Montag, 20. November 2017

Rezension: Jim Butcher: Die Elementare von Calderon (Codex Alera Band 1) [Kindle-Edition]

Cover: Die Elementare von Claderon
Jim Butcher - Codex Alera 01
Verlag: blanvalet
Das Narativ behauptet, dass ein gewisser Jim Butcher während seiner Uni-Zeit einen Kurs im „creativ Writing“ besuchte, weil er dort das notwendige Handwerkzeug erlernen wollte, um seine eigene High-Fantasy-Geschichten zu erzählen. Dummerweise kam ihm eine Wette mit seinem Dozenten dazwischen, aus der ein gewisser „Harry Dresden“ hervorging, der dann lange Zeit Jim Butchers schreiberische Tätigkeit im Fokus hatte.
Codex Alera war dann dieser letzte verzweifelte Versuch doch noch aus der Urban Fantasy auszubrechen und einen eigenen High-Fantasy-Zyklus zu schaffen.
Doch worum geht es? Im Grund egibt es mehrere Erzählungsstränge: Anfangen tut alles mit Amara und Fidelias, beides „Kusoren“ des erste Fürsten von Alera, die gerade auf einer Mission sich befinden, um eine vermeidlich Söldner-Horde auszuspionieren, welche gegen den ersten Fürsten aufgestellt wird, um eine militärisch geführte Rebellion zu starten. (Dummerweise erweist sich Fidelias – Amaras Mentor – als Verräter, der sich den Verrätern anschließt.)
Der zweite Erzählstrang betrifft Tavi, einen Hirtenjungen in Ausbildung, der für sein Umfeld in gewisser Weise eine Missgeburt ist, weil er keinerlei besondere Kräfte besitzt, und seines Onkels Bernhard, der als s.g. „Wehrhöfer“ für das Calderontal eine spezielle Funktion an verteidigungslinie darstellt, die auf der Suche nach einer verloren gegangenen Herde von Schafen über einen Kundschafter der Marath, einer Art besonderem Barbaren-Volk, stolpern.
Der dritte Erzählstrang betrifft dann die Verräter, welche mit den Marath gemeinsame Sache machen und versuchen den ersten Fürsten von Alera zu stürzen, indem sie das Calderon-Tal in die Hände der Marath fallen lassen… und warum vereinzelte Individuen das gerade eben nicht wollen.
Zwar vermischen sich diese Erzählstränge von der ursprünglichen Ausgangsbasis immer mehr untereinander und die jeweiligen Figuren welchen die einzelnen Positionen zu und untereinadner, aber im Kern bleibt es dann dabei. Jedoch ist ein besodnerer Fokus dabei ausgerechnet auf den jugen, gerademal 15-Jährigen Tavi gerichtet.
Die Welt, die Butcher hier zusammenspintn und beschriebt funktioniert nicht ganz so klassisch, wie es normalerweise dem EDO-Standart in der Fantasy entspricht. So etwas ähnliches wie Magie existiert. Um genau zu sein handelt es sich dabei aber nicht um eine Art Spruch-Form, sondern um eine Symbiose zu besonderen Wesenheiten, sogenannten Elementaren, mit denen die meisten Personen eine Beziehung eingehen. Um es verständlicher zu machen: Diese Wesenheiten, welche allesamt einem der vier Elemente der Antike zugeordnet sind, definieren die Welt. Sie sind stellenweise gefährliche, „übernatürliche“ Naturgewalten, welche den Menschen gefährlich werden können, aber halt eben auch nützliche Werkzeuge, welche ihren jeweiligen Partnern spezielle Kräfte zur Verfügung stellen. Tavi fällt in diesem Konzept deswegen aus dem Rahmen, weil er innerhalb der Geschichte keinerlei Begabung zur Elementarbeschwörung besitzt und sich deswegen auf andere Fähigkeiten, wie seinen Verstand und sein Geshcick verlassen muss. Das wird für ihn Stellenweise zur Gefahr, macht ihn aber auf anderer Ebene auch immer wieder zu einem besonderen Joker, der aufgrund seiner Unfähigkeit zur „rohen Gewallt“ eben unkonventionelle Lösungswege suchen muss.
Und das alles dient einfach nur dafür, dass am Ende des Buches eine gewaltige Schlacht um das Calderon-Tal stattfinden kann.
Was die Erzählung Butchers insofern interessant macht ist der Umstand, dass man die Welt als Leser auf der Basis ihrer „Bodenständigkeit“ entdecken kann. Man erfährt zwar angedeutet, dass Alera als Welt ein monarchisches System im Sinne von feudalen Lehnsherren aufweist, jedoch befinden sich sämtliche wichtigen Charaktere der Handlung an den äußersten Außenposten der Zivilisation versammelt und geben auf diese Weise erst einmal nur einen Einblick ins ländliche Leben innerhalb einer mittelalterlich angehauchten Gesellschaft, die man sich noch in etwa aus unserer heutigen Perspektive vorstellen kann, kombiniert mit Sklavenhaltung und der aus der alltäglichen Nutzung der Elementare resultierenden, fast schon modern wirkenden Veränderungen des Alltags. Das alles kombiniert Butcher mit seiner Fähigkeit ungeheuer pointiert formulierte Bilder reinster Übertreibung im Kopf seiner Leser zu erzeugen. (Unter anderem bricht mitten während eines Angriffs der Marath – die Barbaren dieses Settings – einer der Häuptlinge deren Clans durch eine Wehrmauer, nur um den amtierenden Warlord dieses Angriffs herauszufordern.)
Und auch die Tatsache, dass eine der wichtigsten Figuren der Geschichte gerade eben nicht dazu in der Lage ist, auf die allgegenwärtigen Elementare zurückzugreifen hilft letzten Endes dem Leser ebenfalls noch weiter, sich in dieser Welt zu „verlieren“. Abgerundet wird das noch durch ein paar etwas absurde Tiere wie dem Garganten und dem Herdentöter und schwups hat man eine nur all zu vertraut wirkende, vollkommen fremde Welt, bei der es Spaß macht sich in sie hereinzulesen.

Fazit


Eine etwas andere Fantasystory mit dem typischen, zugänglichen Butcherstyle. Viele, stellenweise sehr verrückte Ideen, die einem Spaß machen das ganze zu lesen. Rundherum eine nette Lektüre um die Wartezeit bis zum nächsten Dresdenfiles-Roman zu überbrücken, über den man sich dann wieder hoffnungslos aufregt, weil Butcher der eigenen Meinung nach nach Changes alles Falsch gemacht hat.

Montag, 13. November 2017

Rezension: Dem Flüstern folgt der Schrei (The Walking Dead 23)

Cover: Dem Flüstern folgt der Schrei
The Walking Dead 23
Verlag: cross cult
More of the same, but different. Das ist jetz tgerade so mehr oder weniger mein Gedankengang, während ich mich durch den 23 Band von Kirkmans „The Walking Dead“-Comicreihe schäle.
Und mir ist im Moment noch nicht mal so ganz klar, auf wem letzten Endes der Fokus bei dieser ganzen Geschichte liegt: Zum einen haben wir da dieses Moment, dass die Schlurfer mit einem mal zu sprechen angefangen haben. Das war es zumindest, womit der letzte Band so überraschend Endete. Es beginnt mehr oder weniger mit Jesus, der eines dieser seltsamen Wesen gefangen nimmt, weil es ihn darum bittet, seine Existenz zu verschonen. (Wir erfahren in diesem Verlauf, dass es sich hierbei nicht um eine Mutation unter den Zombies handelt, sondern das eine neue Gruppe, die sich selbst als „Flüsterer“ bezeichnet, einen Weg gefunden hat, unter den Zombies zu leben. Sie verwenden dafür jede Form von Tarnung, die es ihnen ermöglicht, nicht von den Untoten als „Futter“ erkannt zu werden und bediehnen sich dank Masken aus verfaulendem Fleisches der schieren Masse dieser Wesen, um in der Welt zu überleben.)
Zeitgleich beginnt Carl seine Ausbildugn als Schmiedelehrling. Er verliert allerdings in einem Augenblick, in dem er und Sophia bedrängt werden die Kontrolle und schlägt die Angreifer der beiden aufs brutalste zusammen. (Die Folge für ihn ist, dass er ins Gefängnis muss. Sophia ist schwer verletzt im Krankenhaus, die beiden Angreifer haben aber „nur“ noch stabile Vitalfunktionen.) Die Folge daraus ist mal wieder, dass sich ein paar in der Gesellschaft weniger gut darstehende Personen dermaßen angepisst fühlen, dass sie sich wie die Tiere daneben benehmen. (Und zumindest vor versuchtem Mord nicht zurückschrecken.)
Carl lernt in der Zwischenzeit im Gefängnis Lydia kennen, welche das Mädchen der Flüsterer ist, das Jesus gefangen genommen hat. Zwischen diesen Beiden beginnt langsam eine Vorsichtige Romanze. Auf der anderen Seite kommt mit „Alpha“ schließlich die Anführerin der Flüsterer auf den Plan. Sie stellt sich vor und verlangt von Maggie, dass ihre Tochter ausgehändigt wird. (Die in der zwischenzeit eine Romanze mit Carl begonnen hat und eigentlich nicht mehr zurück will.)
Das Ende vom Lied ist eigentlich nur, dass jetzt wieder die Grundlage für neuen Zoff geschaffen ist.

