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Cover: Yukito Kishiro Battle Angel Alita Last Order Band 03 Verlag: Carlsen Comics |
Während der letzte
Band sehr viel noch zum Thema Zalem und dessen indirekte Beziehung
zur Erde ausgedrückt hatte geht es mit Band 3 in gänzlich neue,
bislang vollkommen unbekannte Phären hinauf. Wie man bereits sehr
genau wusste stellt Zalem nur die irdische, schwebende Komponente
eines Orbital-Lifts dar, der in eine weitere menschliche Kolonie
führt, der Stadt „Jeru“. Alita hat sich Desty Nova und den
verbliebenen Tunes angeschlossen, um zu Melchizedek zu gelangen, um
dort das Gehirn von Lou zu bergen, das anscheinend irgendeine
Funktion im Computer dieser ganzen, seltsamen Welt innehat, die
anscheinend eine Art Experiment mit Menschen darzustellen scheint.
Womit man in diesem
Fall nicht so wirklich rechnet ist die Art von Gesellschaft, welche
sich auf Jeru gebildet zu haben scheint: Kaum angekommen wird der
Stoßtrupp von der Erde von einem Mann Namens Aga Mbadi willkommen
geheißen (der zusätzlich den Namen „Trinidad“ trägt.) Dieser
offenbart Desty Nova, dass dieser das Ergebnis eines besonderen
Experimentes war, bei dem die Bewohner Jerus ungewöhnlich
hochbegabte Menschen auf Zalem erschaffen wollten. Drei dieser
Personen wären bereits im Laufe der Jahre nach Jeru hinausgestiegen.
Desty Nova ist jetzt der Vierte, der nicht gänzlich auf der Erde
verrückt wurde. Womit allerdings keiner dabei gerechnet hatte:
Trinidat ist eigentlich gar nicht an Desty Nova selbst, sondern nur
dessem Gehirnchip interessiert. Die Folge daraus ist, dass der ganze
Trupp in seltsamen Stase-Kuben (teilweise halbiert) ins All
hinausgeworfen wird. Desty Nova hingegen wird von Trinidad in
Scheiben geschnitten um an den Chip dieses Backups zu gelangen. (Ich
denke mal, dass die ganze Kopiererei des „verrückten
Karma-Wissenschaftlers“ im weiteren Verlauf der Reihe nochmal eine
wichtige Rolle spielen wird.)
Alita hat in sofern
Glück, dass sie von eimem Schrottsammler noch im All geborgen wird
und auf einer der unteren Ebenen Jerus aus ihrem Gefängnis befreit
wird. Dummerweise ist dieser Mann „Pingu“ sowohl ein
betrügerischer Ganove als auch ein Flüchtling Jerus, der die oberen
Ebenen nicht mehr ertragen konnte. Dummerweise ist er aber auch der
einzige Mensch in dieser Welt des Sonnensystems, der Alita
weiterhelfen kann. Und so schmieden die beiden einen durchaus als
zerbrechlich anzusehenden Packt voller Misstrauen auf Seiten von
Alita, bei dem Pingu am Ende zwei der Hirnchips von Desty Nova für
sich als Bezahlung bekommen kann.
Ziel ist dabei ganz
klar: Alita will immer noch das Gehirn von Lou bergen. Pingu hingegen
macht sie darauf aufmerksam, dass vermutlich nur ein bestimmtes
Kampftournir, dass alle zehn Jahre stattfindet, und jetzt kurz bevor
steht, die vermutlich beste Möglichkeit sein wird, um dieses Ziel zu
erreichen.
In einem
Seitenstrang der Erzählung wird dabei dieses neue Setting in Form
einer heimlich verfolgten Konferenz an der sämtliche Vertreter des
Sonnensystems teilnehmen beleuchtet: Die mehrheit der Befölkerung
dieser Welt ist einem Zustand der „Methusalemisierung“ abträglich
geworden. Das heißt, dass es sogar verboten ist Nachwuchs zu
erzeugen, um zu verhindern, dass entsprechende Individuen die nicht
Teil dieses uralten Systems sind umstürzende Ideen ins Spiel
bringen. Die Menschheit dieses Sonnensystems hat hingegen
weitestgehend über die Jahrtausende andere Formen angenommen.
Scheinbar sind sämtliche Planeten des Sonnensystems kolonisiert,
wobei Jupiter und Venus eine führende Rolle innerhalb dieser
Gesellschaft auf politischer Ebene einnehmen. (Und Jupiter ist
bevölkert von Cyborgs in nichtmenschlichen, robotischen Körpern,
während die Venus von „Kopffüßlern“ mit kannibalischer
Ernährung bevölkert wird. Die Bevölkerung des Erdorbits (wozu wohl
auch der Mond gehört) nimmt dabei eine vermittelnde Rolle zwischen
den Stühlen ein, die eher unklar definiert ist. (Wobei gerade
Trinidat sich hier als der ränkeschmiedende Strippenzieher im
beleuchteten Hintergrund präsentiert.)
