Ich habe einen Fluch
was neue Tassen angeht: Sie überleben bei mir aus irgendeinem Grund
nicht all zu lange. Warum ich das hier jetzt als Einstieg für einen
Bericht mache, der sich um die Feencon dreht? Sagen wir es mal so:
Seid Jahren lese ich immer wieder neidisch über Cons mit
Kaffee-Flats, die an die Tassen gebunden sind. Etwas das die Cons,
auf denen ich ansonsten immer unterwegs war, nie anboten.
Wie wir ja bereits
alle wissen, haben wir dieses Jahr eine Verschiebung
in der Con-Szene durch die CCXP an der Backe, über die wohl
jetzt jeder für sich irgendeine Lösung finden muss. Da ich selbst
auch noch nicht so genau weiß, was ich mit dieser veränderten
Situation jetzt genau anstellen soll, dachte ich mir einfach ich seh
mich ein wenig bei den ansonsten viel gerühmten „üblichen
Verdächtigen“ mal ein wenig um. Und da ist ja nicht umsonst diese
„sagenumwobene“ Feencon, von der immer alle Welt früher
gesprochen hatte. Insofern habe ich schlicht meinen Rucksack
vollgestopft, am Vorabend noch verzweifelt mein „Fluff siegt“-Shirt
gesucht und aus einer unerwarteten Ecke des Kleiderschranks gezogen
und viel zu spät schließlich das Bett gefunden. (Allerdings muss
man sagen, dass meine Planung für den Tag insgesamt unter keinem all
zu guten Stern stand. Ursprünglich wollte ich ja gegen 11 Uhr in
Bonn-Bad Godesberg ankommen, jedoch zwang mich die Tatsache, dass aus
irgendeinem
Grund die Bahn mit ständig widersprüchlichen Angaben einfach
nicht auftauchen wollte, dazu einen Umweg über Straßenbahnen zu
nehmen, und somit erst gegen 14 Uhr vor Ort zu sein.) Meine
Erfahrungen mit Cons sind jetzt eher kleinerer Natur: Ich bin durch
die Mitspielen
der Blutschwerter in Münster auf den Geschmack gekommen, war ein
paar mal auf der Sagacon
in Osnabrück, habe außerdem ein paar mal die Ratcon in Dortmund
miterlebt und eine Nacht auf dem KingCon in Duisburg durchlebt. Wer
mit diesen Begriffen etwas anfangen kann, kann sich also denken, dass
ich eher extrem niedrige Erwartungen hatte. Die extremst übertroffen
wurden.
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Ein kleiner Eindruck vom Aussengelände |
Ich meine: Ich weiß, dass ich immer zuerst ein wenig Orientierungslos an solchen Orten bin und rumirre, bis ich eine gewisse Vertrautheit mit den Gängen gefunden habe. Was mich dann allerdings echt erschlagen hatte war die tatsächliche Größe, die die Feencon dann am Ende hatte. Das waren grob gerechnet zwei Turnhallen von der Fläche her plus eine ganze Menge Zeugs, was noch auf den Gängen und Nebenräumen stand. (Und dann noch das Außengelände, dass ich aber auch erst deutlich später erst so richtig entdeckte.)
Zuerst allerdings
das Auffälligste an der ganzen Geschichte: Unter normalen Umständen
wäre ich davon ausgegangen, dass sich eine ziemlich große Anzahl
von Illustratoren irgendwo im Pulk tummeln. Das war hier nicht der
Fall. Dafür schien die Anzahl von Autoren sich ungewöhnlich
ausgebreitet zu haben. Jedenfalls waren abgesehen von den üblichen
verdächtigen unter den Rollenspielverlagen die Anzahl von Romanen,
die irgendwie jeweils einen Autoren-Namen trugen wesentlich häufiger
nebeneinander aufzutreten. (Und zwar nicht so, dass man dabei
unbedingt von Verlagen in der Verteilung hätte sprechen können.)
Und irgendwo bei diesem ersten sich umsehen und der ersten und
zweiten Tasse Kaffee löste sich der verdammte Henkel von meinen
Contasse.
