Montag, 28. März 2016

Dieser verflixte Moment im Spiel!


„Under Pressure“... ich könnte jetzt darüber schreiben, wie ich mich gerade selbst unter Druck setze, weil mir bis jetzt diesen Monat nichts eingefallen ist, das ich in irgendeiner Weise Spielrelevant für den Karneval der Rollenspielblogs aufbereiten könnte. Und ich habe nur noch eine Woche! In dem Sinne: Endlich ein Grund zur Panik! Los: Panik!

*Klatsch* → Wenn man sich gerade selbst Ohrfeigt.

Also gut, beruhigen wir uns mal eben. Technisch betrachtet gibt es ja durchaus diesen Moment des unter Druck setzens nicht nur hier, während ich Ideenlos gerade einen Bildschirm anstarre und mich frage, was ich für meinen Blog schreiben soll. (Und am Ende dann möglicherweise wieder eine Comic-Rezension raussuche.) Technisch gibt es diesen Moment ja auch im Spiel.

Dazu eine kurze Einlotung meiner eigenen Person für den Augenblick: Ich bin in der Regel auf der spielenden Seite des Spieltischs. Nicht auf der Seite, die eSeLn beschäftigt ist. (Das heißt zwar nicht, dass ich den Job nicht machen würde, aber ich bin nicht unbedingt die erste Wahl auf dem Podest.) Dementsprechend sehe ich meine jeweiligen Aufgaben dann auch an einer anderen Stelle, was das Gelingen des Spieleabends angeht. Als Spielertyp bin ich vermutlich darüberhinaus noch so ein zwischending bei den für einige Leute eher verhassten Einstufungen: Storyteller und Methodactor... und was danach an möglichen Typen noch existiert fällt Prozentual gesehen in einen Bereich, der vernachlässigbar ist. Fakt ist: Ich horte XP, wenn mich die Optionen langweilen, was das Ausgeben anbelangt. Von daher bin ich auch kein Charakteroptimierer an sich. Meine Charaktere bekommen eher aus dem Zusammenspiel mit der restlichen Gruppe ihre Eigenschaften angepasst. (Und das heißt wiederum nicht, dass ich irgendeine Spezialaufgabe übernehme, wenn man sich das klassische Aufgabenverteilungsmuster nach Slot-System ansieht, was im Zusammenhang mit bestimmten D&D-Klassen zuweilen durchdiskutiert wird. Vielmehr kommt es eher vor, dass meine Ragabash im Bereich „Nehmerqualitäten“ hochgezüchtet wird, wenn es sich z.B. aus der Spielsituation heraus ergiebt, dass sie vom Ahroun des Rudels zu Weilen als Punchingball mißbraucht wird... und das kann man ebenfalls mißverstehen, wie ich gerade merke. Verdammt!) Von daher kann man sagen: Charakterklassen sind für mich kein zwingender Teil eines Charakterkonzeptes, sondern nur systemimmanente Notwendigkeiten.

Der Punkt bei der Sache ist, dass all diese kleinen, verdammten Eigensinnigkeiten, die mich als Spieler letzten Endes ausmachen, dann auf einer anderen Seite zu einer Verpflichtung führen: Die Szenen in ihrer jeweiligen Art dafür Großartig machen. (Und das sorgt dann doch wieder ganz schon für Druck.) Der Punkt bei der Sache ist: Jede Szene hat einen eigenen Witz, ein eigenes Moment, das man entweder irgendwie weiter im Flow halten kann... oder aber das Ganze hoffnungslos vermasselt. Der Punkt bei dieser Sache ist dann, dass ich mich in meinem Fall eigentlich in der Regel fast schon dazu gezwungen sehe eben den kleveren Ansatz zu fahren. brilliante Dialoge aus dem Stegreif und fast schon bühnenreife Improvisationseinlagen in den Beschreibungen sämtlicher Handlungen... in meinem Kopf.

Mir ist klar, dass ich keine Darbietungen abliefern kann, die ernstzunehmende Kritiker als gut bezeichnen könnten. Trotzdem ist dort dann dieser Moment, dass ich zumindest das jeweilige Setting zu leben versuche, in einer mehr oder weniger überzeugenden Art. Und das führt zuweilen zu übergroßen Blockaden. Wer meine Kommentiererei im Netz über die letzten Jahre verfolgt hat weiß, dass ich dieses gelebte Setting-Gefühl zumindest für die Logik der World of Darkness im Vampire-Bereich weitestgehend wie die Luft zum Atmen verinnerlicht habe... wobei auch hier gewisse Ausnahmen die Regel bestätigen.

Aber zum Teil blockiere ich mich dann doch selbst auch fürchterlich. Das hat in einer Engel-Runde soweit geführt, dass ich (zur Erleichterung meiner Mitspieler) ausgestiegen bin. Eine Notbremse, die aber etwas sehr Unschönes an sich hat. Bis heute weiß ich aber auch keinen wirklichen Ansatz, um das Problem an sich zu lösen. Sicherlich: Ein Weg währe, einfach das Klischee zu reiten. Aber das hat in manchen Bereichen etwas sehr unangenehmes.

Jedenfalls ist daraus bei mir am Ende eine gewisse Besessenheit zum Kontemporären entwachsen. (Und ein gewisser Hang zur Recherchearbeit.) Hier bei mir liegen einige Bücher rum, die sich entweder Methodisch oder Metaphysisch mit bestimmten Themen beschäftigen. (Unknown Armies ist gewissen Teilen für mich mittlerweile unweigerlich mit Walter Benjamins Aura-Begriff und technischen Details aus Film verstehen von James Monaco verbunden.) Das hilft zwar nicht per se... und es ist auch nicht unbedingt das beste Gesprächsthema überhaupt, Smalltalk über den moralischen Hintergrund von BDSM-Praktiken betreiben zu können. (Auf einer rein theoretischen Ebene.) Aber man kann sagen, dass ich gelegentlich auf meine Weise recht gut vorbereitet bin oder wenigstens die eine oder andere Ungewöhnlichere Lösung für einen Ansatz im Petto habe, wenn ich gelegentlich Pop-Kultur-Zitate auf die eine oder andere Weise heraushaue. (So bestand ein Schlüssel in der Umbra, um einen abgeschirmten Kaern betreten zu können, schon einmal aus einem Puzzle-Spiel, dass aus einem Video-Spiel entliehen war... auch wenn einer meiner Mitspieler bereits am davorgeschaltetem Türwächter-Rätsel aus der Reise ins Labyrinth scheiterte.)

Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es gibt auch für mich mittlerweile ein paar Versuchswege, um mich aus dem Situativem Spieler-Druck, den ich mir natürlich selbst verschaffe, zumindest ein wenig zu entwinden. Die bereits erwähnte stärkere Kenntnis über manche Dinge ist ein Ausweg. Der andere ist einfach der Umstand, dass ich über die Jahre neben David Lynch auch noch Quentin Tarantino für mich entdeckt habe und die Meta-Ebene des Werkes von diesen beiden Regisseuren im Hinterkopf zumindest teilweise ein paar Dinge gelegentlich für mich gerade biegen konnten.

Das heißt: Bis jetzt. Das Chaos kommt, dass diesen Umstand nur wieder aufleben lässt. Und das vermutlich garantiert. (Hey, ich arbeite ja schon mit diesem Blog an solchen Sachen, indem ich mich selbst an die Öffentlichkeit zerre.)

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