Montag, 1. Juli 2019

CCXP Cologne 2019… Ähm, ja.



Wie die meisten wohl im letzten Jahr mitbekommen haben, gab es hier in NRW eine gewaltige Verschiebung was die Planung potentieller Messebesuche in der ersten Hälfte des Jahres anbelangt. Namentlich dachte sich die Kölnmesse, dass es doch ganz gut sei, einfach mal die etablierte Marke RPC zu nehmen und gegen einen anderen Fokus auszutauschen. (Mit anderen Worten: Die Messebtreiber haben die Dollarzeichen in den Augen gehabt und wollten ein Stück vom Comic-Con-Kuchen für sich abhaben.) Das war am Anfang schockierend, dann mit einem holen Gefühl in der Magengegend eventuell noch akzeptierbar, allerdings kamen dann auch einige Details so im Nachhinein obendrauf, die nicht unbedingt jedem schmeckten. (Infernal_Teddy, der seine ganz eigene Beziehung zur RPC auf einer symbolischen Ebene hatte, hat darüber ja auch schon geranted.) Jetzt muss Veränderung ja nicht per se negativ sein. Nur ist halt eben der Einschnitt gerade bei der CCXP so speziell, dass man in der entsprechenden Position ist, immer jemanden vorschieben zu wollen, um auf dessen Einschätzung des Ganzen dann seine eigene Meinung aufzubauen. Nur dreimal dürft ihr raten, was in meinem Fall dabei dann die Problematik war: Ich bin, so gesehen, der kleinste gemeinsame Nenner in meinem direkten Bekanntenkreis, was die potentielle Zielgruppe der CCXP anbelangt. (Und damit ist die Meinung, auf der ich meine Meinung dann aufstützen kann… ja ihr habts erfasst: Dummerweise meine eigene.)

Insofern hatte ich mir nach einigem Zögern tatsächlich doch noch ein Ticket für den Donnerstag der CCXP besorgt. Also, gerade den Auftakt der ganzen Geschichte. Mit also möglichst niedrigen Erwartungen und keiner so richtigen Ahnung, was ich jetzt eigentlich überhaupt für mich erwarten würde bin ich demnach nach Köln aufgebrochen. (Der Punkt ist: Immer wenn man irgendwas über Comic-Cons hier in Deutschland hört, kommt da irgendeine seltsame Vorstellung von „Glamour“-Welt auf. Und abgesehen von meinem kurzen Eindruck auf der einen Comicbörse hier in der Gegend im Juli letzten Jahres kann ich auch nicht all zu viel sagen, was ich jetzt eigentlich erwartet hätte.)

Den Donnerstag zu nehmen war gut und schlecht zugleich: Gut, weil an diesem Tag mit wenig andrang zu rechnen war. Schlecht, weil einige der interessanteren Entwicklung an Programm überhaupt erst an anderen Tagen stattfanden. (Und wohl auch bis zum letzten Abend noch einmal durchgetauscht wurden, wenn man Beispielsweise den letzten Malstream der Orkenspalter vor der CCXP heranzieht, wo Niko Mendrek irgendwann im Chatverlauf reinpostete, dass er gerade noch in der Kommunikation mit den Veranstaltern war. Anscheinend wollte man irgendeine Show der Orkenspalter zu einem anderen Zeitpunkt ansetzen.)

