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Cover: Yukito Kishiro Battle Angel Alita Last Order (Band 05) Verlag: Carlsen Comics |
„Gewallt gilt es
unter allen Umständen zu kontrollieren.“
Mit diesen Worten
beginnt Mbadi, den wir als das oberste, große Arschloch der Ladder
im letzten Band kennen und hassen gelernt haben, seine Ansprache zur
Eröffnung des zehnten Zott-Tuniers.
Technisch gesehen
ist das Zott ein erweiterter Kriegszustand, bei dem die wie auch
immer gearteten Sieger von der Ladder das Recht zugesprochen bekommen
eigene, staatliche Souveränität zu erlangen. Die beiden führenden
Supermächte Jupiter und Venus stellen fest gesetzte Mannschaften und
die restlichen Teams müssen sich in einer Vorrunde Qualifizieren.
Rund um Alita hat
sich als Team der bekannte, kampfbereite Trupp versammelt (also
Alitas androide „Klone“, wobei sich Sechs einen männlichen,
übergroßen Körper verschafft hat und 11 und 12 in femininen
Hasenkostümen einen auf „Süß“ machen, während sie ihre Gegner
in der Luft zerfleischen.) Und eigentlich muss Alita nur ein paar
wenige Runden des Zott erfolgreich überstehen, um Ping die
notwendige Zeit zu erkaufen, damit dieser Lous Gehirn aus der Matrix
von Melchizedek entfernen kann. Und dummerweise bemerkt Alita dabei,
dass sie ein paar anderen Teilnehmern durchaus sympathien entgegen
bringt. (Gemeint ist hierbei die Stellar Nursery Society, kurz SNS,
deren Mitglieder den hilflosesten Opfern dieser Gesellschaft
überhaupt Schutz bieten wollen: Kindern.) Und dumemrweise sind
ausgerechnet diese Kinderpfleger, welche sich um die uralte Vampirin
Caella Sanguise mit ihren hehren Zielen formiert haben, die ersten
gegner von Alitas „Space Angels“. Das heißt, dass Alita mit sie
geradezu lähmenden Konflikten innerlich kämpft, während sie ein
imaginierter Oberst Pain verhöhnt und sie dabei den „Nummern“
zusieht, wie diese mit der SNS-Crew den Boden aufwischen. (Das in der
Zwischenzeit noch mehr seltsames Zeug geschieht, dass einen einfach
nur verwirrt muss ich wohl nicht großartig erwähnen. Insgesamt ist
dieser Band jedenfalls ein hochkonzentrierter Erzählstrang an lauter
Details, welche die Alita-Serie als Stärken für sich zu nutzen
weiß.)
Geht man all diesen
Kernelementen nach, so stellt sich ständig aufs Neue ein seltsames
Konzept auf, dass man gerade nicht versteht: In diesem Band ist es
Caella Sanguine (von der man aber auch nur hört, dass sie
verschiedene Namen im Laufe der Jahre getragen hatte.) Der Punkt bei
dieser ganzen Sache ist, dass die gute Dame sehr schnell asl
erfahrene, uralte Vampirin eingeführt wird. Sie ist die Gründerin
der SNS und scheint über all dem hinaus ihre Untergebenen unter
Kontrolle zu halten. Jedoch fallen gelegentlich Nebensätze, deren
Inhalt weniger überzeugend ist, geradezu von Verachtung geprägt
sind. Was es damit jetzt genau auf sich hat bleibt abzuwarten. Auf
jeden Fall erscheint es für den Augenblick, dass die Gründe, aus
denen die SNS innerhalb dieser Erzählung kämpft sehr
unterschiedlich zu sein. Zum einen sind da die „normalsterblichen“
Mitglieder, die zwar allesamt irgendwo ihre jeweiligen Fähigkeiten
haben (und die durchaus kriegerischen Natur sind) und die Gründerin
und Vorsitzende – deren Fähigkeiten wir bis hierhin noch nicht so
wirklich kennen – die entweder mit Herzblut ein Ideal anstreben,
oder die eine Entscheidung zu bereuen scheint, welche sie vor
längerer Zeit einmal getroffen hat und jetzt sich nicht mehr selbst
gegenüber die Aufrichtigkeit eingesthen kann, das vermeidlich
richtige zu tun. Das sind moralisch äußerst seltsame Dimensionen,
die dabei herumkommen. Insgesamt muss man also tatsächlich abwarten,
ob innerhalb dieses sehr speziellen Auftackt noch ein weiteres
Element in die Geschichte kommt, welches nochmal ein anderes Bild auf
das gesammte Konzept hinter dem Comic aufwirft.
Der Rest ist halt
eben das, was man schon die ganze Zeit über erwartet hat: Ein
Unglaubliches Gemetzel, dessen Zerstörungswut abzusehen war. (Und
bei dem am Ende kein Körperteil mehr zusammenhängt.) Das übliche
also.
Fazit
Technisch gesehen
sind wir mit diesem Band mittlerweile genau an dem Ort angelangt, der
die großen Stärken der Battle Angel Alita Reihe ausgemacht hat: Die
komplette Geschichte dreht sich um die Idee, dass der Kampf eine
eigene Art von Ausdruck ist. Auf dieser Ebene erfährt man
Schrittweise immer wieder etwas über die unterschiedlichen Ziele der
eintzigen Personen, die sich jeweils in ihrer Rolle in dieser
Geschichte in ein erneutes Unheil stürzen. Das macht gerade im
Zusammenhang mit der SNS einen sehr interessanten Aspekt, weil sich
hier mit einem mal eine Mischung aus sehr verschiedenen Positionen
festmachen lässt, die zueinander im Wiederspruch stehen. (Und wenn
man darüber hinaus noch den Grund in Betracht zieht, was das
eigentliche Ziel hinter diesen ganzen Kriegern ist, will man fast
schon vor der Idee davonlaufen, zu was die menschliche Phantasie
eigentlich fähig ist.) Insofern sind dann bei dieser doch sehr
einfachen Art der Erzählung immer wieder kleinere Seitenhiebe auf
bestimmte Sichtweisen im Leben hineininterpretierbar, die neben der
sehr ansprechenden Panel-Gestaltung Kishiros einiges beitragen, um
diese Reihe spannend zu machen.