Eine dritte Fraktion
ist dabei der Mars, der als anscheinend älteste Kolonie sich dem
alten Kreislauf aus Geburt und Leben als zentrale Philosophie
weiterhin higegeben hat und derzeit von einer anscheinend immer noch
jugendlichen Prinzessin mit alterndem Beraterstab und einer
Leibwächterin, die zumindest dem Anschein nach ähnliche Techniken
wie Alita beherrscht, beherrscht wird. Dummerweise ist der Mars
aktuell aber auch ein Kriegsgebiet, in dem mehrer Parteien
gegeneinander in einem gewalltigen Bürgerkrieg kämpfen, der von
unterschiedlichen Fraktionen aus dem restlichen Sonnensystem mit
angestachelt wird.
Grundlegend
betrachtet bleibt dieser Manga ebenfalls der alten Alita-Formel treu,
in der andauernd neue, noch mächtigere Gegner mit ungewöhnlichen
Fähigkeiten eingeführt werden, die in ihrer jeweiligen Form so fürs
erste nicht direkt zu erfassen sind. Dadurch aber, dass diese neue
Welt eben nicht mehr die in irgendeiner Weise von der Erde
definierten Gebiete darstellt benutzt Kishiro in seiner Erzählung
auf diese Weise einen sehr interessanten Trick, indem er das gesammte
Szenario in Form einer politischen Konferenz sich selbst entfalten
lässt. Was hier erst einmal aufgebaut wird ist ein verhältnismäßig
schneller Überblick in dem man eine recht gute Übersicht über „die
Bösen“ bekommt. (Und irgendwas, dass anscheinend sowas ähnliches
wie „die Unschuldigen“ sein könnte. Ob dieser erste Eindruck
sich aber wirklich bewahrheiten wird bleibt erstmal abzuwarten.) Fakt
ist nur: Zeit spielt für diese seltsame Gesellschaft in der für uns
verständlichen Form erstmal keine wirkliche Rolle. Sie ist
„überwunden“, wenn man das so aufdrücken will. (Daraus ergibt
sich dann zwar zwangläufig auch ein Prinzip von Langeweile, dass in
den meisten Gedankenexperimenten die derartige Popkulturelle
Geschichten erzählen, zwangsweise in Grausamkeit ausartet, aber wie
das dann tatsächlich im Falle dieser Serie sich ausprägt bleibt
erstmal abzuwarten.)
Jedenfalls bleibt
man am Ende dieses speziellen Bandes irgendwie mit einem flauen
Gefühl in der Magengegend zurück, das einen um die ganzen
Liebgewordenen Charaktere des Battle Angel Alita Universums irgendwie
noch mehr bangen lässt, als wir es in der ursprünglichen Erzählung
bereits getan haben, als wir Alitas ständige Rückschläge erlebten.
Fakt ist aber auch hier: Die Erinnerungen an Yoko werden weiterhin
immer wieder an stellen eröffnet, wo es für Alita unglaublich
wichtig ist, sich an etwas aus ihrer Vergangenheit zu erinnern, dass
ihren bisherigen Fähigkeitslevel erneut erhöt. (Es ist irgendwie
fast shcon als sarkastisch zu betrachten, dass ausgerechnet in der
Notwendigkeit noch mehr Blut zu vergießen kleinere Schnipsel einer
Person hervorgespühlt werden, bei der unklar ist, ob wir sie
wirklich in dieser Form noch einmal erleben wollen.)
Fazit
Der dritte Band
versöhnt mich mit einigen Schwächen des zweiten Bandes. Zwar wäre
es indirekt durchaus interessant gewesen zu beobachten, ob noch etwas
mit Zalem selbst geschieht. (Immerhin wurde im zweiten Band
angedeutet, dass langfristig Schrottstadt Richtung Zalem wächst. Und
von da an wäre es eigentlich nur ein verhältnismäßig kleiner
Schritt um auch nach Jeru vorzudringen. Wobei man dann abwarten
müsste, wie Jeru auf die vermeitlichen jungen Wilden reagieren
würde.)
Jedoch sind auch
weiterhin alle Komponenten innerhalb dieses Bandes vertreten, die
gerade die Geschichte rund um Alita so dermaßen stark auszeichnet.
Es wird nur noch stranger als bisher, da sich ein gänzlich neuer
Kosmos gerade auftut, in dem sich der „Battle Angel“ behaupten
muss.