Was soll man dazu jetzt großartig sagen? Im Grunde geht es jetzt schon wieder um den ewigen Konflikt von Menschen in Gemeinschaften, die in totalem Chaos versinken. Nur das hier die Fassade eine stabilen Zivilisation mit inneren Konflikten gewürzt wird mit einem erneuten Konflikt, der direkt aus dem inneren der Zombie-Herden stammt. (Und in dem es im Grunde auch wieder nur um Menschen geht, die auf eine andere Weise verwarlost sind. Ob mehr zum Wesen und der Art der Flüsterer noch gesagt wird, muss sich zeigen.) Leide rbietet die Geschichte auch hier nichts Neues in irgendeiner Weise. Wir müssen wohl oder übel abwarten, ob Kirkman nochmal einen Kniff in sein Mammut-Projekt bringt, oder das langsame dahinsichen von „The Walking Dead“ wirklich das zentralste Merkmal der Serie am Ende sein wird, was im Gedächtnis bleibt, weil der Schöpfer dieser Comics einfach nicht gemerkt hat, wann sein Überraschungserfolg sich endgültig selbst überlebt hatte. (Für mich handelt es sich bei der Serie spätestens seid dem letzten Band ja bereits um einen wandelnden Toten.)
Wobei man aber auch das sagen muss: Rein Optishc betrachtet hat sich nichts verschlechtert, das Niveau (zu dem man stehen mag, wie man will) der Zeichnungen ist geblieben.

Fazit


Wiedermal so ein Band der Marke „Genrefans können unbedacht zugreifen, alle anderen lesen Probe“. Es wird ein neues Element eingeführt, dass vielleicht nochmal etwas Schwung in die Geschichte bringen könnte, allerdings mus sman sagen: So viel Potential hat auch dieses Element eigentlich nicht. Die komplette Thematik des Dramas in einer Zombie-Apokalypse ist einfahc nur noch ausgelutscht und wirkt so unglaublich verbraucht. Wir wissen mitlerweile, dass die Menschen aufgrund der Situation hoffnungslos verroht sind. (Und falls sie es doch noch schaffen sollte, zu einem Zustand der kultivierten Zivilisiertheit zurückzukehren wird das trotzdem Narben bei allen hinterlassen haben.) Von daher bleibt eigentlich nur die übliche Feststellung - „More of the Same, but different.“ - als finale Einschätzung zu sagen.

Montag, 6. November 2017

Rezension: Felix A. Münter: Schicksal (Westrin III)

Cover: Felix A. Münter
Schicksal
Westrin-Trilogie
Verlag: Prometheus Games
Klar: Es heißt, dass man nicht die letzte Seite eines Buches lesen sollte, weil man sich dadurch die Spannung nehmen würde. (Was allein rein Wissenschaftlich betrachtet schon schwachsinn hoch zehn ist. Aber wenn es eines gibt, was garantiert unendlich ist, dann ist es die Dummheit der Menschen.) Von daher komtm man manchmal in Situationen, an denen das Ende zuerst für einen aufkommt. Schcksal, der dritte Band der Westrin-Trilogie, ist so ein Moment für mich gewesen.

Das ist der Grund, warum ich jetzt von Anfang an eines sagen muss: Ich war nicht sonderlich begeistert von der Geschichte, wie sie sich mir im dritten Band eröffnete. (Allerdings muss man dan noch hinzufügen, dass sehr vieles sich eigentlich interessant anhörte, wenn man die Werbung der beiden Vorgängerbände verfolgt hat.)

Doch woran liegt das? Sehen wir uns einfach mal die Geschichte und das Setting dieses abschließenden Bandes an.

Setting-Mäßig haben wir es hier mit einer fantik angehauchten Welt zu tun, in der diverse Fraktionen auf eine Änderung des bestehenden Systems erneut hinarbeiten. (Der Punkt bei der Sache ist, dass zehn Jahre bevor die Handlung dieser Geschichte beginnt das westrinische Kaisereich von dem Königreich der Ferchino aus dem Süden geplättet wurde und von der einstigen Herrschaftsfamilie nur noch ein Zwillingsgeschwisterpaar übrig geblieben ist.)
Die Geschichte hangelt isch dbaei über verschiedene Gruppen, die entweder auf der einen oder anderen Seite dieses bevorstehenden Krieges stehen und betrachtet die Handlungen besonderer, scheinbar ikonischer Charaktere, die jeweils ihren Teil zu den bevorstehenden Schlachten beitragen.
Wir hätten dort die Clans unter ihrem Hochkönig Fearghas, der einen unheiligen Packt mit dem Geist seines verstorbenem Vorgängers eingegangen ist und seitdem im Stummen zwiegespräch mit diesem sich austauscht.
Wir hätten das Geschwisterpaar Dalmatius und Nysa, die ein Bündnis mit dem Sultanat der Al-Asmari ausgehandelt haben, welche im Krieg, der zum Untergang des Westrinischen Kaisereichs geführt hatte, bereits eine entscheidene Rolle spielten.
Dann wäre da noch Origen vom Orden der Athanatoi, Leprakranke, die ihr verbliebenes Leben dem Krieg egwidmet hatten und derzeit ein Leben in Hölen zurückgezogen führen, in welche sie ihr amtierender Großmeister verschleppt hatte.
Außerdem gibt es noch einen Magier, den derzeit 13 jährigen Kaiser Westrins, der im Exil lebt und an seiner Rolle verzweifelt und es gibt noch zwei Weitere Figuren auf der Gegenseite, zwischen denen die Handlung andauernd hin und her springt. Im Grunde genommen gibt es einen D-Day, an dem die neu ausgehobenen Legions-Truppen des Exil-Kaisers wieder Fuß auf dem Kontinent von Westrin zu setzen versuchen und es gibt eine überraschend gut Infromierte Streitmacht an Gegnern, die diese eindrigenden Truppen in Empfang nimmt. Zeitgleich wird eine weitere Ebene aufgemacht, in der eine dritte Partei eingeführt wird, die zwar von Anfang an an dem gesamten Geschehen in Westrin beteiligt war, aber das alles nur ausgenutzt hatte, um ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Und es gibt eine vierte Gruppe von besonders interessierten Individuen, die allesamt darum bemüht sind, die Ziele dieser dritten Gruppe zu verhindern. Und in diesem ganzen Chaos von Erzählpfäden springt die Geschichte immer wieder hin und her und es kommt, was typisch für den Krieg ist zu einer Menge Toten und verletzten an eigentlich interessant klingenden Orten und irgendjemand gewinnt am Ende auch.

Und vermutlich ist genau das auch das Problem bei der ganzen Sache: Wir haben in dieser Erzählung ein gewalltiges Ensemble an einzelnen Figuren, die eine ganze Menge an Positionen innerhalb der Handlugn abbilden müssen, um auf diese Weise Einblicke in das jeweilige Geschehen zu liefern. Das schwierige bei einer solchen Vorgehensweise, das hier nur all zu stark mal wieder hervobricht, ist der Umstand, dass die Figuren an sich für den Augenblick extrem flach und unzugänglich im Hinblick ihrer Motivationen wirken. (Ich mache nochmal darauf Aufmerksam, dass ich hier nur den dritten Band gelesen habe, ohne jegliche Vorkenntnisse der vorangegangenen beiden Bücher.) Der Punkt bie dieser Vorgehensweise ist, dass sich in diesem speziellen Fall sehr stark an Archetypen bediehnt wird, die man irgendwo schon mal in einer anderen Konstellation gesehen hat. Der Magier mit der gesonderten Mission, der an seiner eigenen Aufgabe verzweifelnde Herrscher, der sein eigenes Schicksal nicht mehr selbst gestallten kann, der ewige Soldat, etc. Das alles funktioniert zwar in den meisten Fällen, verunglückt allerdings in deisem spzifischen Fall für sich allein betrachtet an einer gewissen Stelle, weil die Fäden an sich zwar gut zusammengehalten werden, das eigenen Tempo der Geschichte aber aufgrund des Ziels und der Limitierung an Zeichen unglaublich gehetzt wirkend erzählt wird, dass einem ein wenig die Zeit fehlt, um nochmal einen Blick auf die Landschaft zu werfen. (Ich meine das im übertragenen Sinn. Ich will nicht überbordene Landschaftsbeschreibungen in naher Zukunft lesen, die dann eine verkappte Imitation des Realismus sein sollen.) Der Punkt bie der ganzen Sache ist nämlich: Wenn man von dieser reinen Aufzählung und aufführung von Archetypen mal absieht, stecken in der Erzählung eine gewalltige Menge an eigentlich geilen Ideen.
Der Orden der Athanatoi, der sich dem Umstand bediehnt, dass die Krankheit der Lepra dazu führt, dass man Schmerzunempfindlich ist. Die seelische Vereinigung zweier Großkönige der Clans, der eine Lebend, der andere Tod, aber mit eigenen Zielen, die sich durchaus mit denen des Lebenden in Einklang bringen lassen. Das Trope eines treuen „Dieners“, der für diese Treue mit dem Leben bezahlen muss. Die Überlegung, dass Glauben und Magie nicht miteinander Harmonieren.
Sogar die Endszene, die ein unglaubliches Ritual an einem archaischen Ort beschreibt und am Ende grauenhafte Effekte hervorbringt sollte mir eigentlich gefallen.
Aber genau das schafft das Buch nicht. Zumindest für sich allein stehend nicht. Stattdessen haben wir hier dieses Problem, dass auch Enselble an sich ausmachen: Zu viele lose Stricke, die nicht dicht genug geführt werden, um für sich allein betrachtet überzeugen zu können. Dadurch entsteht ein eher gehetzter Eindruck und in letzter Konsequenz ein irgendwie übereilt wirkendes Ende. (Und auf manche Fraktionen hätte ich liebend gerne nochmal einen Detaillierteren Blick geworfen, nachdem bestimmte Ereignisse überhaupt erst in Kraft getreten waren.)
Statt dessen wird sehr viel Potential ersteinmal in reinen Andeutungen verschenkt, so das man am Ende nicht genau weiß, ob hier eine Person ein eigenes Ziel verfolgte, wie Kalif anstelle des Kalifen zu werden, oder ob hier ein weiterer Hinweiß auf die dritte Partei besteht, die sich eher gemächlich ausbreitet und nur immer dann auftaucht, wenn es gerade darum geht ein paar Tzymisce auftreten zu lassen.
Das alles macht es schwierig, diesen Band für sich alleine auf einen Einwirken zu lassen, um begeistern zu können.