Was war also für mich effektiv neu? Die ganze Veranstaltung hatte sowas wie mehrere Schleusen: Die erste prüfte das Gepäck auf problematische Gegenstände, vor der zweiten konnte man sich armbänder abholen, für die man seinen Pass vorzeigen musste, um einen entsprechenden Altersnachweis ans Handgelenkt gepappt zu bekommen. (Abgesehen von der Kino-Leinwand machte das hier aber noch keinen wirklichen Sinn. Es kann sein, dass auf lange Sicht auch noch spezielle Altersbeschränkte Bereiche sich entwickeln könnten, aber vorerst war davon hier nichts zu sehen.) Lustig war allerdings auch das ich, obwohl ich nicht damit gerechnet hatte, pünktlich zum Einlass in Köln aufzuschlagen, direkt beim Eintreten von einem gewalltigen Spalier aus Cosplayern „bgrüßt“ wurde, die ein sichtlich ergrauter Skar wohl „herbeigescheucht“ hatte. (Skar von den Blutschwertern hatte ich jetzt schon seid ein paar Jahren nicht mehr gesehen und dieser Alterungsprozess sorgte dann auch dafür, dass ich ihn gar nicht richtig erkannt hatte.) Aber auf der anderen Seite: Umsehen und Flurfunk ablauschen macht ja auch meistens Sinn. (Die Bestätigung für Skar holte ich mir dann von Hoffi ein. Und mehr werde ich über die Geschichte jetzt auch nicht erzählen, das ist jetzt schon Peinlich genug.)

Von daher: Wenn man nicht so genau weiß, was man eigentlich sucht, macht es Sinn eventuell auf ein paar Anlaufpunkte, von deren Existenz man weiß, sich zu fokussieren: Wie ich einen Tag zuvor erst herausgefunden hatte, war die Dorp mit einem Stand vertreten. Und Tom, der als einzelner den Donnerstag überstehen musste, war anscheinend auch ganz glücklich über ein wenig Abwechslung mit jemandem, dem man nicht die Dorp erklären musste.

Was ich aus diesem Gespräch erstmal über den Aufbau der CCXP herausgefunden habe: Es gab anscheinend für den Bereich Pen & Paper eine Einrichtung Namens „Indie Booth“, die kostenlos vier Stände für ausgewählte Projekte zur verfügung stellte. (Und über eben diese Einrichtung hatte auch die Dorp ihren Stand bekommen.) Dieser Potentielle Nachfolger der „Projekt Fandoms“ der RPC währe an sich ja gar nicht mal so schlecht gewesen, wenn da nicht über das Interview der Orkenspalter mit Ralph Sidek* ein paar Details über die „Kuration“ der Standvergabe herauszufinden war: So wie sich die Ausführungen von Ralph Siedek anhören, wurde gar nicht so sehr darauf geachtet, „Fanprojekte“ aus der Szene mit einzubeziehen, sondern eher kommerziellen Kleinstverlagen eine wie auch immer geartete Fläche möglichst Günstig anzubieten. Dementsprechend war abgesehen von der Dorp anscheinend kein einziges „Fanprojekt“ am Start, sondern schwerpunktmäßig eher solche Individuen wie Truant Spiele oder der Verlag „Nackter Stahl“. (Respektive: Von Siedek erwähnt wird im Besonderen für die Tabletop-Szene das Spiel „Dust 1947“, das von der polnischen Firma Warfactory vertrieben wird.) (Hatte ich schonmal erwähnt, dass das ganze irgendwas mit Dollarzeichen in den Augen der Kölnmesse-Betreiber zu tun haben muss?) Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass Siedek hier versucht hat, besondere Perlen aus den finanziell eh schon sehr umkämpften Bereichen heranzulocken, um auf eben diese sehr interessanten Produkte aufmerksam zu machen, falls man überhaupt noch eine wie auch immer geartete Minderheit der ursprünglichen RPC-Zielgruppe heranlocken möchte. Andererseits ist da halt dieses Geschmäckle dabei, dass eben eigentlich kommerziell orientierte Einrichtungen anstelle von Fanprojekten für die Zusammenarbeit herangezogen wurden. (Wobei potentiell Fanprojekte wahrscheinlich auch noch mit dem „vier Tage“-Problem zu kämpfen gehabt hätten. Ich meine: Tom von der Dorp wahr ja auch die ganze Zeit jetzt an seinen Stand gebunden gewesen, ohne die geringste Möglichkeit an diesem Tag irgendwas anderes leisten zu können.)
Ein anderer Umstand wahr wohl die lokale kölner Presse. Anscheinend wusste zumindest irgendein Radiosender selbst nicht so genau, was man mit der CCXP anfangen sollte und thematisierte das ganze wohl entsprechend irritiert, das man anscheinend auf der Comicmesse unter anderem den Umstand thematisieren würde, das Batman seinen 80sten Geburtstag dieses Jahr feierst. (Man fragt sich in solchen Momenten, wo die lokalen Journalisten ihre freihe Zeit verbringen. Im Internet sicherlich nicht.) Das an diesem Punkt allerdings was dran sein muss, kann ich insofern bestätigen, weil ich selbst nur wenig später von einer Dame für einen Kommentar fürs Radio gebeten wurde, „was ich denn an der Comic Con so toll fände, und was mein Grund währe hierherzukommen“. Ihr fast schon hysterisches Gelächter darauf, dass ich das gerade selbst hier noch herausfinden wollte, sprach dann schon Bände, was man hierhergeschickt hatte.

