zu beachten: Meine Ausgangssituation sind vor allem Drow/Dunkelelfen und Untote im Sinne von animierten Skeletten, die sich eine Welt zusammen teilen sollen. Und die Frage steht natürlich im Raum, wie man den ganzen „Lolth“-Mythos, der irgendwie automatisch bei D&D teil der Drow ist, noch unter einen Hut bringen soll. Gelegentlich lohnt es sich hierbei dann tatsächlich auch mal einen Blick auf andere Settings zu werfen, welche ebenfalls über Drow verfügen, aber halt eben nicht die Forgotten Realms sind. In diesem Fall schwebt mir das einzige offiziell lizensierte Setting aus D&D 3.5-Zeiten vor, die „Kingdoms of Kalamar“. Im Kern muss man dabei sagen, stammen zwar alle Dunkelelfen in Kalamar irgendwie voneinander ab, gehören aber nicht unbedingt zueinander: Man kann sie dadurch unterscheiden, dass sie unterschiedlich tief unter der Erde leben. Und diesen Trick der unterschiedlichen Sub-Elfenvölker werde ich für meine eigene Stammmythologie selbstverständlich adaptieren.

Im Kern sehe ich aber ein sehr klares Problem: Lolth vs. Der Tod (TM) ist noch kein so starkes Thema für sich. Hierbei muss ich wohl ein wenig weiter ausholen: Im Kern ist der Tod einfach nur das Ende von allem. Stasis und Stillstand in einem bestimmten Zustand. (Es gibt einen guten Grund, warum Vampire als Analogie auf das Motiv ewiger Liebe verstanden werden.) Das Problem mit Lolth als Göttin ist da hingegen aber folgendes: Sie lässt ihr Volk der Drow nicht einfach „nur“ Leben. Sie testet Individuen aus. Probiert neue Verknüpfungen von verschiedenen Blutlinien und erschafft in ihren Augen „gefallene“ Individuen neu als ihre eigenen Diener, dämonische Mischungen aus Frau und Spinne und ewige Mahnmale der Schande, dass man die Tests der Spinnengöttin nicht bestanden hat. (Im übertragenenen Sinne kann man Sagen, dass Lolth das Konzept des von der Website „Suicide Girls“ proklamierten Schönheitsideals der „Bodymodification“ an sich darstellt. Leben, und damit verbunden auch Schönheit, als eine Kunstform, ein totalästhetisches Konstrukt, das erst in eine Form gebracht werden muss. Aber halt eben eine Verpflichtung der Unterwerfung unter dieses Ideal, das überhaupt erreicht werden muss.) Wenn wir den Tod als neutrale Kraft in diesem Gedankenkonstrukt jetzt begreifen wollen und Lolth von den Vorgaben her automatisch immer Böse ist, müsste man also eine dritte, und vor allen Dingen gute Kraft in das Gefüge einführen, auf dem wir dieses Setting jetzt gerade konstruieren wollen. (Und da der Tod als neutrale gesetzter Zustand der Stasis steht und Lolth als böser Zustand der Konstruktion, böte es sich also an das Leben selbst als einer Kraft des Gute anzusehen. Ich denke, dass sich hier am ehesten das Konzept einer Fruchtbarkeits-Gottheit anbietet. Und Unterhaltsamerweise bietet der Hersteller Tomarillion ein paar hellenistisch inspirierte Statuen-Miniaturen an, die auf antiken Göttheiten aufbauen. Ich denke also, dass ich aus der Statue von Aphrodite aus diesem Set etwas anbetungswürdiges für meine Ur-Drow machen werde.)
Auf diesem Weg hätten wir dann Leben, Tod und künstlich herbeigeführten Wandel als drei verbindende Elemente, welche zumindest die bestimmende Spezies der Drow verbinden.
Darüber hinaus muss ich allerdings auch noch erwähnen: Ich habe eine Schwäche für die in den 90ern aufgetretene Welle der „Bad Girl Art“. (Um ganz ehrlich zu sein: Ich versuche aktuell einige Serien aus der Zeit vervollständigt zusammenzutragen.) Der Punkt bei der ganzen Sache ist: Ich habe mit der Statue einer Fruchtbarkeitsgöttin und mindestens einer möglichen „Lolth“-Miniatur wenigstens zwei feste Bestandteile, die irgendwie das Szenario bestimmen werden, insofern überlege ich gerade ernsthaft etwas in Richtung „Lady Death“ mit ins Spiel zu bringen, um wenigstens dem Tod ein Gesicht zu geben. Und diese ganze Chaos an ersten Überlegungen riecht nach einem Krieg, der die Welt verändern wird.

Wie gesagt: Grundsätzlich will ich diese Welt erstmal in Prosa-Texten nach und nach zusammenschreiben, die so etwas wie einen Erschaffungsmythos meines Settings langfristig darstellen sollen. (Schlicht und ergreifend, weil ich eine Erklärung bereits halten möchte, warum diese Gesellschaften am Ende so funktionieren, wie sie funktionieren werden.) Aber zeitgleich werden dann auch immer wieder derartige Meta-Artikel wie dieser hier entstehen, die sich jeweils über erste Grundüberlegungen beschäftigen. Einfach weil ich mich auf diesem Weg dazu zwingen kann, überhaupt jemandem zu sagen, was in meinem Kopf vorgeht. (Und eventuell auch im Zweifelsfalle über Feedbakc hinweise zu erlangen, wo ich mich in meinen Überlegungen auf einem sehr seltsamen Eis gerade bewege.)

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