Fazit


Ich bin Entgeistert. Ich weiß für den Augenblick zwa rnicht so genau, woran das liegt, habe aber noch die ersten beiden Bände hier auf der Festplatte, um mir ein langfristiges, nachhaltiges Bild des gesammten Werkes zu machen. Es kann sein, dass mir das Thema nicht liegt, aber für den Augenblick habe ich halt dieses Gefühl, dass irgendwas an der Konstellation hier nicht so ganz funktioniert, wie es eigentlich sollte. Das ist aber gerade deshalb schade, weil ich einiges auf der Basis, die ich als Laie als „handwerklich“ bezeichnen würde, finde, dass ich durchaus als Gut betrachtet. Trotzdem lässt die Geschichte dieses Gefühl eines *mäh* zurück. Wir werden sehen.

Montag, 30. Oktober 2017

Spiel 2017: Clash of the Titans!



Eine kurze Erklärung zu Beginn: Dieser Artikel ist eine kleine Kooperation zwischen den beiden Blog-Projekten Neue Abenteuer und Tilting my World. Aufgrund der Tatsache, dass der Autor (Orakel) zwar mit beiden Projekten grob assoziiert ist, allerdings schwerpunktmäßig keine zwei Artikel schreiben kann, werden hier ein paar Anspielungen gemacht, die zwar durchaus für beide Blog-Projekte zutreffend sind, allerdings mehr Sinn aus der Perspektive von Tilting my World ergeben. Falls der geneigte Leser beim überfliegen dieser Zeilen eventuell ins stocken gerät, so sollte das dadurch erklärt sein, dass er gerade über ein paar Äußerungen gestolpert ist, die einen anderen Bezug gerade voraussetzen.

Die erste Liste vergisst man nie!
Ich habe hier auf dem Blog immer wieder mal kleinere Hinweise über meine alte Vampire-Live-Domäne „Chronik Schattenspiel“ fallen lassen. Bislang war dabei aber nie das abgebrochene Ende der ganzen Geschichte Teil des Ganzen gewesen. Und das soll auch nicht unbedingt hier Thema der gesammten Geschichte sein. Zur Erwähnung sei lediglich so viel gesagt: Wenn man es ganz runter Dampft bestand Chronik Schattenspiel am Ende „nur“ noch aus einem harten Kern aus vier Mitgliedern: Caninus als die Begründende SL, Infernal Teddy, der Spieler des Ventrue Herrn Brand und meine Wenigkeit. Und die diesjährige Spiel war das erste Aufeinandertreffen dieses Kernes seid Jahren wieder. (Teddy hatte mich schon vor einiger Zeit angeschrieben und erwähnt, dass Caninus und Er wieder aus dem Süden der Republik zurück in die Gegend ziehen würden. Und naja: Die Anfrage, ob man sich nicht zum ersten Mal dann für einen gemeinsamen Flaneur über die Messe treffen wolle kam dann etwas später. Und jetzt Samstag war es dann soweit: Da ich sowieso außerhalb meiner normalen „Wohlfühl-Uhrzeit“ auf die Messe zwecks dieses Treffens musste, war ich vermutlich der erste von der ganzen Gruppe, der in Essen aufschlug und noch Früstücken wollte, während er dabei verschlüsselte Hinweise über seinen Aufenthaltsort im Netz hinterließ.
Man muss dabei hinzufügen: Da wir zu viert waren konnte ich meinen bisherigen Plan, einfach auf die Messe gehen und mich treiben lassen, nicht so wirklich durchführen und dementsprechend hatte ich noch am Vorabend eine kurze Liste aus Ständen zusammengestellt, die ich zumindest aufsuchen wollte, aus verschiedenen Gründen. (Und dieses Jahr waren zum ersten Mal auch tatsächlich einige direkte Brettspiel-Stände ganz explizit dabei gewesen, einfach weil ich bei meinem Medienkonsum in letzter Zeit über ein paar ganz interessante Titel gestoßen bin, die mehr oder wneiger als Spiel-Neuheiten angekündigt wordne sind…. und davon habe ich längst nicht alle dann in den Messehallen finden können.)

Tja, es fing mit einem Frühstück an und einem Infernal Teddy, der die Zeichen zu deuten wusste… und wenn das Universum schließlich beim Aufeinadnertreffen der vier Titanen nicht für den Bruchteil einer Sekunde einfach stehen geblieben ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Und als wir dann die heiligen Hallen der Messe betraten war da alles foller unklarer Erwartungshaltungen: Würde man die ausgeschriebenen Listen abarbeiten können? Konnte man es wirklich schaffen zu viert über die Messe zu ziehen, ohne das dabei gerade eben Hoffnungsfroh neu geknüpfte Freundschaften sofort wiede rzerbrechen? Würde vom Prometheus-Games-Stand nur noch ein Haufen Schutt und Asche übrig sein, weil der wütende Mob mit Fackeln und Heugabeln über die versammelte Mannschaft hergefallen ist?
Erklärbär bei No Return
Kurzum gesagt: Es ist… anders, wenn man eine Liste hat, die man abarbeiten will. (Selbst wenn die Punkte nur ein mehr Gucken, als wirklich Kaufen darstellen.) Man rennt fiel, man übersieht manchmal gewisse Standhinweise und ein paar Pukte gibt man auch einfach auf. Und zwischendurch stolpert man auch einfach über komisches Zeug: Wenn ich mich nicht ganz täusche muss es irgendwo zwischen Midnight Syndicate und dem Gale Force 9 Stand gewesen sein, dass wir über einen etwas kuriosen Stand mit einem Rollenspiel Namens „No Return“ gestoßen sind, der eigentlich niemandem von uns etwas sagte: Außer unserem vierten Mann in der Runde, der anscheinend schon mal einen zufälligen Kontakt mit dem Spiel hatte. (Für mich auffällig war nur die Tatsache, dass in der limitierten Special-Edition-Kiste aus irgendeinem Grund ein Fatewürfel steckte, der da keinen Sinn hatte.)
No Return hat Zeug
Gale Force 9 war dann schließlich der Moment, wo man bemerkte, dass Teddy noch ein paar Kontakte in den letzten Jahren knüpfen konnte, die ich bis dahin nicht auf dem Zeiger hatte: Wir trafen auf die ersten beiden Tanelornies an diesem Tag. (Zumindest klingelte bei einem der Benutzernamen bei mir etwas… und im Nachhinein betrachtet bin ich im Moment am überlegen, ob ich nicht die Brille des anderen schon mal gesehen habe. Aber das sind, wie gesagt, nachträgliche Spekulationen.)
Der skandalös-langweilig ruhige Posten von Prometheus Games.
Kein Fackeln. Keine Haugabeln. Kein Mob.
Dafür Marcel Hill.
Wir wurden zwar durch dieses erste Treffen darauf forbereitet, dass nicht sonderlich viel los sein würde. (Und das angeblich niemand von Relevanz da sein würde. Und das die, die da sein würden, eh nichts an Fragen beantworten könnten.) Und… dann stand der Stand von Prometheus Games mit ausreichend Platz für einen erbosten Mob mit Fackeln und Heugabeln davor, sowie einem Marcel Hill hinter dem Tresen und es war weder ein Bild der Verwüstung noch in irgendeiner Weise (angeblich) irgendein größeres Beschimpfungskonzert über die Leute ergangen.
Was war loß? Seid ihr so schlecht organisiert gewesen, dass ihr nicht mal ein wenig Zeit zum pöbeln und Sachen umschuppsen hattet? (Wenn man sich das Internet so durchliest hätte doch eigentlich deutlich mehr Hass diesem Verlag entgegenschlagen müssen… und das sage ich als eher stummer Beobachter der gesamten Entwicklung in der Causa Prometheus Games der durchaus wider besseren Wissens Geld auf Dresden Files geworfen hatte.)
Fütterung der Raubtiere
Nachdem dann Zwischendurch noch die Raubtiere gefüttert worden waren und wir eigentlich auch die meisten Verlage abgefrüstückt hatten ging es dann als Rollenspielabschluss zu System Matters. (Zugegeben: Teddy ist einfach am Stand von Uhrwerk vorbeigelaufen, ohne ihn zu sehen. Zu dem Zeitpunkt war er, wie er mir etwas später gestand, einfach von der gesammten Situation mit dem ganzen Gedränge eher überwältigt gewesen. Und ich habe in einem Anfall von Betriebsblindheit vergessen, dass ich eigentlich auch noch nach einer Ausgabe von „Tales from the Loop“ mich umsehen wollte, das dieses Spiel im regulären Versandhandel gerade vergriffen zu sein scheint. Ich habe ein wenig Geld bei Lamentation of the Flameprincess gelassen, einfach weil ich die gelegentlich schlechten Wortspiele in den Titeln der Bücher honorieren möchte. Diesmal war es „Blood in the Chocolate“, dass meine Aufmerksamkeit geschenkt bekam.) Ich bin mir gerade nicht ganz Sicher, in wieweit Daniel Neugebauer – charismatische Stimme des Podcasts, die nicht so ganz zu seinem Erscheinungsbild passen will – bereits mit Teddy und Caninus bekannt war, aber in diesem Fall war es eh ein großes Hallo plus passender Zoten unter Freunden.
Teddy konnte auf diesem Weg seine Übersetzung von Dungeon World erwerben und ich holte mri den neuesten Titel aus der „kleinen Serie“, Die Liebe in den Zeiten des Seiðr.
Dread wird es wohl aufgrund des Illustrators frühestens Anfang 2018 erst geben. (Der Mann soll sich wohl Zeit lassen.) Das ist gerade für mich eine eher unschöne Nachricht, weil ich gerade auf die Übersetzung von Jenga-Dread (das andere Dread ist zwar schon vor Jahren von allen Plattformen verschwunden, aber die Spezifikation macht zumindest aus meiner Warte immer noch Sinn) warte, seit sie letztes Jahr offiziell nach der Spiel 2016 in einem Live-Stream verkündet wurde.
System Matters & Daniel Neugebauer ohne Stimme.
Unseren Abschluß der Messe machten dann noch die Besuche bei drawlabs (ich liebe diese Larp-Münzen einfach unglaublich) und Q-Workshop mit integriertem Camillo-Besuch. (Wobei ich auch hier noch ein weiteres Gesicht aus dem Tanelorn kennen lernen durfte. Aber wie das so ist: Würde Camillo nicht die Verbindung zum Forum jeweils kennen, würden sich die Leute am Q-Workshop-Stand wohl zwar höflich, aber definitiv bei weitem nicht so interessiert unterhalten.) Wie Teddy an irgendeinem Stand zuvor dem etwas verwirrt dreinblickendem Stand-Betreiber erklärend sagte: Ich habe einen ganz leichten Würfeltick. (Auch wenn ich Chessex Würfel mittlerweile eher über die ästhetische, als die funktionale Note betrachte und daher nicht unbedingt ganz gezielt den entsprechenden Stand immer anlaufe.)

