Dienstag, 27. Juni 2017

Von den Ruinen eines Beitrags [Karneval der Rollenspielblogs]


Ruinen, Ruinen… der Karneval der Rollenspiele diesen Monat raubt mir gerade den letzten Nerf. Nachdem mir nämlich letzten Monat im Grunde die Situation auf der Arbeit die Zeit geraubt hat, einen entsprechenden Artikel über den Lebensraum von Spielercharakteren zu verfassen, will ich zumindest dieses mal wieder mitwirken (und mir ist bewusst, dass ich für meine übliche Taktung bereits im Verzug bin… die zweite Woche in Folge.)
Und ich muss ehrlich sagen: Für den Augenblick stehe ich da ein wenig Ratlos, wie ich mit dem Thema umgehen soll. Normalerweise ist meine Vorgehensweise am Anfang meistens sehr assoziativ geprägt, einige Ideen kommen zusammen, springne heir und da hin… und diesmal bin ich eigentlich nur am rumgooglen und hänge in Erinnerungen an meine Kindheit fest, die mich und meinen Vater gerne mal an diverse Flüsse in in Deutschland geführt haben, um Burgen zu besichtigen. Den Anfang machte dabei ganz explzit Burg Drachenfels, bei der es sich tatsächlich um eine Ruine handelt, nur um dann über die nicht so verfallenen Burgen Katz und Maus zu stolpern (deren Burgbesitzer wohl doch nicht so ganz verfeindet waren, wie es der Name eigentlich vermuten ließe), während ich überlegte, welches Burg-Museum es eigentlich war, in dessem Folterkammer ich damals ein bisschen was über die entsprechenden Werkzeuge erfahren hatte, nur um dann bei Loreley-Felsen zu landen, wo ja dem romantischen Kunst-Sagen nach eine sirenenartige Nymphe den Schiffsführern den Kopf verdrehte und diese dann ihr Schicksal in den Riffen rund um den Felsen ihr Schicksal fanden. (Weswegen das Flussbett des Rheines auf dem Grund von Schiffswracks – also Ruinen im übertragenen Sinn – geradezu gesättigt sein müsste.)
[Nicht zu vergessen, dass da auch noch die Schandstrophen aus der Studenten-Zeit meines Vaters in meinem Kopf rumgeistern, welche das Lied der Loreley ergänzen. Ganz wichtig dabei die Ergänzung zur Vorletzten Strophe: „Und da macht er falsche Schritte, und da saust er in die Tiefe. Und das war ihm recht geschehen. Denn was hat so ein Lausebub auch nach dem Frauenzimmer zu sehn?“]
Und genau das ist jetzt auch gerade irgendwie die Krux bei der ganzen Sache: Ruinen sind für mich nicht unbedingt Orte des Abenteuers, sondern lediglich Kulissen. (Unglaublich spannende Kulissen, wenn man sich mal vor Augen hält, was man in der Realität in der heutigen, sehr touristisch Aufbereiteten Ära solcher verfallener Gebäude dort „erleben“ kann. Aber nichts desto Trotz muss ich diesen sehr speziellen Punkt festhalten: Sie sind nichts weiter als all zu offensichtlich dahingepinselte Hintergrundwände im Theater, die man braucht, um zumindest symbolisch Angedeutet festzuhalten, dass die Handlung „irgendwo“ passiert. Ich glaube, dass das auch der Grund ist, warum in verschiedenen, moderneren Inzenierungen verschiedener klassischer Theaterstücke die Bühnenarchitektur – soweit wir hier von im Fernsehen übertragenen Stücken reden – weitestgehend reduziert wurde. Soweit, bis kein Ort, sondern nur noch Handlung übrig blieb. Das ist natürlich ein Umstand, den viele Personen dann natürlich nicht mochten und die pompösen Inszenierungen in klassischen Kostümen herbeiflehten.) Wie auch immer, ich schweife ab.
