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Cover: Frisches Blut, Alte Wunden Hack/Slash 07 Verlag: crosscult-Verlag |
Technisch gesehen
würde ich hier einfach nur schreiben: Die blutige Orgie der
spritzenden Gedärme geht weiter. (Oder wie man auch immer Tim
Seelies Persiflage auf das Genre umschreiben will.)
Inhaltlich haben wir
es bei „Frisches Blut, Alte Wunden“ mit einem Sammelband zu tun,
der wieder einmal drei unterschiedliche Geschichten zusammenfasst.
In „Söhne der
Menschen“ wendet sich der im letzten Band eingeführte „Samhain“
an Cassie und Vlad mit der Bitte ihm dabei zu helfen, eine Person aus
den Fängen einer Organisation zu befreien, für die er anscheinend
zuvor gearbeitet hat. (Dabei werden einige Dinge noch einmal genau
betont, die im Grunde schon im letzten Band eigentlich klar waren –
so pi mal Daumen.) Wir erfahren über Andeutungen die komplette
Originstory dieser neuen Figur, die in eine Geschichte welche sich
lose an die „Insel des Doktor Moreau“ anlehnt eingebettet ist.
(Auch wenn ein paar mal entsprechende Vergleiche mit Pooch gezogen
werden, die nicht ganz so unterhaltsam sind.)
In „Gegner und
Glückfälle“ verschlägt es Cassie und Vlad nach Chicago. Hier
scheint der Slasher, der die beiden vor Jahren zusammengeführt hat,
wieder auferstanden zu sein. (Das alles im Rahmen eines Haufens an
Wundern, die etwas mit Glückbringern in Form von Untoten Madonnen zu
tun haben.) Allerdings betreiben hier nur zwei dumme Mädchen ihre
eigene Form einer „Father Wrath“-Geschichte.
„Trau keinem
Fisch“ ist ein Wiedersehen mit Taber und der kleinen Ortschaft
Haverhill, die urplötzlich angefangen hat Cthulhu anzubeten.
Den Abschluss macht
dann noch ein kleiner Kurzcomic als Dreingabe, der Schwarz-Weiß
gehalten wurde und auf gerade mal 4 Seiten einen kurzen Zusammenstoß
mit dem Mythos der bloody Mary beschreibt.
Storymäßifg muss
man hierbei sagen, dass sich so langsam aber sicher eine gewisse
Blaupause eingeschliffen zu haben scheint, wie man entsprechende
Geschichten erzählt. (Dieser Eindruck kommt vor allen Dingen deshalb
hierbei auf, weil sich so viele Motive innerhalb dieser Geschichten
auf der einen oder anderen Weise wiederholen, die man bereits aus den
vorangegangenen Bänden kennt. Man könnte anhand dieser spezifischen
Geschichten jetzt natürlich sagen, man hätte eine Melange aus den
entsprechend „stärksten“ Geschichten aus den vergangenen Serien
geschaffen. (Auf der anderen Seite gibt es bei diesen doch sehr
starken Wiederholungen hier auch die entsprechende
Interpretationsmöglichkeit, dass hier einfach nur in einer sehr
ideenlosen Phase versucht hat, durch eine simple Variation des
bereits bekannten Zeugs Zeit zu schinden.) Potentiell betrachtet ist
das hier also der allerschlimmste Trash-Band schlechtweg. Sämtliche
Geschichten wirken auf diesem Weg wie schlechte zweite Teile, die von
vorher bereits bekannten B-Movies bestand hatten. (Ob das jetzt also
eventuell doch eine gewisse Planung dabei war, weiß keiner soweit.)
Ich werde dieses entsprechende Urteil hier nicht fällen.
Der Punkt bei der
ganzen Sache, weswegen ich aber beide Möglichkeiten dabei offen
lasse ist folgender: Der Zeichenstil von Hack/Slash ist selten auf
dem Niveau gewesen, was allgemein hin immer als „Hervorragend“
bezeichnet wird. Das erwähne ich insofern, weil mir über die Jahre
innerhalb der deutschen Comic-Affinen-Comunity immer eine bestimmte
Sichtweise auf die Qualität bestimmter Zeichner insofern aufgefallen
ist, dass manche Leute eher einen Stil zu bevorzugen scheinen den man
als „Fotorealistisch“ umschreiben könnte. Das ist deswegen
erwähnenswert, weil die Serie normalerweise zwar nicht vollständig
in diese Richtung geht, allerdings mit den regulären Zeichenweisen
eben genau in diesem Bereich eine Annäherung machte. (Inkusive der
entsprechenden Coloration.) Und das ist das zentrale bei dieser
Sache: Jede einzelne Geschichte ist (bis auf das Ende von „Trau
keinem Fisch“) eben nicht in diesem Stil gehalten. Es ist sogar
Meilenweit davon entfernt. Wenn wir kunsthistorisch an die Sache
herangehen würde, ist der Stil am ehesten als „Expressionistisch“
umschreibbar. („Trau keinem Fisch“ hat hingegen den gleichen Stil
gehalten, den die vorherige Ausgabe von Taber schon hatte.)
Das verändert ein
wenig den Fokus, den die entsprechende Geschichten insgesamt haben.
Wie gesagt: Alles unter der Interpretation betrachtet, die die
entsprechend positifste Sichtweise auf die ganze Geschichte ist. Das
aber hat einen ganz bestimmten Fokus, der erst dann aufgehen würde,
wenn entsprechend andere Erzählungen folgen. Betrachten wir diesen
Band also wieder mal einfach nur als überleitende „Zwischenepisode“.
Fazit
Dieser Band ist mir
in so vielen Faktoren schleierhaft, dass ich für den Augenblick
keine wirkliche Wertung abgeben will. Er würde funktionieren, wenn
auf lange Sicht hier wirklich ein paar Dinge ins Spiel kommen, die
vorerst noch nicht absehbar sind. Der Punkt bei dieser gesammten
Sache ist jetzt folgender: Entweder wir haben hier eine ziemlich
billige Variation der Geschichten, die in den vergangenen fünf Bände
aufgetaucht sind, oder aber und das wäre dann wirklich eine
ziemliche Überraschung, die ganze Geschichte wird ab hier dermaßen
großer Mindfuck, dass man wirklich überrascht werden kann. (Sollte
das, was Samhain in diesem Band als Andeutung zugeschrieben wird,
z.B. tatsächlich eintreffen, dürfte zumindest auf der Ebene der
potentiellen Beziehungen einiges an Überraschungen ins Haus stehen.
Aber wie heißt es so schön: Warten wir den ganzen Kram einfach ab.