Und den Tag ließen wir dann einfach noch in Teddy und Caninus neuem Domiziel mit einer Testrunde „Doctor Who: Time of the Daleks“, einem Pizza-Bringdienst, den wir definitiv nicht weiterempfehlen werden und der Absicht, in naher Zukunft eine gemeinsame Tisch-Runde starten zu wollen, ausklingen.


Ach ja: Der üblichen Tradition entsprechend (und aufgrund der Tatsache, dass ich – glaube ich – das meiste Geld mal wieder auf der Spiel gelassen habe) mein persönliches „Haul“-Bild.

Montag, 23. Oktober 2017

Review: ES. Kapitel Eins

Wenn man mich fragt, welches Buch von Stephen King ich bislang am meisten bedauere, dann handelt wäre meine Antwort „Es“. Nicht weil das Buch schlecht ist, sondern weil ich bei bislang drei Anläufen es kein einziges Mal geschafft habe, diesen Backstein von einem Wälzer zu beenden. (Ich bin seid ein paar wenigen Wochen in einem vierten Anlauf, habe derzeit etwa 30% der ebook-Version geschafft und bin damit deutlich weiter, als es meine bisherigen Anläufe gebracht haben. Tja, es ist manchmal wirklich schweirig die ganze Zeit einen solchen Wälzer mit sich rumzuschleppen.) Dennoch hatte ich die erste Verfilmung, die irgendwann Anfang der 90er erschienen ist, sehr gemocht. (Auch wenn ich diese Verfilmung natürlich erst deutlich Später auf VHS-Kassette zum ersten mal zu gesicht bekommen habe.) Jetzt ist dieses Jahr, wo der Mann, der den Meisten von uns vermutlich so etwas wie eine Ahnung beigebracht hatte, was Angst ist – Stephen King – siebzig Jahre alt geworden ist, ein wenig stark geprägt mit King-Verfilmungen. Zum einen gab es bereits die Verfilmung des dunklen Turm-Zyklus, die wohl eher mäßig geworden sein soll, zum anderen aber kam überraschend ein Klipp in meine Filterbubble, der eine erneute Verfilmung des anderen Opus Magnum ankündigte: ES!

Und dann beginne jetzt Quasi die Probleme: Wie wir alle bereits bemerkt haben, sind die 80er zurückgekehrt. Mit „Stranger Things“ wurde eine Fernsehserie auf den Markt geworfen, die sich der Tropes und Ästhetik „meiner“ Kindheit bediehnte, dem ganzen ein Übernatürlich Thema überzog und die moderne Erzählweise heutiger Filme nutzte. ES baut auf diesem Ansatz auf.
Was der Film zeigt ist eine Hälfte der Geschichte rund um den „Club der Verlierer“ in Derry: Die Kindheit. (Deswegen heißt es im Abspann auch ES. Kapitel Eins.) Es beginnt 1987 und spielt dann weiter im Jahr 1988. Wir erleben den kompletten Anfang der Erzählung bis zum Tod von Georgie, der für „Stotter Bill“ ein dermaßen traumatisierendes Ereignis war, wie sie King in seiner urspünglichen Geschichte verfasst hatte. (Und zeitgleich fühlt man sich von der gesamten Optik her noch sehr stark an den Auftakt der ersten Verfilmung erinnert, wie sie Tim Currie damals so einprägsam gespielt hatte.) Und danach ist sehr vieles anders.

Zuerst einmal verschiebt sich der Fokus deutlich auf die Einführung der einzelnen Figuren. Wir sehen den letzten Schultag vor den Sommerferien 1988. Bill, Eddie und Richie sind bereits beste Freunde, die einfach nur darüber nachdenken, wie sie die Sommerferien verbringen wollen. Beverly Marsh wird auf einer Schultoilette von den Schulschönheiten mit Gülle bekippt (zumindest wäre es meine Vermutung, dass es das sein soll) und Ben wartet mit einem recht gut gelungenen Gebäude-Modell am Seiteneingang darauf, ob er sicher Henry Bowers ausweichen kann. (Ein Element, für das er sich bis zu einem gewissen Grad zu schämen scheint ist sein Fandom für die US-amerikanische Boygroup „New Kids on the Block“, welche er auf seinem Walkman hört.

Beverly Marsh hingegen kämpft mit einem ganz anderen Problem: Sie ist nicht nur einfach arm. (Was in der ursprünglichen Geschichte neben ihrem attraktivem Äußeren ihr zentrales Problem war.) Ihr wird nachgesagt, dass sie das „Stadtflittchen“ sei, auf dem jeder schon mal rumgerutscht sei. (Das stimmt zwar nicht, zeigt aber bereits, dass der Fokus und die Qualität des Bullyings, was an den Schulen betrieben wird, deutlich näher in die Gegenwart geholt wird.)

Und dann beginnt der Club der Verlierer immer weiter die übliche Geschichte miteinander zu erleben, wie man sie sich halbwegs vorstellen kann: Die Jungs lernen sich kennen und wachsen irgendwie zusammen. Anders als es noch im Roman der Fall war, kommt abe rnicht die Szene des Dammbaums mit hinein, sondern es gibt immer wieder einzelne, kleine Momente, wo die jeweiligen Figuren aufeinandertreffen, während sie auf der Flucht vor Henry Bowers sind. Insofern scheint eben nicht die Tatsache, dass die einzelnen Figuren an einem Projekt miteinander die eigenen Fähigkeiten aufbauen, sondern viel mehr das geteilte Leid unter Henry Bowers das Element zu sein, dass sie in erster Linie zusammenführt und anschließend gemeinsame Aktionen, die durch die Aktivitäten von Pennywise herbeigeführt werden,

Allgemein verändern sich darüber auch die jeweiligen höllenmomente der jeweiligen Figuren:
Bill wird von Georgies Tot heimgesucht und hat darüber eine Bessenheit entwickelt, mit der er versucht jeden nur erdenklichen Aspekt zu identifizieren, wie man seinen verschwunden Bruder wiederfinden könnte.
Beverlies Hölle auf Erden ist zwar auch hier der Vater, jedoch – wie es im Zusammenhang mit der üblen Nachrede passiert – ist ihr Vater eher ein angedeuteter Pädophiler, der seine Tochter eventuell Missbraucht. (Oder kurz davor steht, den finalen Übergriff zu begehen. So ganz klar kommt das bei dem Film nicht herüber.)

Wichtig ist hierbei allerdings der neue Fokus auf Henry Bowers, dem mit einem mal deutlich mehr Hintergrund zugesprochen wird. War Bowers in den Erzählungen bislang nur angedeuteter Weise ein Opfer seines Vaters gewesen, dass seinen Frust an schwächeren Auslies, erlebt man in diesem Film genau diesen Vater (und seine Erziehungsmethoden) deutlich besser. Alldings verändert sich hierbei die Täter-Opfer-Rolle auch nochmal dermaßen, dass klar wird, warum Bowers nur all zu leicht gewissen Einflüsterungen nachgibt.

Und dann wäre das am Ende Pennywise, der tanzende Clown. Das Monster Es, dass Derry alle siebenundzwanzig Jahre heimsucht. Abgesehen davon, dass dieser Film einen unglaublichen Aufwand betreibt, um mit CGI-Effekten das beklemmende Gefühl der Geschichte zu transportieren und den Zuschauern dieses gefühl von verlorensein durch Zahlreiche Angstmomente hervorzubringen, die zwar im Kern sicherlich nicht neu sind, aber unglaublich Überraschend eingesetzt werden, um den Zuschauern Angst einzujagen, wird in den eigentlichen Momenten, wo nur der Schauspieler zum Einsatz kommt ein Mann namens Bill Skarsgård eingesetzt, der wohl erst in den letzten paar Jahren dem durchschnittlichen Zuschauer aufgefallen sein dürfte. Und dieser Skarsgård verkörpert einen anderen Pennywise, als es Currie noch in den neunziger Jahren getan hat. Dieser Pennywise hat nichts mehr vom klassischen Bozo der Clown an sich, sondern ist vom ersten Moment an nichts anderes als ein bösartiges Monster im Clowskostüm, dass dem erwachsenen Zuschauer Angst einjagdt. Und das in jedem einzelnen Bild, in dem er Auftritt. Die Kameraführung, die komplette Bildgestaltung (und weiß der Geier, was da noch alles in der Postproduktion mit eingeflossen ist): Jedes einzelne dieser ganzen Details sorgt dafür, dass die einzelnen Auftritte von Pennywise so dermaßen beängstigend sind. (Wenn man dazu noch die seltsamen Fernsehshows mit einberechnet, die immer wieder im Hintergrund laufen und wohl das Kidnerprogramm sein sollen, hat man schließlich das Geüfhl, dass Pennywise nur der kleinere Avatar eines gewalltigen Bösen darstellt, welches die Stadt Derry an sich verkörpert.)

Man bemerkt wohl, dass ich von dem Film insgesamt in der Art, wie er gemacht wurde, unglaublich begeistert bin.