Apropos Ulisses: Was mich besonders erstaunt hat ist die Größe des Standes, den Ulisses aufgefahren hatte. Der wahr groß genug, dass neben dem Ulisses eigenem Verlagsprogramm auch noch ein Eskaperoom von „Live Escape Landsberg Mühlbauer & Lorenz GbR“, ein Zusatzmaterialstand von Yvis Nerd and Geek World und eine kleine Bühne für Streaming-Sessions, die Rund um die Uhr liefen, aufgebaut waren. Zum Vergleich: Die eigentlichen Riesen der Brettspielszene – Asmodee und Pegasus Spiele – hatten lediglich einen winzigen Tisch von vielleicht zwei Metern als Standfläche aufgestellt. Die Frage die sich hierbei stellt ist also: Wer war hier deutlich übermotivierter? Oder hatten hier eventuell die Messebetreiber am Ende alles getan, um den Platz voll zu bekommen?

Denn auch wenn vieles an der Sache dem neuen Fokus geschuldet nicht ganz so rund lief: Die moderne Sovial-Media-Blase wahr irgendwie vorhanden: Ich weiß nicht wie viele möglicherweise „Influencer“ mit Stabilisations-Selfiestäben durch die hallen liefen und dabei über irgendwas sprachen. (Stellenweise waren es vermutlich Handy-Streams, die da liefen, bei einigen anderen Aufbauten mit Systemkameras, die ja innerhalb der Youtube-Szene durchaus aufgrund ihrer Kompaktheit in Kombination mit Wechselobjektiven eine hohe Beliebtheit zu genießen scheinen, waren wohl eher aufnahmen für die spätere Konserven-Veröffentlichung.) Auch wenn man auf der anderen Seite auf der „Artist-Gallery“-Seite wohl sagen muss, dass hier vermutlich nicht mehr unbedingt das Beste von Allem vertreten wahr. (Aber das wahr dank der anderen Comic-Con in Stuttgard auch nicht anders zu erwarten gewesen.)

Ach ja: Und ich habe natürlich mal wieder einen kleinen Stalking-Ansatz fahren müssen. (Ich hatte aufgrund von Twitter gewusst, dass Tommy Krappweis auf der CCXP sein würde und deswegen mein Exemplar von „Mara und der Feuerbringer“ eingepackt.) Eher zufällig sah ich mein Ziel halt eben mit Bernhard Hennen gerade eine Runde über die Messe ziehen, wo die beiden natürlich mit allerlei Leuten Gespräche führten. Und weil ich eben nicht irgendwo reinplatzen wollte, wo die beiden sich entsprechend „amüsierten“ spielte ich eben vorrübergehend Satellit in einem erweitertem Orbit. Oh. Und natürlich darf man hier nicht auch noch Steff vom Youtubekanal Steffs Kleynkrämerey nicht unerwähnt lassen. Dessen unglaublich herzliche Begrüßung hatte mich extrem überrascht, nachdem ich ihm die abgewandelte Form meines Pseudonyms genannt habe, mit dem ich auf Youtube in der Kommentarspalte unterwegs bin. (Letzten Endes ist er ja einer von zwei Gründen, die mich wieder ins Tabletop gebracht haben.)