Jetzt muss man
allerdings sagen das ich ja eh mit ein paar Zielen im Rucksack hier
aufgeschlagen war: Drei Bänden aus den „Handbüchern des Drachen“,
einem 1W6 Freunde Grundregelwerk und einem Schundheft der grünen
Fee. Das ich die Mehrheit davon am Stand der Dorp mit Unterschriften
voll bekommen könnte war mir irgendwie klar. Wie stark das
allerdings zutreffen würde, konnte man allerdings erst im Verlauf am
Stand feststellen. Im Kern wollte ich nämlich erstmal herausfinden,
was für ein Plan hinter dem Unfug mit den Dorp-Merch-Shirts steckte.
(Was jetzt vermutlich dazu führt, dass man mein Gesicht in nächsten
Spot des Shirt-Shops sehen wird. Warten wir also einfach mal ab.) Und
während ich Thomas Michalski also die Bücher vor die Nase legte, an
denen er zumindest Teile einer Autorenschaft mitgetragen hatte und
wir uns über die Entstehung (und den damit verbundenen traurigem
Fall eines frühen Verlustes) unterhielten, rannte eher
verpeilter Christian Voght am Stand vorbei. Ein kurzer Gruß, ein
Wedeln mit der Grünen Fee und schwups weg war er. Thomas Michalski
bestätigte mir daraufhin nur trocken, das wohl beide Vöghte
anwesend währen und ich beschloß erstmal einfach am Stand
vorrübergehend sitzen zu bleiben, um einfach die Leute zu mir kommen
zu lassen, die ich insgeheim hier suchte. Was wohl gar nicht mal so
eine schlechte Idee war, denn eine verhältnismäßig kurze
Zeitspanne später tauchte Christian Voght tatsächlich nochmal hier
auf. Diesmal mit Zeit für Signaturen aller Art, wie er sagte, einem
kleinen Stapel der dritten Ausgabe von „Die grüne Fee“ in der
Hand, von dem ich ihm natürlich ein Exemplar abkaufte… ach ja: Und
Kathrin Dodenhoeft im
Schlepptau, nicht zu vergessen. (Wieder
mal so eine Gelegenheit, wo ich im Gespräch und rumalbern mit den
mir bekannten Personen in einem Nebensatz aufzeigte, dass ich wusste,
wer da stand… und damit zumindest das Gespräch insofern für die
entsprechende Person mit öffnete. Und da der Rest sich halt
insgesamt wesentlich besser kannten, konnten die sich dann
miteinander austauschen.)
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Von wegen "alles eitel Sonnenschein" |
Und
auch wenn die Strategie des sitzen bleiben sich im kleinen Ramen hier
ausgezahlt hatte: Da ich kein Teil der Dorp bin, bin ich einfach
danach
nochmal weiter gezogen. Thomas und ich einigten uns noch darauf, dass
er unter Umständen Moritz Mehlem ausrichten sollte, das „ein
Orakel ihn suchen würde“ und scherzten noch darüber, dass er –
sollte er tatsächlich auf der Feencon sein – danach vermutlich
einfach lauthals schreiend davonlaufen
würde. Diese
Nachricht weiterzuleiten war dann aber doch nicht so wichtig: Am Ende
zeigte mit der gute Camillo, mit einem entnerften Nebenkommentar,
dass er keine zwei Schritte gehen könnte, ohne jemandem vom Tanelorn
zu begegnen, die gesuchte Person am Stand von Uhrwerk. Und auch wenn
ich eher den Plan hegte so lange zu stalken, bis der Mann mal nicht
mit jemandem redete, bekam ich über Umwegen dann doch Aufmerksamkeit
und meine beiden Bücher signiert. (Allerdings in Verbindung damit,
dass ich zufällig überhörte, dass Moritz zu irgendwas
Podcastmäßigem herangezogen wurde. Ich hoffe mal einfach ich kriege
mit, wo das ganze aufplöppt.)