Allerdings: Es gibt leider einige Stellen, die wirken unglaublich konstruiert und gehetzt. Dadurch, dass hier sehr stark von der Vorlage abgewichen wurde, um Es als Film zu erzählen, veränderte man natürlich dadurch auch das ganze Konstrukt „Es“ zu einem gewaltigen Grad. Und daurch verändern sich auch bestimmte Vorbedingungen: Ich kann jetzt nur darüber spekulieren, dass die Zielgruppe der zynisch gewordenen Millenials nicht mehr undbedingt etwas mit einem Pennywise anfangen kann, der dadurch, dass er seine Macht über seine Opfer aus deren Vorstellung bezieht, auch durch die Vorstellungswelt dieser Opfer innerhalb der ersten Begegnung verwundbar gemacht wird. So ist hier nicht mehr die Sichtweise auf einen bestimmten Gegenstand eine mögliche Lösung, Es zu besiegen, sondern nur noch stumpfe Gewallt, aber trotzdem bleibt ein unglaublich Bildgewaltiger Film übrig, der in einer Zeit spielt, an die wir uns noch teilweise selbst sehr gut erinnern können.
Ich kann jetzt natürlich nur spekulieren, aber ich schätze mal, dass das Buch Es, als es damals erschienen ist, seine Zielgruppe bei den Lesern hatte, die ihre Kindheit tatsächlich zu den beschriebenen Zeitangaben erlebt hatten, die der ursprüngliche Club der Verlierer als Kindheit erfasste, stellt der Film jetzt uns als die entsprechenden Kameraden an die Seite der Hauptfiguren.

Fazit

Wenn ich eine Vermutung äußern soll: Ich glaube, dass man recht früh erkannt hatte, dass dieser Film nur funktionieren kann, wenn man die beiden Zeitebenen trennt. Wir alle haben den gewalltigen Wälzer vor Augen, den Es als Taschenbuch darstellt. Wir wissen, wie gehetzt letzten Endes die 90er Verfilmung war. Und selbst hier haben wir gesehen, wie unglaublich viel umgeschrieben und neu interpretiert werden musste, damit die Geschichte auf der großen Leinwand funktioniert. (Und dabei haben wir es hier sogar mit einem Streifen von Überlänge zu tun.)
Was am Ende übrig bleibt ist ein runder, in sich abgeschlossener, beängstigender Grusel-Schocker, der auf die gesammte Trickkiste zurückgreift. (Leider inklusive gewisser Jump-Scares, die in den letzten Jahren immer mehr überproportional eingesetzt worden sind, aber leider ist der subtile Horror über die Jahrzehnte Horror-Kino konsums immer schwieriger geworden einzufangen.) Folglicherweise bleibt eigentlich nur das Spiel mit der Erwartungshaltung, soweit man das Ganze dann nutzt. Und das hat der Film sehr gut dann getroffen. Die Darsteller sind hervorragend gewählt, das Kostümdesighn ist definitiv nicht das, was man normalerweise erwarten würde. Und über Skarsgård habe ich glaube ich schon genug geschwärmt. Es bleibt also abzuwarten, ob sich das erste Kapitel von Es genug an den Kino-Kassen rentiert, um überzeugen zu können, dass Kapitel zwei Produziert wird. (Und das sie dann mit ähnlich viel Liebe zum Detail diesen zweiten Teil produzieren werden.) Aber selbst wenn nicht: Dieser Film, erstes Kapitel hin oder her, ist überzeugend genug, um allein für sich stehen zu können.

Von daher bin ich in letzter Zeit selten dermaßen begeistert aus dem Kino herausgekommen, wie in diesem Fall.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

[Blog-O-Quest] Okt‘17: Finsteres & Finsterlinge

Okay… mal wieder ein Monat mit der Blog-O-Quest. Diesmal hat sich Nerd-Gedanken mal wieder hingesetzt und sich auf den offensichtlichen Themen-Schwerpunkt des Monats Oktober gestürzt. (Oder zumidnest habe ich das Gefühl, dass es in diese Richtung gehen sollte.) In diesem Sinne sprießen alle Jahre wieder die Horror-Themen im Internet.

Die Fragen:

1. Was war die bösartigste Intrige gegen die Heldengruppe Deines Charakters/Deinen Charakter, die Du bisher im Spiel erlebt hast - und wie ging die Sache aus?

Ahm… das ist jetzt etwas schwierig zu sagen. Im Grunde sind wohl nicht so viele wirkliche Intrigen innerhalb meiner Runden in diesem Sinne passiert. Ich meine, da gab es zwar hier und da die kleinen Mätzchen, die man sich gegenseitig an den Kopf wirft, aber wirkliches Intrigantenspiel ist da wohl weniger wirklich passiert.
Wenn man jetzt mal rein vom Plott her ausgeht, dann gibt es vielleicht einen kleinen Aspekt, der eine Kurzkampagne gegen Ende Upside-Down aufstellte: Innerhalb der Werwolf-Runde, in der mein Charakter die Ragabash Sarah Alena Zahn war, welche schon ein paar mal hier auf dem Blog in letzter Zeit Erwähnung gefunden hatte, gab es einen SLC, die ebenfalls Ragabash war. (Unseren Informationen nach kurz vor der ersten Verwandlung.) Wir bildeten mit diesem SLC ein seltsames Verhältnis zu unserer Runde, weil wir es mit einem Teen-Age rzu tun hatten, die eigentlich auf gar nix Bock hatte und am laufenden Meter davon lief. (Ein mehr oder weniger unbedachter Kommentar dieses SLCs
triggerte bei mir zwar die fixe Idee, dass meine Ragabash die junge Dame zur Schülerin in ihrer Profession machen würde, aber daraus wurde nicht so schnell etwas.)
Der zentrale Punkt bei der ganzen Angelegenheit war nur: Wir hatten zum selben Zeitpunkt ein kleines Tänzer-Problem und nachdem wir es endlich geschafft hatten in den Schatten-Caern vorzudringen saß dieses verdammte Blag auf dem Tron der Anführerin.

2. Gefährliche Augenblicke bei Rollenspielszenen wollen passend untermalt werden. Was bringt Dich in Spannungs-Stimmung, wenn Du Spieler bist? Welche spielexternen Mittel nutzt Du als Spielleiter, um deine Spieler das Fürchten zu lehren?

Das wird…. schwierig. Ich bin bei den meisten Hintergrunduntermalenden Methoden zu sehr mit meinem eigenen Gehirn beschäftigt, das spontan anfängt Blödsinn auszugeben, dass ich nicht mehr am Spielgeschehen so wirklich partizipiere.

3. Hast Du schon einmal einen Charakter in einer 'böse' gesinnten Heldengruppe gespielt? Wenn ja, wie erfolgreich waren die Heldencharaktere beim Lösen ihrer Aufgaben? Wenn nein, hättest Du Lust, es auszuprobieren? Wenn Du keine Lust darauf hast, wieso nicht?

Nein, aber ich war schon mal die chaotisch-böse Priesterin in einer ansonsten eher guten Gruppe im Rollenspiel Hackmaster… was zur Folge hatte, dass mir diese Runde anschließend verboten hatte a.) irgendwas mit dem alighnment „Böse“ zu spielen und b.) weibliche Charaktere zu spielen. (Ich wahr wohl in beidem zu überzeugend.)

4. Was macht Deiner Meinung nach einen gelungenen, schurkischen Bossgegner aus, damit er mehr als gesichtslose Metzelmasse mit vielen Lebenspunkten ist?

Nochmal der Hinweiß auf die Werwolf-Rudne von weiter oben: Führe den Schurken so ein, dass du eine Beziehung zu dem entsprechenden SLC hast. Es trifft alle beteiligten deutlich stärker, wenn der Gegener ein Freund ist, der dir in den Rücken fällt.

5. Welches Schurkenklischee kannst Du gar nicht leiden, wenn es Dir bei einem Plot begegnet - und warum?

Da kann ich im Moment gar nichts zu sagen. So wirklich bewusst ist mri da im Moment eigentlich nichts.

Bonusfrage:
Richtig düster wird es für mich beim Rollenspiel, wenn ______________ .

Bei dieser Frage habe ich gerade das drigende Bedürfnis zum Dork Tower zu gehen und einen bestimmten Comcistrip rauszukramen… der dummerweise deutlich einfacher wieder zu finden war, als der Rundum Igors Würfel.

Ich kann jetzt nicht sagen was bei mir dieses Gefühl von Gänsehaut triggert. Es passiert einfach und wenn es dazu kommt ist es toll. Aber ansonsten spielt man ja auch, um in erster Linie Spaß zu haben, von daher ist es auch nicht so wichtig, das die Stimmung am Spieltisch jetzt unbedingt ins dunkle auf teufel komm raus überspringt.