Allerdings: Der Part der ganzen Geschichte, der der „Mittelaltermarkt“ wahr, war im Vergleich zu den vorherigen Jahren ein Witz. Es waren zwar weiterhin die Falkner da, um wenigstens eine Konstante in der ganzen Veranstaltung noch zu erwähnen, aber ansonsten? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Stände nicht mit einer Hand ausreichend abzählbar waren, aber im Vergleich zu den Vorjahren war das erschreckend ausbaubedürftig. Gerade der Mittelaltermarkt brummte doch normalerweise und jetzt konnte man eher Bilder in den sozialen Netzwerken posten, auf die dann fragen kamen, ob der Ausblick auf den Mittelaltermarkt von dem Gebäude im Hintergrund verdeckt wurde. Insgesamt doch sehr ernüchternd.

Andererseits muss ich sagen: Ich weiß nicht ob die RPC in den vergangenen Jahren jenseits der Literaturinsel irgendwelche Vortragsveranstalltungen anzubieten hatte. (Wenn, dann waren sie nie so ganz auf meinem Schirm gewesen.) Dieses Jahr hatte ich absichtlich mir vorgenommen dieses Angebot wahrzunehmen: Auf dem entsprechend ausgedruckten Plan gab es zwei von drei Veranstaltungen auf der Ultra Stage, die mich durchaus lockten, was das Thema anbelangte. Vor Ort erfuhr ich dann, dass das Panel zur Science Fiction in Deutschland vertagt worden war und somit nur noch ein Vortrag über Perückenmachen im Cosplay auf Englisch und das Star Trek Let‘s Play auf der Bühne von den Orkenspaltern stattfinden würde. Ratet mal, was ich gemacht habe?

Zusammenfassend lässt sich also nur sagen: Die DNS der RPC ist in der CCXP dermaßen verwässert, dass man die ganze Veranstaltung auch ebensogut als nicht vorhanden betrachten kann. Es ist zwar durchaus interessant zu sehen, was hier neu auf die Beine zu stellen versucht wird, zumal einiges an Geld wohl gerade in die Dekoration geflossen ist, aber so im großen und ganzen war Köln in diesem Jahr nicht wirklich für mich so sonderlich interessant. Das was ich erlebt habe, war zwar definitiv sehenswert, aber ob sich der Preis dafür wirklich in der Form rechtferigt ist mir immer noch unklar. (Im übrigen versagte auch noch die Kommunikation um eine Besonderheit anscheinend völlig: In Kooperation mit dem Kölner Stadtanzeiger wollte man eigentlich Studenten am Donnerstag und Freitag kostenlos auf die Messe locken: So ganz hatte das nicht funktioniert, weil zumindest am Donnerst niemand bescheid wusste, dass das ging.
Ich muss mir fürs nächste Jahr nochmal sehr gut überlegen, ob ich die CCXP nochmal ansteuern werde. Allerdings habe ich genau deswegen aktuell auch vor, dieses Jahr noch wenigstens die Feencon in Bonn und die nicht mehr Eulencon in Wesel zu besuchen, um wenigstens die alterntiven einschätzen zu lernen. (Und ich muss mir wohl über kurz oder lang eine etablierte Comic-Medien-Con ansehen. Ich weiß zumindest aus Gesprächen mit den anderen Mitspielern meiner Shadowrun-Runde, dass die „Dokumi“, eine Manga-Con, wohl ähnlich teuer wie die RPC ausfallen soll. Eventuell findet sich auf diesem Weg ja irgendwas neues, über das man berichten kann.)

*Man kann mich ganz am Anfang des Videos, beim Interview mit Ulisses im hinteren Teil des Bildes am Stand von Yvis Nerd and Geek World sehen.

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