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Quo vadis Uhrwerk? |
Und
wo ich schon mal dabei bin: Cons haben ja meistens noch irgendwelche
Workshops, Vorlesungen und dergleichen. (Und das da irgendwas in der
Richtung auch auf der Feencon stattfinden müsste verriet mir Teylen,
die ich auf den Außengelände entdeckte.) Die beiden Räume, in
denen solche Veranstaltungen passierten entdeckte ich eher durch
einen wirklich riesigen Zufall und dazu auch noch genau pünktlich zu
dem Zeitpunkt, an dem Patrick Götz seine „Quo vadis
Uhrwerk“-Aktion abhielt, in der er wieder einmal grob über die
Insolvenz-Situation sprach.
Warum
die Beiden Verlage jetzt genau Insolvenz anmelden mussten ist
natürlich immer noch nicht bekannt gegeben worden. (Und ich denke
mal, dass wir das frühestens dann erfahren werden, wenn Uhrwerk
wirklich schon für einen deutlich längeren Zeitpunkt aus dem
gröbsten raus sein sollte.)
Patrick
zeigt sich aktuell deutlich optimistischer, als er es wohl schon eine
ganze Weile nicht mehr war. (Das der Mann sich psychisch gelegentlich
etwas angeschlagen fühlt, wahr mir schon seit dem
Numenera-Crowdfunding bekannt.) Und
die Resonanz aus der Szene hat ihm auch vorerst den Willen gegeben,
weiter machen zu wollen, so die Situation es zulässt. (Im
Übrigen sei auch die Resonanz aus der Szene gerade das, was der
Insolvenzverwalter für beide Verlage in dieser Form nie erlebt
habe.)
Und
die Fragen aus dem Publikum drehten sich dabei auch gerade um das
Thema Insolvenz und Folgen für Leute, die an bislang noch nicht
erfüllten Crowdfundigs teilgenommen hatten. (Funfakt am Rande:
Irgendein ausstehendes Produkt wurde übrigens deswegen bis hierhin
nicht gedruckt, weil man es laut Insolvenzverwalter nicht an die
Vorbesteller hätte ausliefern dürfen, wohl aber an die Großhändler
verkaufen. Deswegen hatte man sich Verlagsintern dagegen
entschlossen, um das entgegengebrachte Vertrauen der Kundschaft nicht
zu verspielen. So zumindest die Darstellung während des Panels.) Für
mich habe ich dabei aus der ganzen Sache folgende Information
herausgezogen, die nur nebensächlich etwas mit der Insolvenz zu tun
hat: Die Marke von Engel liegt immer noch bei Feder & Schwert.
(FEngel
hängt also vom weiterleben beider Verlage ab.)
Und
danach habe ich noch die Lesung von Robert Corvus aus „Der Berg der
Macht“ mitgenommen.
Was
ziehe ich also aus diesem ersten Eindruck jetzt insgesamt?
Die
Feencon ist erstmal eine sehr interessante Veranstaltung (und ich
frage mich gerade wirklich, warum ich mich nicht schon früher dazu
genötigt habe, einfach mal nach Bonn zu fahren.) Der
wirklich sehr starke Autoreneinschlag im Verhältnis zu den
Vertretern der bildenden Künste ist überraschend, aber eventuell
bin ich da auch einfach bislang nur über die flaschen
Veranstaltungen geschlichen. Das muss ich bei Gelegenheit nochmal
gegenprüfen. (Direkt im August findet ja jetzt die Niederrhein-Con
in Wesel statt.) Belgisches
Kirschbier ist nicht unbedingt mein Fall.
Ach
ja. Und ganz besonders wichtig: Es ist erstaunlich wie häufig ich
jetzt ausgerechnet dieses Jahr auf Szene-Veranstaltungen Reaktionen
auf meine T-Shirts erhalten habe. (Auf der CCXP war es ein
Sternenhimmel aus Evoli-Entwicklungsstufen der sehr viele weibliche
Personen begeisterte.) Auf der Feencon sorgte das „Fluff siegt“
entweder für Aggro-Reaktionen von diesen unausgeglichenen
Crunch-Fetischisten, oder aber für begeistert zustimmende Kommentare
im Vorbeigehen. Wieder mal von überwiegend weiblichen Stimmen.
Und nochmal ein Hallo an alle Leute, denen ich begegnet bin. Es war wie immer eine Freude.
Und nochmal ein Hallo an alle Leute, denen ich begegnet bin. Es war wie immer eine Freude.