Montag, 16. Oktober 2017

Rezension: Blutige Balladen (Hack/Slash 04)

Cover: Blutige Ballden
Hack/Slash 04
Verlag: crosscult
Ich glaube ich hatte bereits erwähnt, dass die Serie Hack/Slash von ihrem ursprünglichem Vorgehen, eine lose Ansammlung an Mini-Serien zu sein, sich langsam zu einer zusammenhängenden Serie mit Meta-Plott umorientiert hatte, oder? Dann haben wir mit diesem vierten Band ein ziermlich undurchsichtiges Experiment vor uns, da die erzählten Geshcichten im Zusammenhang etwas wirr wirken: Zum einen haben wir hier nämlich nicht nur keine Zusammenhängende Erzählung an sich vorliegen, sondern darüber hinaus auch noch eine ganze Menge Chaos durch einen experimentellen Stilwechsel in einer Geschichte.
Jedoch fassen wir mal zusammen: Es fängt damit an, dass ein junger Wissenschaftler sein Frühkindliches Trauma, dass durch ein paar Tittenmagazine verursacht wurde, plötzlich Untot gegenüber steht und immer noch eine gewisse Obsessivität für die ehemalige Schönheit aufbringt.
Dieser Erzählstrang, der dann die dritte Geschichte in diesem Band ausmacht wird anschließend von der Geschichte „Doppel Date“ unterbrochen. Das ist eine Geschichte, die im verschlafenem Städtchen Haver Hill passiert. Aufhänger ist, dass Cassie und Vlad Hinweise auf erneute Aktivitäten von Father Wrath finden, der sich in Richtung der Ortschaft in einer klaren Linie durch die Staaten gemordet zu haben scheint. Das Problem bei der ganzen Sache ist nur: Haver Hill ist eine Kleinstadt, die Stilistisch zu sauber ist, um den üblichen Realismus der Hack/Slash-Comcis zu haben und dementsprechend verändert sich die Zeichenweise der Geschichte über lange Strecken auf eine Weise, die am Ehesten an die Cover erinnert, die ich von den Archei-Comics gesehen habe. (Und dementsprechend wirkt das Ganze so, als sei dieser Part der Geschichte eigentlich aus einer Comic-Reihe entsprungen, die „Unser Freund Taber“ heißt.) Es geht über weite strecken darum, dass ein Haufen Musterschüler sich auf den großen Abschlußball vorbereiten. Und in dieses Szenario Platzen dann Cassie, Hack und Father Wrath rein, die irgendwie extremst verniedlicht wirken. (Während man die ganze Zeit über andeutet, dass die Musterschüler gar nicht so Musterhaft sind, sondern nru darauf warten, dass irgendjemand „endlich“ übergreift.)
Die dritte Geschichte, der „Bade-Club“, handelt von einer Gruppe lesbischer College-Schülerinnen, die etwas zu tief in die vertiefte Esoterik in Kombination mit der Geschichte der Blutgräfin gesehen haben und jetzt von einem ehemaligen Mitglied, dass zum Slasher wurde heimgesucht werden. Außerdem wird hier eine Militär-Einheit erstmalig eingeführt, welche ebenfalls Jagd auf Slasher macht. Das ist auch der erste Moment, an dem Cassier hinweise auf das Werk ihres Vaters erhält. (Eine Geschichte, die in dieser Form schließlich in „Re-Animatoren“ zu Ende erzält wird.)
Die abschließende Geschichte „Kleine Kinder“ schließlich, beschreibt die erste Färte, auf die Cassie und Vlad auf der Suche nach Cassies Vater stoßen. Sie stolpern über das verlassene Haus eines ehemaligen Kollegen von Cassies Vater – Jack Hack – das von verwilderten Kindern angegriffen wird. Das zentrale Element bei dieser ganzen Geschichte ist aber die Tatsache, dass die eigentliche Geschichte über Tagebuchaufzeichnungen erzählt wird, und weniger über die Gewallt des wilden Rudels, dass hier angreift.

Technisch betrachtet ist dieser Band wohl in erster Linie als eines zu bezeichnen: Drama pur!
Bis hierhin waren Slasher die meiste Zeit über eigentlich einfach nur das klassische Wesen, dass aus den Film-Vorbildern entsprungen war. Durch den Wechsel vom für die Comci-Serie wichtigen, klassischen Untoten hin zu Opfern menschlicher Handlungen kommt eine andere Komponente ins Spiel, die das Genre normalerweise eigentlich nicht hergibt. Das ist gerade deswegen spannend, weil auf diesem Weg jetz tmit einem mal doch das Horror-Motiv mehr ausformuliert wird und Cassie und Vlad Thematisch mit einem mal selbst zu den Monstern werden, die sie eigentlich die ganze Zeit über bekämpft hatten. (Ich meine in meiner Rezension zum ersten Band bereits Kritisch angemerkt zu haben, dass Slasher eigentlich psychopathische Menschen von der Genre-Definition her sind und keine Untoten, wie es die Comic-Serie formulierte. Das war für die moralische Dimension nachvollziehbar, aber jetzt, mit der größeren Popularität, schien man Seitens der Produzenten etwas mutiger zu werden und thematisiert (hoffentlich, da ich selbst die Serie in ihrer ursprünglichen Erscheinungsweise damals nicht mehr weiter aboniert hatte) jetzt mit einem mal doch die Bedeutungsebene, dass Cassie und Vlad in ihrer Monsterjagd technisch am laufenden Meter Morde begehen, für die sie eigentlich nach positivem Recht (ich habe es anscheinend gerade mit diesem Begriff) verurteilt gehören.

Fazit


Aus einer etwas finstereren „Monster-of-the-Week“-Geschichte, die grobe ähnlichkeiten mit Buffy oder Supernatural vom Setting her aufweist, wird mit einem mal großes Drama, das jetzt neu zu betrachten und von den daraus folgenden Ergebnissen zu bewerten ist. Der blutige Ansatz, der den Satirischen Umgang mit dem Slasher-Genre hergiebt, bleibt dabei natürlich weiterhin erhalten. Aber gerade dadurch, dass dieser Band hier einiges gerade andeutungsweise umdefiniert wird es erstmal spannend um zu sehen, wie sich das Ganze weiterentwickelt.

Montag, 9. Oktober 2017

Rezension: Battle Angel Alita Band 9: Hyper Future Vision

Cover: Hyper Future Vision
Battle Angel Alita 9
Verlag: Carlsen Comics
Der neunte Badn der Reihe Battle Angel Alita ist auch der Abschließende Band dieser Serie. Auf eine sehr komprimierte Art und Weise werden diverse noch ausstehende Geschichtsstränge zu Ende verknüpft und erzählt: Kaos und Alita stellen sich Nova, der bereits seinen Deal mit Zalem abgeschlossen hat und eigentlich nur noch darauf wartet einen Weg zu finden, diesen letzten bereich zu finden. Damit verbunden sind aber unzählige letzte Opfer: Sowohl Kaos, als auch Den finden ihren letzten Kampf, der sie in stummer Zwiesprache inmitten des Schrottplatzes ein letztes Mal aufeinandertreffen lässt. Diesmal follens einander bewusst.
Alita erliegt in der Zwischenzeit einem Bombenanschlages, nur um schließlich Zalem wieder zu sich zu kommen: Und durch die entsprechenden letzten Offenbarhungen wird mehr und mehr das Vermeitliche Paradies als eine Hölle offenbart, in der selbst die Bewohner nur noch ihr eigenes Ableben suchen.
Der Punkt bei dieser Sache ist, dass so langsam letzte Fragen beantwortet wurden und dabei bestimmte Punkte etwas überhastet erzählt wurden. Letzten Endes läuft die Geschichte hierbei auf die Variante „durchgeknallte künstliche Intelligenz“ hinaus.

Die Geschichte mit den ganzen Cyborgs wird dabei immer mehr zu eben diesem einen Bild: Eine Welt die beständig ihre Werte über Bord geworfen hat und jeden auf der Strecke liegen lässt. Kein hübsches Bild, aber trotzdem als solches zu begreifen. Was übrig bleibt ist dann in gewisser Weise nur noch ein letztes Opfer und ein wundersamer, wenn auch gerade für japanische Geschichten gefühlt ungewöhnliches Happy End.

Fazit

Dieser Band ist in seiner Art irgendwie gehetzt. Man kriegt hierbei mit, dass bestimtme Elemente nicht so ganz zu dem Zusammengeführt worden sind, was eiegntlich Plan der ganzen Geschichte war. Und in diesem Zusammenhang wird trotzdem eine Erzählung zu Ende gebracht, die zumindest halbwegs zufriedenstellend ist. Die Geschichte machte bis zu diesem Zeitpunkt mit ihrer stellenweise hoffnungslos übertriebenen Gewaltdarstellung Spaß zu lesen. Jedoch muss man eines sagen: Das Ende ist Hoffnungsloser Kitsch hoch Zehn.

Warten wir also einfach „Last Order“ ab, und schauen nach, was sich dort ergiebt.

Montag, 2. Oktober 2017

Rezension: Battle Angel Alita Band 8: Kriegschroniken

Cover: Kriegschroniken
Battle Angel Alita 08
Verlag: Carlsen Comics
Vor einer mittlerweile gefühlten halben Ewigkeit habe ich – noch aktiv im Rezensionteam der Blutschwerter – mal damit angefangen meine persönliche Lieblingsserie – und zeitgleich Einstieg in den Manga-Bereich - „Battle Angel Alita“ zu rezensieren. Dummerweise ging damals einiges den Bach runter und eine Zeit lang dachte ich tatsächlich, dass ich diesen Band beim pendeln im Zug hatte liegen lassen. (Außerdem hatte ich im letzten Jahr Geld in die Hand genommen und versucht ein paar Serien, die ich damals nicht verfollständigen konnte, nach Möglichkeit zu komplettieren.)

Der siebte Band der Serie endete damit, dass Alitas neuester Freund sich als gespaltene Persönlichkeit erwies, die von Professor Nova – dem großen Wiedersachen dieser gesammten Geschichte – in zwei Körper aufgeteil wurde: Kaos, der durch seine Psychometire in einer gewaltigen Existenzkrise steckt und Den, den Anführer der Barjack, der Zalem den Krieg erklärt hat. Dieser Band ist jetzt in drei Erzählsträngen aufgeteilt: Das versagen Dens, was seine Ziele angeht, aus der Sicht eines dokumentierenden Journalisten, der als Chronist für die Barjack antritt.
Der andere Erzählstrang ist Kaos, der sich alleine Professor Nova stellt und dessen Wahnsinn erfassen muss.
Der dritte und wichtigste Part der gesamten Erzählung ist aber wieder auf Alita fokussiert. Um genau zu sein, wird hier eine weitere Existenzkrise Alitas geschaffen, die sie zum einen erneut verwundbar macht und zum anderen auf ein weiteres Herausfordert: Der Ido-Geschichtsstrang findet in diesem Band ein entgültiges Ende in der Erzählung, der aber auch wieder nur ein Forshadowing auf etwas anderes ist, was noch von größerer Bedeutung sein wird. Das andere ist, dass hier offenbart wird, warum Zalem Alita als „Tuned“ für ihr Programm haben wollten. Und dieses Programm ist jetzt der entscheidende Wendepunkt des gesamten Krieges: In Form von 12 neuen Individuen, die erwähnt werden.