Der Grund warum ich Ruinen als so dermaßen losgelöst von Möglichkeiten betrachte hängt vermutlich tatsächlich damit zusammen, dass jegliche Handlung, die innerhalb eines solchen Gebäudes stattfindet, nicht länger der Funktion des ursprünglichen Gebäudes entsprechen kann. (Vergleichbar mit der Höhle von Lascaux, deren Wandmalereien wir ja in diesem Fall als Hinterlassenschaft ihrer Kultur betrachten, deren genaue Bedeutung innerhalb dieser Kultur wir aber auch nur bestenfalls erahnen können.) Und das macht halt eben auch, wenn wir uns die gesamte Pop-Kultur mal ansehen, zu großen Teile bestimmte Dinge aus: Ruinen werden für neue Zwecke genutzt und nur ganz selten erfährt man darüber hinaus, dass diese Verwendug eventuell mehr Schaden als tatsächlichen Nutzen mit sich gebracht hatte. (Ein konkretes Beispiel sind da mMn die Tempelruinen von Yavin IV aus Star Wars IV – A new Hope. Zumindest hat sich im – mittlerweile traurigerweise zu den „Legends“ degradiertem – expandet Universe herausgestellt, dass die Rebellenallianz zu diesem Zeitpunkt ihren geheimen Stützpunkt ausgerechnet inmitten eines Mausoleums eines dunklen Lords der Sith errichtet hatte. (Das kann man innerhalb der Comic-Geschichten rund um die „Exar-Kun-Kriege“ nachlesen, sowie in der Jedi-Akademie-Trilogie von Kavin J. Anderson.)
Der Punkt bei dieser Sache ist, dass der spannenste Moment „mit Ruinen“ in meinen Augen einfach immer dieser Augenblick wäre, wo plötzlich eine bis dahin unbedachte Wahrheit ans Licht tritt und alle beteiligten sich denken müssten „Au fuck: Wir sind gefickt!“ (Und da währen wir dann auch plötzlich irgendwie bei einem sehr aktuellem Thema unserer Zeit, nämlich der Frage nach dem nachhaltigem Umgang mit dem Umgang mit atomaren Abfällen.)
Wir kennen ja jetzt alle hier hoffentlich noch die Zeichentrickserie der „The real Ghostbusters“, welche im Keller ihrer alten Feuerwehrwache eine sogenannte „Containment Unitaufgestellt hatten, in der sie ihre entsprechend eingefangenen Geister einlagerten. Meine überlegung dabei wäre jetzt, dass eine entsprechende Ruine das selbe Problem in Grün nur auf einer anderen Skala darstellen würden. Also ein einst gewaltiger Tempel, dessen Mauern tatsächlich nur dazu dienten die Essenz von etwas für immer zu verschließen. Allerdings waren die Erbauer dieser Anlage auch nicht so dumm anzunehmen, dass sie ewig existieren könnten, um diesen Ort zu bewahren. Also wurde als zusätzliche Abschreckung das gefährlichste Wesen mit der längsten Lebenszeit im inneren dieser Mauern auf ewig angekettet.
In der Gegenwart ist diese Wesenheit jetzt tot, der Tempel selbst bereits vermeitlich zerfallen, aber seine eigentliche Funktion übernimmt er immer noch. Nur das sich rund um das Skellet einer als Mittlerweile ausgestorben geltenden Monsterart jetzt ein gefährlicher Kult gebildet hat.
Soweit so gut: Wenn jetzt durch irgendeinen dummen Zufall genau das Element ins Spiel gebracht wird, welches den Schlüssel zum magischen Schloß dieser Ruine darstellt (und das kann noch so absurd sein: Von tropfemdem Vanille-Eis über dem Blut einer Jungfrau bis zum Urin des Sohns von einem Werwolf und einer Tieflings-Schurkin, der in einer Vollmondnacht vergossen wird, ist da erstmal alles denkbar) könnte man auf diesem Weg die Hölle losbrechen lassen und entweder sind die vermeitlichen Helden in dieser Konstellation damit beschäftigt zu fliehen oder aber eine Lösung aus den Echos der Vergangenheit zu finden, wie man die sich in Stufen aufbauende und bemerkbar machende Gefahr eventuell doch nochmal verhindern kann.


Zumindest wäre das bereits alles, was mir gerade spontan einfiele, was man aus dem Thema Ruinen eventuell noch herausholen kann. Andere mögen mir dabei vollkommen wiedersprechen.

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