Man kann diesen Band hier also als Abschluß betrachten, bevor es mit etwas neuem in der Ursrpünglichen Planung weiter gehen sollte. (Allerdings werde ich das weiter erklären, sobald ich dazu gekommen bin mit der „Last Order“-Serie hier anzufangen.) Der Punkt bei der ganzen Sache ist, dass gerade in diesem Band immer mehr über das Thema von „Entscheidungen“ im weitestgehenden Sinne aufgegriffen wird und dabei eine etwas abstruse Bildsprache aufgezeigt wird, wie Wichtig in dieser Hinsicht anscheinend der Verstand zu sein scheint. (Und gerade dieser Punkt des Verstandes sowohl in seiner zerbrechlichsten Form als auch unter der Thematik der Entschlossenheit alles zu überwinden wird zumindest für die Reihe Battle Angel Alita selbst noch sehr Wichtig sein, um alles abzuschließen.

Fazit


Ich habe jetz tgerade nochmal einen Marathon durchgemacht, mich durch die komplette Serie von BAA durchgekämpft um wieder zu den Kriegschroniken zu gelangen. Aktuell verstehe ich durchaus, was mein Ich, dass damals kurz form Abitur stand als ich zum ersten Mal mit Alita in Kontakt kam, so begeistert hatte. Aus meiner jetzigen Perspektive hat sich aber einiges verändert: Ich mag die Serie immer noch, sehe aber eine Menge Schwachstellen in der Erzählung selbst. Dafür entdecke ich irgendwie am laufenden Meter neue, seltsame Aspekte in der grafischen gestalltung der einzelnen Panels, die mir so vorher nicht aufgefallen waren. Irgendwie ist es auch ein gewisser guilty Pleasure, der hier mitschwingt, dass ich mich immer noch für eine dermaßen stumpfe, gorige Geschichte begeistern kann.

Montag, 25. September 2017

Von der Begehrlichkeit des schlechten Scherzes

Eigentlich wäre dieser Artikel vermutlich die unglaublich passenste Gelegenheit, um am ersten April mal etwas Sinnvolles zu schreiben. Währe da nicht vollgender Umstand: Am ersten April sind alle damit beschäftigt mit Äxten bewaffnet durch die Gegend zu laufen und ihren dümmeren Mitmenschen mit einem lauten, sarkastischem „April, April!“ den Schädel einzuschlagen. Weil man den ersten April leid ist.

Und dann gibt es den Umstand, dass es aktuell diesen Unglaublich aktuellen Grund gibt, warum ich diesen Artikel im Moment schreiben wollte. Die Tage kam bei mir ein kleines Paket an, dass das nicht ganz zutreffende Endergebnis eines beinahe über ein Jahrzehnt in mir heimlich vor sich hingrummelndes Verlangen nach dem entsprechendem Produkt befriedigt. Fangen wir also erst einmal mit einem Bild an, dass den entsprechenden derzeitige zustand erkennbar macht.
"My little Pony. Tails of Equestria" von 2017 meets
Kindheitserinnerungen auf VHS 

Links auf dem Foto sehen wir die aktuelle, deutsche Übersetzung des „My little Pony: Tails of Equestria“-Rollenspiels, das Ulisses Spiele in Zusammenarbeit mit dem englischen Spieleherrsteller „River Horse“ herausbringt. Das Objekt rechts daneben ist eine typische VHS-Hülle, wie sie bis in die späten 90er noch verwendung gefunden hatte, eher die DVD vollkommen den Markt durchdrungen hatte. (Jetzt fühle ich mich alt, weil ich erst vor kurzem das dritte Filmträger-Medium für den Heimkino-Bereich aufgegriffen habe.) Der punkt bei der Sache ist, dass meine Schwester und Ich, als wir noch klein waren diese Kassette (und zwei weitere, die ebenfalls Pony-Geschichten in Zeichentrickform zeigten) sehr oft rauf und runter gesehen haben. Das waren zwar nicht die einzigen Video-Kassetten in unserem Haushalt, die eigentlich irgendwo in den Bereich Mädchen-Spielzeug-Crosspromotion fielen und von mir geschätzt wurden, aber da der Auslöser für diesen Artikel eben my Little Pony war, kann ich jetzt darauf zurückgreifen. (In einem Paralel-Universum siniert eine andere Form von mir vermutlich gerade über Lady Lockenlicht, Regina Regenbogen oder die Glücksbärchis.) Wie ich mit sehr viel Mühe festgestellt habe muss es so um 2006 herum passiert sein, dass Wizards of the Coast unter dem Titel „Desighn & Development: Here come the Ponies“ einen – soweit wie ich mich erinnern kann – in Cooperation mit Hasbro erstellten Aprilscherz ins Internet setzten, der ein „My little Pony. Role Playing Game“ ankündigte. (Der ursprüngliche Artikel von WotC selbst existiert schon längst nicht mehr. Darum habe ich hier nur auf den Thread in den Blutschwertern verwiesen, in dem der entsprechende Schock von damals sich zum Ausdruck brachte… und meine erste sehr positive Reaktion auf diese Idee auch noch nachzulesen ist.) Immerhin dauerte es danach noch über ein Jahr, bis die Idee deutlich breiteren Anklang fand. (An dieser Stelle muss ich übrigens gerade breit grinsen, dass der zweite Thread zu dem Thema dann ausgerechnet von Infernal Teddy stammte. Anscheinend teilen wir beide schon deutlich länger gemeinsame Interessen, als uns selbst bewusst ist.) Jetzt kann man natürlich einwerfen, dass in der Zwischenzeit einige Fan-Adaptionen wie Unknown Ponies: Failure is Awesome RPG auf Grundlage von Unknown Armies oder auch Ponyfinder für Pathfinder erschienen sind. Aber wie bei allen Dingen im Leben: Gefühlt ist so eine Adaption mit abgefeilter Seriennummer nicht das Gleiche wie ein Produkt mit dem offiziellem Segen des Herstellers.
Und somit habe ich jetzt über zehn Jahre warten müssen, bis dieser April-Scherz endlich in die Tat umgesetzt worden ist! ZEHN VERDAMMTE, LANGE JAHRE!
Das Mockup-Bild des "My little Pony. Role Playing Game"

Jetzt möchte ich natürlich nicht behaupten, dass ausgerechnet der oben erwähnte April-Scherz der Auslöser für das heutige Buch ist, dass ich in Händen halten kann. Aber dieses Narativ ist halt eben der passende Auslöser für eine andere Beobachtung, die ich über die Jahre gemacht habe, und die mir in dieser Form erst im Hier und Heute der derzeitigen RPG-Industrie dann tatsächlich und wirklich existierend über gerade mal ein paar wenige Jahre aufgefallen ist: Wir befinden uns hier in Deutschland an einem Punkt, wo mit einem mal die für Aprilscherze aufgemachten Mock-Ups entweder in genau der entsprechenden Form, oder aber in einer (aus welchen Gründen auch immer) leicht abgewandelten Form erschienen sind. Und wenn ich mich jetzt zurücklehne und darüber nachdenke kommt mir halt die Frage: Woher kommt das jetzt genau? Ich meine: Irgendwann muss sich eine Änderung im Bewusstsein für diese Art von schlechten Witzen doch herauskristallisiert haben, dass der kreativen Leistung, die die Ankündigung eines fiktivem Produktes mit einem mal ein gewisser Kaufwillen entgegengebracht wird. (Und wenn ich ganz ehrlich bin: ich werde das Gefühl nicht los, dass DrivethruRPG.com eine ganze Menge damit zu tun haben könnte. Und White Wolf.) Um eines vorwegzunehmen: Ich kann keine wirklichen harte Fakten zu dem Thema heraufbeschwören. Von daher versuche ich hier nur spekulativ eine Erklärung herbeizuextrapolieren, die für mich zwar schlüssig ist, aber vermutlich durch ein paar andere Links nochmal anders dargestellt werden kann.

Bekannt ist, dass Drivethrurpg.com von wenigstens einem der Gründer von White Wolf mitbegründet worden ist. Und es ist fast schon auffällig, dass die Fusion von Drivethrurpg.com und rpgnow.com zu „Onebookshelf“ ausgerechnet im selben Jahr passiert, indem der Verlag White Wolf vom Computerspiele-Hersteller CCP aufgekauft wird. (Es gab also zumindest in der Anfangszeit zwischen diesen Beiden Firmen vermutlich noch persönliche Kontakte und damit verbunden auch Interessen, die über die professionelle Geschäftsbeziehung hinaus gingen.) Ich erwähne das jetzt nur, weil die ersten, praktischen Aprilscherze auf dieser Ebene tatsächlich einen White Wolf-Bezug im weitesten Sinne haben. Mir fielen Spontan nämlichen Scion: Extras - Supplemental (Yet Can Be Somewhat Useful On Occasion) Scions von 2013 und die Dudes of Legend von 2010 ein. (Zumindest sind das PDFs deren Existenz als April-Scherze ich in den entsprechenden Jahren aktiv mitbekommen habe.) Außerdem fiel mir auch noch ein, dass ich im Zusammenhang mit den Dudes in einem entsprechendem Forum noch den Nebensatz „traditionell aufwendig gestalteter April-Scherz von White Wolf“ mal gelesen habe… und stolperte daher bei weiterem Suchen über „Shadows of Iceland“ aus dem Jahre 2008. Der Punkt bei all diesen Sache ist der, dass hier zwar „nur“ Ausschnitte aus fiktiven Publikationen, die niemals so wirklich erscheinen würden, präsentiert werden, die gewählte Form der Präsentation, die White Wolf hier betrieben hat, aber dermaßen aufwendig ist, dass sie tatsächlich davon überzeugen kann, man hätte hier ein echtes Produkt vor sich. Allein die Existenz dieser PDFs setzt aber sehr viele Faktoren vorraus, wobei die basalsten natürlich auf den wirtschaftlichen Punkten stehen, die immer noch dazu führen, dass PDFs an sich kein Wert im eigentlichem Sinne beigemessen wird: Es ist im Verhältnis zur regulären Druckerfahne unglaublich viel einfacher, diese Dinger zu Layouten und über den elektronischen Vertriebsweg ist der Kostenfaktor, den die Bereitstellung einer Kopie des PDFs ausmacht, vermutlich vergleichsweise Gering. Unabhängig davon bedarf es allerdings noch all der anderen Faktoren, die da ebenfalls noch mit reinkommen: Jemanden, der bereit ist die Arbeitsstunden der Leute zu bezahlen, die Arbeit in die Erstellung dieser PDFs stecken, so diese nicht in selbstausbeuterischem Herzblut selber freiwillig Stunden darauf werfen. Das betrifft sowohl Layouter, als auch Redakteuere und Autoren und last, but not least, die Illustratoren. White Wolf bediehnte sich aus irgendeiner dieser möglichen Quellen und erschuf dadurch schräge Ideen, die vermutlich sogar in gewissem Grad am Spieltisch einsetzbar wären. (Manchmal stelle ich mir das wie bei dem Computerspieleentwickler Ubisoft vor, wo ausgebrannte Spieleentwickler, die Schreikrämpfe kriegen, sobald sie nur noch eine Code-Zeile Assasins-Creed sehen müssen, einfach ins „Erholungsteam“ gesteckt werden mit dem Auftrag etwas vollkommen anderes zu erstellen, was ihrer Seele gerade gut tut und dann solche Perlen wie Child of Light entstehen. Nur das hier halt ein April-Scherz am Ende stehen muss, der die Arbeit, die man ansonsten macht, nicht ganz so verbissen sieht.) Und auf diese Weise stellt man dann fest, dass urplötzlich ein hochwertiges Produkt entstehen kann, dass aber in einem eigentlich negativem Kontext besetzt ist. (Seien wir mal ehrlich: So wie die meisten von uns vermutlich mit „Aprilscherzen“ sozialisiert wurden ist es eher ein Wunder, dass „Aprilscherz“ von unserer Generation nicht Synonym zu „Arschloch“ benutzt wird.)

Und ab hier gerate ich so langsam aber sicher ins Schwimmen mit meinen Überlegungen: Die deutsche Szene ist ein wenig anders aufgestellt, als die Internationale, wage ich mal ganz wagemutig zu behaupten. Wir sind ungeheuer klein und es ist verhältnismäßig einfach die „obere Ebene“ eines Verlages kennen zu lernen. (Und wenn man manchen Ausführungen hier und da im Netz glauben schenkt ist es die Hürde um vom Fan zum Macher zu werden sogar relativ gering.)
Man muss ein bißchen Zeit investieren und bereit sein etwas Mobilität in die ganze Angelegenheit zu stecken. (Und auch wenn mir der Gedanke überhaupt nicht gefällt, dass ich einer der absurden Knotenpunkte in der Vernetzung der Szene sein könnte, muss ich Thomas Michalski in einem Punkt recht geben, den er bei einem Gespräch auf der letzten RPC zwischen uns beiden versucht hatte zu untermauern: Ich selbst kenne mittlerweile einige Leute… Himmel, ich weis bis heute nicht, wie die Freudschaftsanfrage von Markus Plötz auf Facebook zustande kam, die vor einiger Zeit bei mir aufgeplöppt ist.)
Innerhalb dieser doch noch verhältnismäßig familiären Atmosphäre ist es anscheinend bis zu einem gewissen Grad möglich einzuschätzen wann eine Reaktion ernst gemeint sein könnte und wann nicht. Und das verwandelt dann mit einem mal bestimmte Dinge in kalkulierbare Irritation. Ich erwähne das, weil um 2013/2014 herum mit einem mal eine seltsame, parallele Entwicklung zustande kam. Das erste ist das Abenteuer „Namenlose Nacht. Orgien in den Thermen“, welches aufgrund des mitschwingenden Themas eine Altersempfehlung ab 18 Jahren bekommen hatte. Das erwähne ich jetzt nicht, weil dieses Buch einem Aprlscherz entsprungen ist, sonder weil etwa um März 2014 herum Ulisses-Spiele eine Werbestrategie einschlug, die den Verdacht nahelegte, es hier mit einem Aprilscherz zu tun zu haben… zumindest soweit es die entsprechenden Veröffentlichungen auf Facebook betraf. (Mir ist heutzutage natürlich auch bewusst, dass die erste Ankündigung für den Band aus dem Dezember des vorangegangenen Jahres stammt.)
Wichtiger ist in dem Zusammenhang eher etwas anderes: Der Uhrwerk Verlag, seines Zeichens bekannt für das Baby-Blaue Splittermond kündigte mit einem mal eine Girly-Edition in Rosarot an. Und das weckte von der MockUp-Qualität her wohl tatsächlich zum ersten mal diese Begehrlichkeit des Besonderen. Denn man sah hier tatsächlich zum ersten mal eine „besondere“ Edition, die von dem was sie versprach, auf der optischen Ebene, tatsächlich das wechselte, was Splittermond zu solch einem fürchterlichem, klischeehaftem Jungsspiel machte. Und das war etwas, dass die Leute tatsächlich haben wollten: Diese für die vollkommende Selbstironie angefertigte Ausgabe, die alles Blau im Zierlayout entfernte. (Und deswegen fragte man anscheinend auch häufiger danach.) Was dann kam, war natürlich nicht ganz das, was man sich innerlich erhofft hatte, aber es war tatsächlich eine Wirklichkeit gewordene, pinke Edition.

Und seitdem sind einige andere Aprilscherze aus ähnlichem Kontext auch mit einem mal Wirklichkeit geworden. OrkenspalterTV (die ja in gewisser Weise eines der zwei Medien sind, die der Szene Gesichter gaben und dadurch zusammenwachsen ließen) wurden mit ihrem „Sexy Heinz Kalender“ in die Verlegenheit gebracht, diesen Tatsächlich in die Tat umzusetzen: Zwei Mal!
Und Ulisses ist mit DSA auch ziemlich Tatkräftig dabei, diesem neuen Trend in die Tat umzusetzen: Zum einen wäre da das Rahjasutra, welches mir als erstes über den Weg lief. Das Deluxe Heldendokument für Geweihte Zauberer ist erst von diesem Jahr und – oh Wunder – tatsächlich käuflich zu erwerben. Und der bislang noch größte Timegab sind die „Wege der Vereinigung“ von 2012. Anscheinend schreibt im Hintergrund tatsächlich jemand an dem Scheiß, wie man im Ulisses Spiele Videopodcast 42 von der diesjährigen RPC erfahren konnte.
Bis hierhin habe ich nur die ganze Zeit beispiele gesammelt, dass die Sachen tatsächlich in die Tat umgesetzt worden sind, die wirklich auf einem Aprilscherz entstanden sind. (Und auch wenn der Sexy Heinz Kalender am ende mehr Mhaire Stritter, als Heinz zeigte, in teilweise unglaublich guten Ergebnissen.) Und mein Erklärungsmuster dabei ist nicht unbedingt ein allzu gutes. Meiner Vermutung nach hat diese Welle an Begeisterung über April-Scherze eher etwas mit dem gefühlt durchschnittlichem Alter der Szene von Mitte Dreißig zu tun. Und der Tatsache, dass die Nerds doch irgendwie immer mal die Außenseiter waren. (Und das wir so langsam aber sicher den „traditionellen Scheiß“, den die April-Scherze nunmal sind, nicht mehr leiden können.) Die meisten von uns dürften mal mehr und mal weniger „Disposible Income“ zur verfügung haben. Und wie ich schon sagte: Die Mehrheit von uns steht dem April-Scherz in etwa so gegenüber, wie der entsprechende CEO von Globotech im Film Small Soldiers den Versprechen der Werbefilm-Industrie. Aus dieser Perspektive entspringt ein gewaltiger Zynismus, weil die Kreativ schaffende Minderheit von uns allen auf einmal gefühlt mehr Energie in Dinge steckt, die sie nicht verwirklichen Wollen und deren Basis-Idee dann deutlich besser Klingt, als alles, was sie „normalerweise“ Umsetzen. Also entscheidet der Geldbeutel in Kombination mit der Internetkommunikation über dem kleinen Dienstweg. Die Leute verlangen nach etwas, das eigentlich nur als Fiktion gedacht war. Und aus einem eventuellem Mockup wird Wirklichkeit. Eine immer besser aussehende Wirklichkeit. (Wir alle haben ja mittlerweile Mitbekommen, dass in der deutschen RPG-Szene Auflagen im dreistelligen Bereich eher Standard als Ausnahme sind, und Verkaufszahlen im niedrigen, vierstelligem Bereich sogar verdammt gut ausfallende Produkte darstellen.)

Und von daher bin ich jetzt bei meinen eigenen Überlegungen gerade in einer Zwickmühle, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, auf dem richtigen Weg zu sein: Wir befinden uns gerade in einer unglaublich spannenden Zeit, wo mit einem mal, auf eine ganze eigene Weise, mehr Diversität entsteht. Das Problem ist nur: Diese Diversität entspringt nicht der Begeisterung für etwas, sondern dem Frust an etwas. Wir suchen nach der Realisierung von Träumen und sind es leid, dass die besseren Träume bislang immer eben keine Substanz dahinter hatten. Und das hat sich dann so langsam über das letzte Jahrzehnt verändert, dass immer öfter anscheinend offen Ausgesprochen wurde, dass die entsprechende Idee lieber realisiert gesehen würde. Und dadurch springt dann die produktive Kraft der Wunschmaschine an, die jetzt zum ersten mal seid langem in der Szene dazu führt, dass die Träume über den schlechten Witz zu realisierten Begehrlichkeiten wurden.


Wie sieht es beim Rest der hier versammelten Meute im Internet aus? Habt ihr einen dieser Aprilscherze euch schon öfter mal gewünscht? Habt ihr einen davon im Nachhinein erworben? Oder habt ihr sogar zu der kritischen masse gehört, die den Wunsch ausgesprochen hatten, die Fiktion Realität werden sehen zu wollen?